Full text: Hessenland (6.1892)

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Winterhalbjahr 1890/91. Außer den immatrikulirten 
Studirenden ist im laufenden Winterhalbjahr noch 42 
Personen vom Rektor die Erlaubniß zum Besuche 
der Vorlesungen ertheilt worden , sodaß sich die Ge- 
sammtzahl der berechtigten Hörer gegenwärtig auf 
882 beläuft. Bon den immatrikulirten Studenten 
gehören 137 der theologischen, 155 der juristischen, 
258 der medizinischen und 290 der philosophischen 
Fukullät an; 676 sind Preußeü (267 aus der Pro 
vinz Hessen-Nassau) 134 aus den übrigen deutschen 
Bundesstaaten, 6 aus Oesterreich-Ungarn, 1 aus 
Frankreich, 5 aus Großbritannien, 1 aus den Nieder 
landen, 4 aus Rußland, 4 aus der Schweiz, 1 aus 
der Türkei, 3 aus Afrika, 1 aus Amerika, 3 aus 
Asien, 1 aus Australien. — 
Nach dem kürzlich erschienenen Personalbestand der 
Universität Gießen beträgt die Zahl der in 
diesem Winterhalbjahr immatrikulirten Studirenden 54 3 
gegen 562 im vorigen Sommerhalbjahre. Von jenen 
widmen sich der Theologie 83, der Rechtswissenschaft 108, 
der Medizin 121, der Thierheilkunde 28, der Zahn 
heilkunde 8 , der Kameralwissenschaft 41, der Forst 
wissenschaft 15, der Mathematik 13, der klassischen 
Philologie 44, der neueren Philologie 22, der Philo 
sophie und den Naturwissenschaften 14, der Geschichte 4, 
der Pharmazie 14, der Chemie 28. Außerdem 
nehmen noch 42 nicht immatrikulirte Hörer an den 
Vorlesungen Theil. — 
— Die Zahl der Studierenden an den 
preußischen Universitäten hat nach einer Zusammen 
stellung nach Schluß des Sommersemesters 1891 
von Prof. Guttstadt in den letzten 20 Jahren 
um 73,7 o/o zugenommen. Diese Zunahme war, 
was die einzelnen Universitäten angeht, prozentualisch 
berechnet, sehr verschiedenartig. Am größten war 
der Zuwachs in Kiel, nämlich 262,2 °/ 0 , am ge 
ringsten in Göttingen 10,7 %• Die übrigen sieben 
preußischen Universitäten weisen absteigend die folgen 
den Prozentzahlen der Zunahme auf: Marburg 
112, Berlin 106, Halle 63,4, Bonn 63,2, Greifs 
wald 62,4, Breslau 36,3 und Königsberg 25,4. 
Der ordentliche Professor der Theologie C. Mirbt 
in Marburg ist von der theologischen Fakultät in 
Göttingen honoris causa zum Doktor der Theologie 
ernannt worden. Professor Mirbt hatte sich im Jahre 
1888 an der theologischen Fakultät in Göttingen als 
Privatdozent für Kirchengeschichte habilitirt und folgte 
nach Jahresfrist einem Rufe zum außerordentlichen 
Professor für dieses Fach an die Universität Marburg. 
Bereits im Anfang dieses Jahres wurde er dann 
zum ordentlichen Professor befördert. Seine wissen 
schaftlichen Arbeiten haben sich bisher vorzugsweise 
ans die Kirchengeschichte des Mittelalters erstreckt, 
namentlich auf die Zeit Gregor's VII. Darauf be 
zieht sich auch das Elogium, welches ihm in dem 
Doktordiplome ertheilt wird. Die Göttinger theologische 
Fakultät nennt ihn darin einen „Virum animi can- 
dore et comitate insignem, qui eruditione solida 
probatissimus in scholis theologicis cum in nostra 
tum in Philippina academia habitis praeclaro 
studio et eventu versatus est, necnon de historia 
ecdesiae medii aevi illustranda scriptis subtiliter 
elaboratis optime meruit“. — 
Der ordentliche Professor der Theologie an der 
Universität Gießen, Pie. theol., Pr. phil. G. 
Krüger, ist von der theologischen Fakultät der 
Universität Marburg zum'Pr. theol. honoris causa 
ernannt worden. 
Den Professoren in der philosophischen Fakultät 
der Universität Marburg Pr. Ferdinand Justi 
und Pr. Julius Bergmann ist der Charakter 
als „Geheimer Regierungsrath" verliehen worden. 
Der Professor der vergleichenden Sprachwissenschaft 
Pr. Ferdinand Justi ^entstammt einem alten 
Marburger Prediger- und Gelehrtengeschlechte, dessen 
bekanntester Vertreter sein Großvater, der am 
27. August 1846 verstorbene Superintendent Pro 
fessor Pr. Karl Wilhelm Justi, gleich ausgezeichnet 
als Theologe, Historiker und Dichter, war. Ferdinand 
Justi, Sohn des Pfarrers Wilhelm Justi, ist am 
2. Juni 1837 in Marburg geboren. Er besuchte 
das Gymnasium seiner Vaterstadt und begann zu 
Ostern 1856 seine akademischen Studien in Marburg 
nach dem Familienbrauche mit der Theologie. Ent 
scheidend für die Richtung seiner Studien war der 
Umstand, daß Professor Gildemeister gleich in dem 
ersten Semester Ferdinand Justi's Sanskrit las und 
ihn in dem folgenden Semester in die vergleichende 
Sprachwissenschaft einführte, die dann den Haupt- 
gegenstand seiner Studien bilden sollte. Nachdem 
F. Justi noch die Universität Güttingen besucht und 
sich daselbst namentlich mit philologischen und histo 
rischen Studien beschäftigt hatte, habilitirte er sich am 
19. Februar 1861 als Privatdozent für vergleichende 
Sprachwissenschaft an der Universität Marburg. 
1865 wurde Dr. Ferdinand Justi zum außerordent 
lichen, 1869 zum ordentlichen Professor ernannt. 
Von seinen Schriften sind hervorzuheben: „Die Zu 
sammensetzung der Nomina in den indogermanischen 
Sprachen", 1861 ; „Handbuch der Zendsprache«, 1864, 
welchem später (1868) eine kritische Ausgabe des 
„Bundchesch" mit Glossen folgte: „Beiträge zur 
alten Geographie Persiens", 1869/70 ; „Geschichte des 
alten Persiens", 1879; „PictionnaireLurde-tran^ais", 
1879; „Kurdische Grammatik", 1880: „Geschichte 
der orientalischen Völker im Alterthum", 1885. — 
Der ältere Bruder Ferdinand Justi's, der Pro 
fessor der neueren Kunstgeschichte Dr. Karl Justi 
in Bonn, geboren am 2. August 1832 zu Mar 
burg, welä)er zum Nachfolger Anton Springers 
in Leipzig in Aussicht genommen war, hat den 
an ihn ergangenen Ruf abgelehnt. Seine Haupt 
werke sind: „Winkelmann, sein Leben, seine
	        

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