Full text: Hessenland (6.1892)

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Gefechte bei Weilburg zum überzähligen Stabs 
kapitän befördert; in Folge seines ausgezeichneten 
Benehmens im Gefechte bei Bingen aber von dem 
preußischen Generallieutenant Prinzen von Hohen 
lohe zum preußischen Orden pour le merite vor 
geschlagen. Indessen lehnte er die Annahme des 
selben mit dem Bemerken ab, bereits schon durch 
seine für die That bei Weilburg unverdient 
erfolgte Beförderung zum Stabskapitän voll 
ständig und zum Voraus auch hierfür belohnt 
worden zu sein. Ueberhaupt könne er es nicht 
für schicklich halten, so lange er sich noch keinen 
vaterländischen Orden zu verdienen Gelegenheit 
gefunden, einen ausländischen anzunehmen. 
In Gemäßheit dieser Sinnesweise erfüllte 
es ihn zwar niit freudigem Stolze, als 
ihm in Folge seines Verhaltens bei Jockrim 
der hessische Militär-Verdienstorden verliehen 
ward. Als er jedoch sowohl von dem 
Feldmarschalllieutenant von Kospoth als auch 
von dem Feldmarschalllieutenant Kavangh ganz 
aus freien Stücken und unter der Zusicherung, 
ihm hierzu die erforderlichen Zeugnisse ausstellen 
zu wollen, aufgefordert wurde — den Vorschriften 
der hierüber bestehenden Statuten gemäß — sich 
doch auch noch um Verleihung des österreicbischen 
Maria-Theresia-Ordens zu bewerben, lehnte er 
dieses ebenwohl wieder ad, indem, wie er sagte, 
es ebenso sehr seinem Gefühle widerstrebe, ob 
ein und derselben That, — die am Ende ohnehin 
in keiner Weise außer den Grenzen der pflicht 
mäßigen Schuldigkeit gelegen —, doppelte Be 
lohnung anzunehmen, als überhaupt sich um 
etwas zu bewerben, was doch nur dann Werth 
habe, wenn es verliehen werde. Im Jahre 
1806, kurz vor der Ueberziehung Hessens durch 
fremdländische Gewalt, zum Major und Komman 
deur des Jägerkorps befördert, wies er — ein 
treuer Patriot — nicht minder auch die glänzend 
sten Anerbietungen, in westfälische Dienste zu 
treten, beharrlich von der Hand. Vergebens 
ward ihm angeboten, als Oberst und Komman 
deur sein geliebtes Jägerkorps selbst nach seinen 
eigenen Ansichten zu reorganisiren, ward ihm in 
Aussicht gestellt, binnen Kurzem zum Brigade-, 
ja zum Divisions-General befördert zu werden. 
Alles, wozu er sich endlich herbeiließ, um nicht 
als offenbar Widerspenstiger der angedrohten 
Deportation zu verfallen, bestand darin, — eine 
einfache Försterstelle in einer abgelegenen Gegend 
anzunehmen. 
Trotz seiner glühenden Vaterlandsliebe doch 
viel zu einsichtig, um nicht das zweifellose Miß 
glücken der im Jahre 1809 statthabenden Er 
hebung gegen die Fremdherrschaft vorher zu sehen, 
hatte er ebenso davor gewarnt als sich geweigert, 
daran Theil zu nehmen. 
Dennoch ward er von den westfälischen Be 
hörden — in der allerdings völlig zutreffenden 
Vermuthung, daß ihm deren Leiter und Häupter, 
sowie überhaupt der ganze Plan genau bekannt sei, 
— ebenwohl gefänglich eingezogen, und wurde es in 
aller und jeder Weise versucht, ihn bald durch 
wiederholte glänzende Anerbietungen, bald durch 
die Schrecken des Todes zu Enthüllungen zu 
vermögen. Mit Abscheu und Entrüstung jene 
Anerbietungen zurückweisend, mit herzhafter Ver 
achtung jene Drohungen entgegen nehmend, aber 
nicht minder auch es eines ehemaligen hessischen 
Offiziers für unwürdig erachtend, anders zu 
handeln, blieb er fest, kalt und stumm. 
Endlich uack langer- Haft — in einem der 
feuchtesten Kasemattengewölbe des Kastells zu 
Kassel — von der des Jnquirirens müde ge 
wordenen Untersuchungsbehörde wieder in Freiheit 
gesetzt, zumal solche längst schon von entarteten 
Söhnen des hessischen Landes freiwillig zugebracht 
erhalten hatte, was ihr Münchhausen so fest und 
beharrlich verweigerte, kehrte er zwar mit un 
befleckter Ehre und ungebeugten Geistes, aber mit 
durch jene Kerkerleiden gänzlich zerrütteter Ge 
sundheit und völlig ergrautem Haupte zu den 
Seinigen zurück und mußte in Folge dessen 
auch noch den bittern Schmerz ertragen, als die 
Stunde der Wiederherstellung des hessischen 
Vaterlandes gekommen war, es sich selber nicht 
verhehlen zu können, daß er nicht mehr im 
Stande sei, die Waffen zu führen. Zum Pensionär- 
Oberstlieutenant befördert, zog er sich trauernd in 
die Einsamkeit seines Familiengutes Swedestorp 
im Schaumburgischen zurück, woselbst er indessen, 
noch ein über 70 Jahr biuausgehendes Lebensalter 
erreichend, erst tu der Mitte der 1830iger Jahre — 
16. Dezember 1836 — verstarb. Ist es freilich — 
leider — nur zu wahr, daß Männer von solcher Sin 
nesweise, wie sie Karl Ludwig von Münchhausen 
hegte und sein ganzes ehrenreiches Leben hindurch 
treu und fest bethätigte, unverhältnißmüßig selten 
sich zu hohen Würden emporzuschwingen ver 
mögen, so ist es aber doch auch nicht minder 
wahr, daß, weil in den Reihen des hessischen 
Heeres sich noch alle Zeit verhältnißmäßig so 
viele solcher Männer fanden, die wie Karl 
Ludwig von Münchhausen dachten und handelten, 
auch noch immerdar die hessische Kriegsgeschichte 
sich als eine so ruhmreiche und fleckenlose dar 
stellte. 
Ehre darum seinem und aller der hessischen 
Männer Andenken, die wie er dachten und 
handelten!
	        

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