Full text: Hessenland (6.1892)

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podagra, miltzsucht, Lahmnuß, blindtheit, taub- 
heit, stummigkeitoo b) Wunderlicher Weise geheilet 
werden, dauvonman dieses orts gute nachrichtung 
hatt, vndt wird noch teglich gebraucht auch 
6vd) Darunter Note von derselben Handschrift: 
„wie auch der Scharbock, wie solches an H- E. G. 
Lieutenant Mil andern, der ohngefehr ein monath 
zeit denselben dieses orts geprauchtt vndt teglich den 
krefftig befunden, darbey eine große Menge 
Volcks anno 1639 mit großer Verwunderung 
sich vffgehalten vndt viele bresthaffte Leuth 
Merckliche Hülff vndt besserung empfunden." 
(Fortsetzung folgt.) 
armen vor etzliche thaler brot austheilen lassen, 
sich befunden, vndt selbst gerühmt, daß er ein großes 
vff die NtzNieoZ spenäiret, aber außer dieser brunnen 
Cur keine Hülff erlangen mögen." 
Aus dem Geben 
Sieben und zwanzig! 
30. Zuni 1841. 
We poets in our youth begin in 
gladness, 
Bnt thereof comes in the end 
despondency and — madness ! 
Wordsworth. 
Es stand ein Wandersmann auf einer Brücke 
Und lehnte müd' an des Geländers Rand, 
Stromauf- und abwärts schweiften seine Blicke 
Den Wellen nach, wohl über Thal und Land: 
Bor ihm ein Nebelmeer, grau und zerflossen, 
Und hinter ihm ein Fernbild, duftig klar —, 
Ihn schwindelte, und fest hielt er umschlossen 
Den Eichenstab, der sein Gefährte war. 
Wohin des Stromes mannigfache Windung, 
So fragt er sich, mich Pilgernden noch zieht? 
Wie fern, wie nah die unbekannte Mündung? 
Ob er zum Ozeane schleicht, ob flieht? 
Verrauscht, verloren ist die heil'ge Quelle 
In dunkler Schlucht, die ihn zuerst gewiegt, 
Schon manche Meile maß die flücht'ge Welle, — 
Wie viele noch, eh' sie im Sand versiegt? 
Ich bin der Wandersmann, der Strom mein Leben, 
Die Brücke eines Jahrs Beginn und Schluß; 
Kopfüber in die Tiefe starr' ich eben, 
Zurück und vorwärts auf den falschen Fluß, 
Und zitternd greift die Rechte und beschwörend 
An ihren Wanderstab, das Saitenspiel, 
Mit alten Weisen neuen Gram bethörend, 
Fortstürmend an ein streng verhülltes Ziel. 
Wohl lieber heut' als ihre todte Laute 
Ergriff sie eine lebenswarme Hand, 
Und sel'ger in ein treues Auge schaute 
Der irre Blick als in das weite Land; 
Daß ich allein des Weges zieh' und walle: 
Nie fühlt' ich es so schmerzlich tief als jetzt, 
Da sich, entfernt dem lauten Alltagsschwalle. 
Der Fuß auf eines Tempels Schwelle setzt. 
Iran; Wngelsteöl's. 
Ein Mann geworden und kein Weib gefunden, 
Gespielt mit Liebe und geliebt im Spiel, 
Im Ernst gelöst, was nur der Scherz verbunden: — 
Bei Gott! es war zu viel und doch nicht viel! 
Arm wach'ich auf nach reich durchschwelgten Nächten, 
Und mit den Träumen wuchs noch die Begier; 
Ich hab' nicht Grund, mit dem Geschick zu rechten, 
Doch, Schicksal, rechte Du auch nicht mit mir! 
Und wenn kein Dankgebet, kein frommer Glaube 
Inbrünstig aus den goldnen Saiten spricht, 
Was kann denn sie dafür, die schwache Taube, 
Daß ihr im Sturm die Schwinge früh zerbricht? 
Wie sich ein Knie beugt, ach! ich hab's vergessen, 
Der Andacht inn're Wollust ward verlernt, 
Und weil's zur Erde sah, hat unterdessen 
Mein Auge sich vom Himmel schnöd' entfernt. 
O, die von Dichters Glück und Segen prahlen, 
Ruft sie mir her, zu dieser Stelle her! 
Kein Sterblicher braucht also zu bezahlen, 
Was er vom Leben borgt und raubt, als er. 
Du drückst ein Kind an Deinen Mutterbusen, 
Dir ist Dein Gott und Dir Dein Herd die Welt, 
Wir buhlen nur mit unfruchtbaren Musen, 
Und unser Ziel ist: „Wie es Euch gefällt!" 
Ihr glaubt nicht, wenn wir solches Lied Euch klagen, 
Ihr seht die Flamm' und wißt nicht, wie sie brennt, 
Ihr wärmt Euch d'ran in müßigem Behagen 
Und lobt und pflegt ein „niedliches Talent"; 
O Herr, wie oft in mitternächt'ger Stunde 
Hab' ich's vor Dir verschworen und verflucht, 
Wie wild gewühlt in der gewohnten Wunde, 
Wie sehnlich einen andern Weg gesucht! 
Ha! ging ich irr, so gieb die alte Blindheit, 
Den Wahn gieb, Unbarmherz'ger, mir zurück, 
Nur zaub're die Gespenster meiner Kindheit 
Mir nicht mehr vor, das cng-bescheid'ne Glück! 
Es ist vorbei, die Welle kehrt nicht wieder, 
Ihr Lauf, ihr Bett, ihr Ende ist bestimmt, 
Und Deine Sterne funkeln kalt hernieder, 
Ob ein gebroch'nes Herz auch drinnen schwimmt.
	        

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