Full text: Hessenland (6.1892)

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seinen Rottgesellen, welche dazumal auch lege- 
hasftig gewesen, angezeiget und dies Werk aufs 
den Lande hin und wieder außzubeuten und 
bekant zu machen, sich höchlich bemühet." 
Auch die Offiziere der Besatzung von Hof 
geismar hörten von der Heilkraft der Quelle, 
insbesondere Melander, welcher an dem Schar 
bock (Scorbut) litt. Er erprobte selbst die Quelle, 
empfand ihren Nutzen an seinem Körper und 
machte solches in weiteren Kreisen bekannt. In 
Folge davon kam aus Nähe und Ferne Kranke 
herbei, um ihre Gesundheit wieder zu erlangen, 
und da sich solche bei den meisten nach dem 
Trinken oder Baden, bezw. nach Beidem, wieder 
einstellte, wurde nach und nach der Zudrang von 
Menschen so groß, daß Buden und Zelte in 
der Nähe der Quelle aufgeschlagen werden mußten, 
um den Kranken Unterkunft zu gewähren. Schultz 
belegt den starken Besuch mit Zahlen; 120 aus 
dem Stifte Münster und 20 aus dem Stifte 
Osnabrück, von denen viele ihre Krücken, welche 
sie mitgebracht, beim Brunnen gelassen hätten, 
und führt eine Reihe von Fällen auf, in denen 
sich dessen Heilkraft bewährt habe, in folgender 
Gruppirung: 
1. Blutfluß, Geschwulst, Erbgrind; 2. Ver 
wirrung deß Haupts und Unsinnigkeit; 
3. Stumm- und Taubheit und blöd Gehör; 
4. Blindheit; 5. Podagra; 6. Haupt 
wehen, Flüsse und Beschwerungen; 7. Alte 
und neue Schäden, Lähme, Brüche, Dürrheit; 
8. Erb- und böser Grind ; 9 Allerley 
Fieber, Schwere Noht. 
Es werden darunter wahrhaft überraschende 
Kuren mitgetheilt. 
Zu Nr. 4. Ein Mägdlein aus der Herrschaft 
Spremberg, so mit einem Auge stockblind 
gewesen, rst innerhalb zwey Tagen sehend 
worden und ihr Augapfel hervor gebrochen. 
Zu Nr. 7. Gangolf Buche von Reiß hat von einem 
schweren Falle eine Ribbe im Leibe zer- 
trümmelt, hieran große Schmerzen empfunden, 
und das dreytägliche Fieber auch zugleich 
bekommen, ist von beyderley, nachdem er den 
Brunnen eine Zeitlang warm getruncken, 
wiederum entledigt worden, und gesund nach 
Hause kommen. 
Zu Nr. 9. Ein Mägdlein von 13 Jahren von 
Gitersdorff hat der Schlag am linken Beine 
gerührt, daß es gantz blau und sehr schmal 
gewesen, ist durch baden und trinken gesund, 
und das Fleisch am Beine wachsend worden. 
Im Vbeatrnin Huropaeuin (T. IV, p. 72) 
wird ebenfalls die wunderbare Heilkraft der 
Quelle beschrieben: 
„Solcher gestalt ist bey einem sonst zwar ge 
ringen, aber doch allem Ansehen nach uhralten 
Flecklein, Hoff-Geißmar genannt, 4 oder 5 guter 
Stund Wegs über Cassel gegen dem Stifft 
Paderborn, Hessischen Gebietes gelegen, ein sehr 
schöner Brunnen entsprungen, durch dessen Ge 
brauch sowohl innerlich als äußerlich, viel hun 
dert Menschen völlig restituiret und gesund 
worden seyn, welche mit allerhand, sowohl an- 
gebornen, als sonst empfangnen offenen und 
verschwollenen Schäden und Kranckheiten, und 
benamentlich mit dem Blutflusse, allen ge 
schwollenen Schäden, mit dem Erbgrind, Ver 
irrung deß Haupts, Unsinnigkeit, Stummheit, 
Blindheit, Podagra, Haupt- und Mutterwehen, 
Seitenstechen, alten und gefährlichen, offenen und 
flüssigen Schäden, Taubheit und blöden Gehör, 
Lähme an Händen und Füßen, geschwollenen 
Beinen und hitzigen Blattern, Rückenweh und 
Stechen, mit den Lenden-Stein, Haarwurm, 
mit der Lähme und Blindheit, theils vom Schlage, 
theils von der Geburt und gefahr deß Feuers 
rührend, mit dem Norbo Gallico, welchen man 
die Frantzosen-Krankheit nennt, mit Oontraetur, 
mit Seiten- und Rippenbrüchen, mit drey- 
tägigen Fiebern, bluthrothen Augen, mit dem 
Bruche, Schlagen und Schmertzen im Arm und 
Beinen, mit steiffen, auch lahmen und krummen 
Händen und geschwundenen dürren Armen, mit 
den fistulirten Schäden, mit dem aufgebrochenen 
Autoni-Feuer, sonst das Rothlauff genannt, mit 
unheilbaren und verwahrlosten Schäden an 
Beinen, von Büchsen und Geschoß rührend, in- 
ficiret und beschwert gewesen sind." 
Die Beschaffenheit der Quelle selbst wird 
folgendermaßen geschildert: 
„welche lieblich anzusehen, fast lustig und 
begierig hin und wieder über sich springet 
und mit einem schönen frischen und gleichsam 
Crystallinen Bächlein den Ort anzufeuchten 
sich stets bemühet." 
Eine handschriftliche Aufzeichnung aus dem 
Berichte eines Beamten zu Hofgeismar, welche 
der Chronist Winkelmann in seiner Beschreibung 
benutzt hat, und die nach Martin (s. Note 58) 
von dem damals zu Hofgeismar angestellt ge 
wesenen Provisor Konrad Fülhuhn herrührt, 
lautet in ähnlicher Weise: 
„Es ligget auch in hiesiger Feldmarck unter 
einem Felsen ein schöner Brunnen, welcher 
eines scharffen, seurlichen lustigen 
geschmacks ist, dieß orts der sültze Vorn 
von dem etwas saltzigen geschmack genandt 
Wirt, selbiger wie bekandt hat in von vndenck- 
licher Zeit die wirckung gehabt, daß er 
Reudigkeit curiret, dessen mehrere vires vndt 
operationes durch Gottes gnaden in anno 1639 
auskommen, daß allerhandt worin vndt mehr 
vnbekante Krankheiten, Sonderlich der Stein,
	        

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