Full text: Hessenland (6.1892)

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Am 20. Juni tagte der hessische Forst- 
verein in dem Orangeriegebäude zu Fulda. 
An dieser Jahresversammlung, der 19. seit dem Be 
stehen des hessischen Forstvereins, betheiligten sich 
76 Mitglieder und 11 Gäste. Vortrüge wurden 
gehalten über „tue Ueberführung der Kiefernbestände 
in Laubholz“, Referent: Forstmeister F e n n e r — 
Wolfgang, Korreferent: Forstmeister Schembe r 
— Todtenhausen; „die verschiedenen Verkaufs 
formen auf dem Holzmarkte", Referent: Ober 
förster S t o r ck — Wetter, Korreferent: Oberförster 
I e n t s ch — Neuhof; „die Durchforstungsfrage", 
Referent: Oberförster Meyer — Oedelsheim, Kor 
referent : Oberförster W e tz e l — Mottgers. Außer 
dem wurden Vereinsangelegenheiten besprochen. Am 
Schlüsse der Berathungen stellte Forstmeister H. Uth 
aus Münden den Antrag, aus Vereinsmitteln dem 
Altmeister hessischer Forstkultur, Johann Christian 
H u n d e s h a g e n, in Fulda ein einfaches , aber 
würdiges Denkmal zu errichten. Hundeshagen war 
von 1821 bis zu seiner Berufung an die Univer 
sität Gießen im Sommer 1824 Direktor der seit 
1808 in Fulda bestehenden, vom Landforstmeister 
Crnst Friedrich Hartig gegründeten forstwissenschaft 
lichen Lehranstalt, welche 1825 nach Melsungen ver 
legt wurde, aus der dann nach der Einverleibung 
Kurhessens in Preußen die königliche Forstakademie 
zu Münden hervorgegangen ist. Der Antrag des 
Forstmeisters Uth wurde angenommen und als Platz 
für den zu errichtenden Denkstein die städtische, am 
Fuße des Frauenbergs gelegene Anlage ausersehen, 
welche ehedem der forstwissenschaftliche Lehrgarten 
gewesen ist. — Als Ort der nächsten Jahresver 
sammlung wurde Marburg gewühlt. — Am 
21. Juni unternahm der Verein vermittelst Sonder 
zugs einen Ausflug nach Salmünster, um den 
dortigen prachtvollen Forst, in welchem herrliche, 
bis 400 Jahre alte Eichenbestände meist mit Buchen 
unterbaut sind, zu besichtigen. — Tags darauf 
fuhren etwa 30 Mitglieder des Vereins nach der 
Station Milseburg, von wo sie sich über die Milse 
burg, Wasserkuppe und Fuldaquelle nach Gersfeld 
begaben und dann Abends mittelst Sonderzugs nach 
Fulda zurückkehrten, um von hier aus wieder der 
Heimath zuzueilen. 
Unser hochgeschätzter Landstnann und Mitarbeiter 
D. Saul in Stuttgart wurde auf Grund einer 
Dissertation „Zur Begrenzung des Pyrrhonismus" 
und nach Ablegung eines Colloquiums von der 
Universität Tübingen zum Doktor der Philosophie 
promovirt. 
In Hanau geht man mit dem Plane um, dem 
vor sieben Jahren verstorbenen Georg A p p u n n , 
einem seiner bedeutendsten Musiker, ans der Stätte, 
wo er sein müdes Haupt zur Ruhe legte, ein wür 
diges Denkmal zu errichten. In dem zu diesem 
Zweck erlassenen, voll Nickel, Justizrath W. Osius, 
Ph. Hartung, Jak. Geißel, Waßmuth, Jean Nieolay- 
Weisborn unterzeichneten Aufrufe heißt es: „Georg 
Appunn war eine Individualität von selten origineller 
Prägung, ein Mann, der mit einer begeisterten Liebe 
für seine Knust einen sonnigen, herzerfrischenden 
Humor verband. Von Jugend auf in der Musik 
thätig, genügte es ihm bald nicht mehr, mit dem 
Gegebenen allein zu arbeiten, er suchte die Natur 
der Töne zu ergründen. In verhültnißnlüßig 
vorgerücktem Alter gab er sich akustischen Studien 
hin, und was Andere durch wissenschaftliche 
Schulung voraus halten, ersetzte er durch ein ungemein 
feines Gehör und eine tüchtige musikalische Bildung. 
So errang er Erfolge, die seinen Namen dauernd 
mit der physikalischen Tonlehre verknüpfen. Er war 
ebenso den tüchtigsten deutschen Musikern kongenial 
wie den ersten Männern der Wissenschaft, seine Be 
gabung zog ihm keine Grenze nach oben. Er hat 
erreicht, was nur Wenigen beschiedeu ist, man braucht 
nur an seinen Tonmesser, neuen Obertöneapparat, 
das Harmonium mit mathematisch reiner Stimmung 
zu erinnern/' 
U n i v e r s i t ä t s n a ch r i ch t e n. Der Professor 
an dem eidgenössischen Polytechnikum zu Zürich 
Dr. Friedrich Schottky ist an Stelle des 
nach Göttingen berufenen Professors Dr. Heinrich 
Weber zum ordentlichen Professor der Mathematik 
und zum Direktor des ulathematischen Seminars 
an der Universität Marburg ernannt worden. 
— Der Privatdozent der semitischen Philologie 
Dr. Peter Jensen zu Straßburg hat einen Ruf 
als außerordentlicher Professor an die Universität 
Marburg erhalten. — Die philosophische Fakul 
tät der Universität M a r b u r g hat den Privat 
gelehrten A r e y von D o m m e r, zur Zeit in 
Marburg wohnhaft, früher Bibliothekar an der 
Stadtbibliothek zu Hamburg, zum Doktor honoris 
causa promovirt. Die von ihm bearbeitete Studie 
über die „ersten Marburger Drucke" wird voraus 
sichtlich zu Ende dieses Jahres erscheinen. Von 
früheren Werken A. von Dommer's sind haupt 
sächlich seine musikalischen Schriften: „musikalisches 
Lexikon" und „Geschichte der Musik", hervorzuheben. 
Außerdem ist er der Verfasser einer kritischen Be 
arbeitung der Lutherdrucke, einer Monographie, die 
einen außerordentlichen Fleiß bekundet und wegen 
ihrer Genauigkeit in den Gelehrtenkreisen große An 
erkennung gefunden hat.
	        

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