Full text: Hessenland (6.1892)

173 
Ns» einem Einsame». 
Wer ruft den letzten Gruß mir zu 
Mit eines treuen Freundes Munde? 
Wer schließt mir's müde Aug' zur Ruh' 
In meiner letzten Abschiedsstunde? 
Wer legt ein Blümlein mir auf's Grab, — 
Zum „letzten Ruse" eingeladen, 
Steig' ich zur Mutter still hinab 
Und meinen alten Kameraden, — 
Wo mit dem treuen Herzen ruht 
Das Heiligste, was wir besaßen; — 
Einst unser Daseins höchstes Gut, — 
Ach, längst schon schlummert's unter'm Rasen. 
Der Blume Hauch, des Zephyrs Weh'n, 
Die über meinen Hügel streichen, 
Ist Alles, was da mag gescheh'n, 
Was ein Verlass'ner kann erreiche». 
Vergeßlich ist des Menschen Sinn, 
Der Freund, bei dem wir oft gesessen, 
Vergessend zog er längst dahin. 
Des Todten Loh» ist hier: „Vergessen!" 
New-Aork. Htt- Melden. 
Da» Schloß am Serge. 
Es sieht ein Schloß vom Berge 
Hinab in's grüne Thal, 
Dort saß ich einst so fröhlich 
Im alten Rittersaal. 
Und einem Edelfräulein 
Blickt' ich in's Angesicht, 
Blond wallten ihre Locken, 
Ihr Auge bla» und licht. 
Es sah mich an, und Wonne 
Erfüllt' das Herze mein, 
Da dünkt' die ganze Erde 
Mir voller Sonnenschein! — 
Die Jahre eilten stüchtig, 
Das kurze Glück entfloh, — 
Doch heut' macht die Erinn'rnng 
Mich selig noch und froh; 
In ineinen schönsten Träumen 
Schwing' ich mich auf ein Roß 
Und fliege durch die Lande 
Hin zu dem alten Schloß. 
Da lugt die graue Zinne 
Aus Buchenlaub hervor, 
Und ich erkenne deutlich 
Das Wappen über'm Thor, 
Die Pforte, wo von Liebreiz 
Umflossen sie einst stand, 
Zum Willkomm dar mir reichend 
Die schmale, weiße Hand. 
Den Thurm umschlingt wie ehnials 
Der Epheu so vertraut, 
Und leise rauscht die Linde. 
Die sie und mich geschaut. 
Schon sehe ich die Holde, 
Sie grüßt von dem Altan — 
Ich wache auf, und alles 
Ist nur ein leerer Wahn! — 
Du Burg auf grüner Höhe, 
Wie gerne denk' ich dein, 
Könnt' ich in deinen Mauern 
Noch einmal glücklich sein! 
Gotha. Ernst Moksgang Keß v. Mchdorff. 
Aus Keimath und Fremde. 
Am 20. Juni hat zu Homburg v. d. H. die 
Verlobung des Prinzen Friedrich Karl 
von Hessen mit der Prinzessin Mar 
garethe von Preußen, der jüngsten Schwester 
Sr. Majestät des Deutschen Kaisers und Königs 
von Preußen, stattgefunden. Prinz Friedrich Karl 
von Hessen, dritter Sohn des verewigten Landgrafen 
Friedrich von Hessen und dessen Gemahlin, der Land 
gräfin Anna von Hessen, geb. Prinzessin von Preußen, 
ist am !. Mai 1868 zu Schloß Pauker in Holstein, 
seine Braut, Prinzessin Margarethe von Preußen, ist 
am 22. April 1872 zu Potsdam geboren. 
Laut amtlicher Bekanntmachung im „Reichs 
anzeiger “ sind die Färber: der Provinz 
Hessen-Nassau von Sr. Majestät dem 
Deutschen Kaiser und König von Preußen wie folgt 
bestimmt worden: 
für die Provinz: roth-weiß-blau, 
für den Bezirksverband Kassel: roth-weiß, 
für den Bezirksverband Wiesbaden: blau-orange. 
Es sind sonach für die Regierungsbezirke Kassel 
und Wiesbaden die alten hessischen und nassauischen 
Farben beibehalten worden.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.