Full text: Hessenland (6.1892)

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Waiz: Beschreibung der gegenwärtigen Ver 
fassung des Curorts Hofgeismar. Mar 
burg 1792. 
Dr. Ferd. Wurz er: Beschreibung der Heil 
quellen zu Hofgeismar in Kurhessen. 
Leipzig 1816. 
Dr. W. Schnackenberg: Das Bad Hof 
geismar, physikalisch-chemisch und medi- 
cinisch dargestellt. Kassel 1853. 
Auch Chr. Schminke hat in seiner „Be 
schreibung der hochfürstlichen Residenz - Stadt 
Cassel" (Kassel 1767) im Anschlüsse an das letzte 
Hauptstück, betitelt: „Von den ohnweit der Stadt 
gelegenen Fürstlichen Lustschlössern und Gärten", 
einen Anhang: „Von dem Gesundbrunnen und 
Bade zu Hof Geismar", welcher eine kurze 
Schilderung derselben enthält. 
Allen Darstellungen zu Folge ist der Trink 
brunnen bei Hofgeismar von Soldaten im 
Jahre 1639 entdeckt worden, der Bade 
brunnen aber bereits seit 80 Jahren in guten 
Rufe gewesen. Es behauptete das schon der Professor 
der Mathematik Georg Schultz von Erfurt, welcher 
zuerst über den Gesundbrunnen zu Hofgeismar 
Nachricht giebt, und zwar auf Grund von Aeuße 
rungen der dortigen Bevölkerung. Der Titel 
seiner mit mehreren Schriften anderer Männer 
herausgegebenen Abhandlung lautet auf dem 
ersten Blatte. 
„Hochnützliche, heilsame Wasser- und Brun 
nen-Betrachtung: das ist Außführliche Be 
schreibung und gründliche Unterforschung der 
Weltberühmten Sauer-Brunnen zu Wil 
dungen und Pyrmont wie auch deß 
wunderbaren Heyl-Brunnens so bey Hof- 
Geißmar in Heßen zwey Meil über Cassel 
entstanden." — Marburg 1682. 
Diesem allgemeinen Titel folgen die besonderen 
der einzelnen Schriften, der für die hier in Be 
tracht kommende dahin lautend: 
„Gründliche und unverfängliche Beschrei 
bung — — eines Heylbrunnens, welcher 
ungefähr vor 80 Jahren zu Hof-Geißmar 
in Hessen 2 Meil über Cassel entstanden 
und selbiger Zeit, nemlich um den Anfang 
Mondes Apriles deß 1639 Jahres vielen 
mit unheilbaren Schäden und Krankheiten 
beladenen Menschen zum besten anderweit 
erschienen und herfür gebrochen ist" durch 
N. Greorgium Schnitzen, Mathem. Prof, 
publ. zu Erfurt — Marburg 1682. 
Es wurden also die Brunnen bei Hofgeismar 
im Jahre 1639 zum Trinken und zum Baden 
benutzt. Der Badebrunnen bestand aber damals 
schon lange Zeit; nach der Angabe von Schnitze^) 
und der Schilderung imViieatrawLaropaeunib"), 
wonach derselbe „bereits über die 80 Jahre im 
L-chwange gewesen" , mithin seit etwa 1559, 
also schon in der Regierungszeit des Landgrafen 
Philipp des Großmüthigen; nach den Auf 
zeichnungen im Stadt-Archive zn Hofgeismar 
von 1783 seit 1583 mit dem Zusatze: „schon 
über 200 Jahre wegen seiner heilsamen Wirkung 
bekannt." 
Damit hört unsere Wissenschaft auf. Jeden 
falls füllt die Entstehung noch in die Zeit, wo 
Hofgeismar noch Mainzisch, aber an Hessen ver 
pfändet war. 
Ausführliches wird aber über den Trinkbrunnen 
berichtet: 
Wie bereits oben angegeben, hatte Hofgeismar 
in den Stürmen des dreißigjährigen Kriegs viel 
Uebles zu ertragen und Besatzungen verschiedener 
Herrn bei sich aufzunehmen. Im Jahre 1639 
lag eine kaiserliche Truppenmacht unter Führung 
des Generals Peter Mel and er (od. Milander), 
welcher aus hessischen Diensten in kaiserliche über 
getreten war, in Stadt und Umgegend. 60a ) 
Da geschah es, daß ein verwundeter kaiserlicher 
Soldat die Trinkquelle gewahrte und sich der 
selben mit solchem Vortheile bediente, daß er sich 
bald seiner Beschwerden entledigt sah. Während 
er anfänglich sich mühsam hingeschleppt hatte, 
kam er, nachdem er vom Wasser getrunken und 
darnit seine Wunden gewaschen hatte, allmälig 
wieder zu Kräften. Nunmehr theilte er dies 
in froher Stimmung seinen Kameraden mit, 
und dieselben benutzten gleichfalls die Quelle zu 
ihrem Heile. 
In der angezogenen Schrift von Schultz heißt 
es : „Wie hoch sich dieses Brunnens mächtige Kraft 
und Tugend erstreckt, haben zwar allbereit in 
ander Punct insgemein angezeigt, und wie er 
aller Medicamenten meiste Eigenschaft bey sich 
führe, den günstigen Leser daselbst verständigt. In 
sonderheit aber pfleget er bey allen Menschen 
alles, was schädlich ist zu zermalmen und den 
Leib vor aller Fäule zu verwahren. Dieses 
hat ein Soldat, welcher eben um die Zeit 
deß Anfangs bey dem Brunnen gelegen, und 
von einer Kugel gefährlich verletzt gewesen, aufs 
folgende Gestalt erfahren. Nemlich er hat sich 
vielleicht aus betrübtem Gemüht etwas in's Feld 
begeben, deß Brunnens daselbst ansichtig ge 
worden, sich damit gewaschen, und zugleich auch 
deß Wassers innerlich genossen. Und weil er 
hierauff große Linderung empfunden und güntzlich 
rsstituirot worden, hat er solches nicht allein 
M) (A. 1639.) T. IV, p. 72. 
60a ) Nach Beaumont, 1. c., lagen in Hofgeismar und 
Gcebenstein zwei Kompagnien, deren Hauptleute Rewald 
und Schraube hießen. 
M ) a. a. Q., S. 17.
	        

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