Full text: Hessenland (6.1892)

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zehn Geschützen bewehrtes Schanzwerk gesperrt 
und in den zu beiden Seiten belegenen Waldungen 
eine zweifache Linie von Verhauen angelegt. Als 
die Spitze der Kolonne sich daher jenem Schanz 
werke bis auf Kanonenschußweite genähert hatte, 
begann der Feind dieselbe auch alsbald von da 
her lebhaft zu beschießen, worauf die Kolonne 
Halt machte und ihren Aufmarsch ausführte und 
ebenwohl ihr Geschütz in's Feuer brachte. 
Nachdem solcher Gestalt die Kanonade eine 
Zeit lang angedauert hatte, erhielt die hessische 
leichte Infanterie Befehl, in den westlich von jener 
feindlichen Batterie belegenen Waldrand einzu 
dringen. 
Zu dem Ende rückte dieselbe dergestalt dahin 
vor, daß die Leibkompagnie Jäger den rechten, 
die Schlotheimische Jägerkompagnie aber, in 
dichter Schützenlinie, den linken Flügel des in 
geschlossener Ordnung vorrückenden leichten Ba 
taillons Lenz bildete, während zwei Kompagnien 
Samuel Gyulay zur Unterstützung nachfolgten. 
Obgleich die den Waldrand besetzt haltende 
französische Infanterie in wirksamster Schußweite 
die Anstürmenden mit einer Generalsalve be 
grüßte, so ließen sich dieselben dadurch doch nicht 
aushalten, sondern blieben im lebhaften Vorrücken. 
Stabskapitän von Münchhausen der 
Schlotheimischen Jägerkompagnie stürzte sich mit 
einigen Freiwilligen, allen voraus, mit solchem 
Ungestüm auf den längs des Waldsaums an 
gelegten Verhau los, daß der Feind hier zuerst 
zu wanken begann, dann allmälig auf der ganzen 
Linie zu weichen anfing und endlich in wilder 
Flucht in das Innere des Waldes zurück eilte. 
In gleicher Weise ward auch noch der zweite 
Verhau überstiegen. Als jedoch der Feind jetzt 
seine Rückhalte vorbrachte und namentlich auf 
die Leibkompagnie Jäger und das leichte Bataillon 
Lenz ein lebhaftes Kartätschenfeuer richtete, 
mußten diese Abtheilungen wieder eine Strecke 
weit bis hinter jenen zweiten Verhau zurück 
weichen. Hierdurch wurde auch die Schlotheimische 
Jägerkompagnie, welche sich inzwischen etwas 
links gezogen hatte, um das an der Heerstraße 
belegene Schanzenwerk in die Flanke zu fassen, 
veranlaßt, dieser Bewegung ebenfalls nachzu 
folgen. 
Da indessen der Lieutenant vonWinzinge- 
rode I dieser Kompagnie wahrnahm, daß un 
weit des äußersten linken Flügels derselben die 
bisher in jenem Schanzwerk aufgestellten zehn 
Geschütze in großer Eile quer durch den Wald 
sich zurückzuziehen suchten, eilte auf dessen Allarm 
ruf sogleich der Hauptmann von Münchhausen 
mit dem größten Theil der Kompagnie wieder 
dahin vor und stürzte sich auf jene Geschütze 
los, so daß nur drei derselben zu entkommen 
vermochten, die übrigen sieben aber sowie einige 
Munitionswagen in die Hände der Jäger fielen. 
Während man nun damit beschäftigt war, die 
feindlichen Fahrknechte zu zwingen, Kehrt zu 
machen, was in der Waldung mit mancherlei 
Schwierigkeiten verknüpft war, und vielen Aufent 
halt und allerlei Unordnung veranlaßte, erschien 
plötzlich auch noch eine Reiterabtheilung auf dem 
Kampfplatze. 
Obgleich in Uniformen französischen Schnittes 
gekleidet, ward solche doch anfänglich von 
den Jägern für eine Abtheilung des bei der 
Kolonne befindlichen aus französischen Emigranten 
bestehenden Conda'schen Korps gehalten, indem 
diese Reiter die als Abzeichen der verbündeten 
Truppen eingeführten weißen Binden um den 
linken Arm und grüne Eichenbüsche auf der 
Kopfbedeckung trugen. Außerdem waren die 
Jäger noch kurz vor dem Abmarsch zum Gefecht 
besonders auf jene Abzeichen aufmerksam gemacht 
und gewarnt worden, nicht gleich Feuer zu geben, 
wenn sie bei einer ihnen begegnenden Abtheilung 
etwa sranzösisch sprechen hören würden, sondern 
sich erst zu überzeugen, ob solches nicht französische 
Emigranten wären.*) Es ließ sich daher Nie 
mand in seinen Geschäften stören, vielmehr war 
eben Lieutenant von Winzingerode bemüht, einen 
der erbeuteten Vierpfünder gegen die das leichte 
Bataillon Lenz verfolgende feindliche Infanterie- 
abtheilung schnßfertig zu machen, als plötzlich 
jene Reiterabtheilung zur höchsten Ileberraschung 
der Jäger auf dieselben einhieb.**) 
Indessen gelang es der Mehrzahl derselben 
nicht nur, glücklich genug, ein nahe gelegenes 
Dickicht zu erreichen, sondern, auch nicht einen 
Augenblick die Geistesgegenwart verlierend, als 
bald von da aus ein so lebhaftes Feuer auf jene 
Reiter zu eröffnen, daß auch noch die meisten 
derjenigen ihrer Kameraden, welche dahin zu 
gelangen nicht im Stande gewesen waren und 
sich, dickt an Bäume gedrückt, mehr oder minder 
erfolgreich mit Kolben und Hirschfänger zu 
wehren trachteten. ebenwohl noch Gelegenheit 
fanden, sich seitwärts zu retten oder auch auf 
Bäume hinauf zu klettern. Im Ganzen wurden 
daher nur Lieutenant von Winzingerode I und 
vier Mann zusammengehauen und etwa sechs 
bis acht Mann mehr oder minder schwer verwundet. 
*) Die Zulheilung ber französischen. Emigranten zu den 
verschiedenen Heeresabtheilungen der Verbündeten veran 
laßte überhaupt, statt daß dieselbe ein Mtttel hätte ge 
währen können, den Feind zu überlisten, vielfache Uebel 
stände, indem sich unter denselben viele feindliche Spione 
befanden. 
**) In ganz ähnlicher Weise gelang es den Franzosen 
auch in der Schlacht bei Hondschooten am 7. September 1793, 
ein Bataillon des österreichischen Regiments Brentano zu 
berücken und überraschend auf solches einzuhauen.
	        

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