Full text: Hessenland (6.1892)

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bleiben und die Anderen zu erwarten, man ver 
sprach dieses, und Herr Lieutenant Weber ritt 
hinein und überbrachte meine Ordre an die dort 
befindlichen zwei Herrn Hauptleute. 
Einer dieser letzteren, Herr Hauptmann Rang, 
begab sich vor das Thor und machte ihnen die 
Vorstellungen, worauf sie erklärten, daß die 
höheren Behörden in Fulda sie nach Hause be 
riefen, da sie nur auf Kriegsdauer engagirt 
wären, man sie mithin nicht zwingen könne, 
länger hier zu bleiben, daß man ihnen weder 
Hemden noch Kleidung gebe, kurz, daß sie nach 
Hause wollten. 
Während dieser Zeit waren die Tambours 
der Grenadiers in die Stadt gedrungen und 
schlugen Roulement, alle Vorstellungen waren 
nun vergebens, der schon angeführte Sappeur, 
welcher an der Spitze stand, commandirte „Vor- 
nter den italienischen Sängern Friedrich's II. 
werden besonders hervorgehoben die Diskant 
, singenden Herren Ciampi, Bertolotti, 
G aleazzi sowie der Heldentenor Morelli und 
die Bassisten Bianchi, Dolo, Gherardi 
und Toscani, die leuchtendsten Sterne unter 
den Künstlerinnen aber waren Lucie Sa int- 
Pierre, Signora Caldinelli, Signora Scali 
und Madame Le melle. Was nun die Lands 
mannschaft dieser Herren und Damen betraf, so 
war dieselbe so echt wie ihr Gesang, nicht etwa 
wie es heutigen Tages vorkommt, daß aus einem 
guten deutschen Namen ein italienischer gemacht 
wird, um als ein lockendes Aushängeschild zu 
gelten. Sie waren sämmtlich aus Rom, Venedig 
oder Neapel, fühlten sich aber unter dem Kasseler 
Himmel, wo die Gunst des Landgrafen die 
Sonne war, die sie erwärmte, wie man so sagt, 
ganz mollig, denn viele von ihnen blieben längere 
Zeit hier, einige sogar für ihre ganze Lebens 
dauer. Signora Scali heirathete den Konzert 
meister Heuze, Signora Caldinelli aber wurde 
noch in ihrer vollen Blüthe so korpulent, daß 
sie die Bühnenlaufbahn aufgeben mußte. Dies 
erschien für die Kasseler Oper als ein schier un 
ersetzlicher Verlust, denn cs genügte nicht, daß 
zu ihrem Ersatz gleich zwei tüchtige Sängerinnen, 
Maddalena Felici und Anglia Da via, 
engagirt wurden, auch die berühmtesten Künst 
lerinnen der damaligen Zeit, Lucie Bertolotti, 
Ottavia Gheri und die Dominichini, mußten 
gastieren und erhielten, außer freier Reise und 
würts!" Sie füllten das Gewehr, Herr Hanpt- 
man Rang mußte weichen und eilte zu den übrigen 
Offiziers, welche die 5. und 6. Compagnie ver 
sammelt hielten, auch hier wurden die nachdrück 
lichsten Vorstellungen gemacht, keiner von den 
Leuten trat noch ans dem Gliede, bis die 
Grenadiers auf die Offiziere losgingen und ihnen 
die gefällten Gewehre auf die Brust setzten und 
die Soldaten mit Gewalt zwangen, aus den 
Gliedern zu treten, wobei sie schrieen: „Die 
Offiziers haben euch nichts mehr zu befehlen, 
Ihr werdet zu Haus erwartet und habt keine 
Strafe zu gewärtigen." Hierauf fingen die 
Grenadiers und Jäger an zu schießen und zu 
lärmen, Alles wurde mit Gewalt fortgerissen, 
und an ein Zurückhalten war nicht mehr zu 
denken. 
(Fortsetzung folgt.) 
den obligaten kostbaren Präsenten, für jede 
Partie ein Honorar von 300 Reichsthalern. 
Neben der italienischen Oper unterhielt der 
Landgraf noch ein ebenso echtes französisches 
Schau- und Singspiel und ein Ballet erstell 
Ranges. Der Surintendant de la musique et 
des spectacles oder der „Oberaufseher", wie 
es in dem Rcichard'schen Theaterkalender heißt, 
in welchem Kassel unmittelbar nach Paris auf 
geführt wird, war der von Voltaire empfohlene 
Marquis de Lachet, unter dem noch der 
galante Ritter Trestondam als Direktor des 
Schau- und Singspiels stand. In dem bereits 
genannten Rcichard'schen Theaterkalender auf 
das Jahr 1780 ist ausdrücklich angeführt: „Der 
Landgraf giebt zu der Unterhaltung des Fürst 
lichen Hoftheaters jährlich 35 000 Reichsthaler, 
wozu noch die Entree-Gelder geschlagen werden." 
Von den als integrirenden Theil der Gagen zu 
betrachtenden Geschenken ist selbstverständlich da 
bei keine Rede. „Die italienische Oper", heißt es 
ferner, „wird nur während den Messen und an 
besonderen Gala-Tagen aufgeführt; die dabei an 
gestellten Sänger versehen aberauch das Hof-Konzert 
und die Kirchenmusik in der Hvfkapelle. Die Spiel 
tage des französischen Schauspiels sind Montag, 
Mittwoch und Freytag, und wird gewöhnlich 
ein Schauspiel nebst einer Operette oder Ballet 
gegeben." Der Einsender des Personalverzcich- 
nisses in dem Rcichard'schen Theaterkalender 
hatte es unternommen, bei den Mitgliedern des 
/Ibeatre sraixjais“ den verhültnißmäßigen Werth 
H-äH- 
>as Woflhealer in Waffel 
(Fortsetzung.)
	        

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