Full text: Hessenland (6.1892)

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taöl und 
ofgnsmar. 
Von K. Ne über. 
(Fortsetzung.) 
o blieb die Peterskirche, abgesehen von den 
in ihr stattfindenden Leichenfeierlichkeiten, über 
zwei Jahrhunderte unbenutzt stehen, — der 
Gottesdienst für die unter Landgraf Karl zu Ende 
des 17. und Anfang des 18. Jahrhunderts ein 
gewanderten reformirten Franzosen wurde in 
der Neustädter Kirche gehalten —, und verfiel, 
da nichts zu ihrer Erhaltung gethan wurde. In 
der Flurkarte von 1755 kommt die Peter 
städter Kirche noch als solche vor. Erst nachdem 
das Gewölbe des Schiffs und einige Jahrzehnte 
danach auch der Thurm eingestürzt war, wurden 
zu Ende des vorigen Jahrhunderts die Trümmer 
niedergerissen, worauf an der Stelle ein Reit 
haus für die zu Hofgeismar in Garnison liegende 
Kavallerie errichtet wurde und nach dessen Ab 
bruch (1842) 53 * ) das Amts- und Gefangenhaus, 
das jetzige Gerichtsgebäude. Ein in der Peters 
kirche befindlich gewesener Taufstein in gothischem 
Style mit den in Nischen stehenden Statuen der 
zwölf Apostel soll bei Wegräumung der Reste der 
Kirche in die Nähe des Rathhauses gebracht 
worden sein. Wenigstens steht er jetzt daselbst 
mit sehr beschädigten Figuren und wird als 
Brunnen trog benutzt. Der Name der 
beim Gerichte vorbeiführenden Straße: „Petri- 
Straße" deutet noch auf die Vergangenheit. 
Nunmehr wird amtlich nur noch unterschieden: 
Altstadt, mit der die Peterstadt kirchlich und 
weltlich verbunden, im Norden und Neustadt im 
Süden, beide Stadttheile getrennt durch „den 
Graben" und Altstadt und Peterstadt wieder 
durch die Entengasse, früher Lochenhagen genannt. 
Thore hat Hofgeismar vier: 
1. Das Selber Thor (eigentlich Selberger 
Thor) im Westen, nach Liebenau und Mar 
burg führend; 
2. Das Schöneberger Thor im Norden, 
nach Schöneberg hin; 
3. Das Alten st ädter Thor, später ersetzt 
durch das Mühlenthor (Mohlenthor) 
S3 ) Falckenheiner o. o. £>.,©. 494 fg., Uri., S. LXXXII; 
Zn Dehn-Rotfelser und Lotz, Baudenkmäler, S. 355. 
im Osten, nach dem Gesundbrunnen führend, 
daher auch Brun neu-Thor genannt; 
4. Das Kelfer Thor oder Kass eler Thor 
im Süden, nach Kelse bezw. Grebenstein 
und Kassel hin. 
Das Mühlenthor und das Schöneberger Thor 
sind inzwischen abgebrochen, die beiden anderen 
Thore sind noch vorhanden. Außerdem sind 
noch zwei kleinere Ausgänge, die obere Wasser 
pforte, nahe dem Selber Thore, und die untere 
Wasserpforte, nicht weit vom Mühlenthore 
beim Pulverthurm, zu benierken. Die früher 
die Stadt schützenden Mauern sind zuin größten 
Theile niedergerissen und auf den Wallgräben 
meist Spaziergänge angelegt. 
In Betreff der städtischen Haushaltling liefert 
Bemerkenswerthes die in den Falckenheiner'schcn 
Schriften angezogene Stadtkümmerei-Rechnung 
von 1576 aus der Zeit des Bürgermeisters 
Joseph Hördelmann.") 
Danach betrug die Zahl der Wohnhäuser 522, 
wovon auf: die Altstadt 188, die Neustadt 222, 
die Peterstadt 112 kamen, und die Zahl der Haus 
besitzer um 2 mehr: 524, wovon 
die Altstädter Overburschaft 90) . ÖQ 
„ „ Niederburschaft 99 j ö ' 
„ Neustädter Oberburschaft 92) 01Q 
„ „ Niederburschaft 126 j 1 b 
„ Peterstadt 117 
welche Zahlen seitdem nicht wieder erreicht worden 
sind. Nach den Staatsdienst-Kalendern von 1887 
und 1890/91 hat Hofgeisniar nebst der Ziegelhütte, 
den Mühlen (Hage-, Kab-, Neue-, Poppen- 
häuser-, Kunst-, Stein-, Strauch- und Walk- 
Mühle), dem Röddenhof, dem Gesundbrunnen, 
dem Schützenhause und den Bahnhöfe 421 Häuser 
mit 4343 Seelen. 55 ) Regelmäßige städtische 
Einnahmen waren: Tischgeld (von jeder Haus 
stätte, in der ein Eßtisch stand, 10 Albus), Wächter 
geld, Soldatengeld, Geschoß (von jedem in der 
Stadt ansässigen Bürger), sonstige Einnahmen: 
") Falckenheiner a. a. O., S. 407 fg. 
") Zm Zahre 1841 waren es 392 Häuser und 3421 Seelen. 
„ 1852 „ „ 403 „ „ 3881 „ 
„ „ 1862 „ „ 392 „ „ 3640 „
	        

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