Full text: Hessenland (6.1892)

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die innere geworfen werden, soweit dieselbe noch 
nicht besprochen worden ist. Hofgeismar bestand 
und bezw. besteht aus drei Stadttheilen: Altstadt, 
Neustadt und Peterstadt, und zu jedem 
derselben gehört eine Kirche. 47 ) 
Der älteste Theil ist, wie der Name besagt, 
die Altstadt, — denn die Annahme von Martin 
(Prediger zu Holzhausen) 48 ), daß die Peterstadt 
der älteste Theil gewesen, läßt sich durch nichts 
rechtfertigen —, und die Erbauung der Alt 
städte r Kirche ist, wie bereits angegeben 
wurde, in die Zeit zwischen 1082 und 1143 
zu sehen. Nach einer noch vorhandenen Inschrift 
hat ein Umbau im Jahre 1330 stattgefunden. 
Die Entstehung der Neustadt muß vor das Jahr 
1234 gesetzt werden, weil in einer Urkunde von 
diesem Jahre betreffend den Erwerb von Grund 
stücken seitens des Klosters Hasungen, aus 
gestellt zu Geismar, unter den Zeugen auch 
Geistliche von der Neustadt (dicti de nova 
civitate sacerdotes) aufgeführt werden 49 ), und 
muß deshalb auch das Vorhandensein eines 
gottesdienstlichen Gebäudes für die Neustadt an 
genommen werden. Nach den vorhandenen In 
schriften ist die Neustädter Kirche 1341 
erbaut, der Chor 1414. Peterstadt und Peters 
kirche sind jedenfalls erbaut vor 1307 (nach 
Falckenheiner vor 1330), da in einer zu Gunsten 
des Klosters Lippoldsberg zu Geismar aufge 
stellten Urkunde von 1307 unter den Zeugen 
47 ) von Dehn- Rotfelser und Lotz, Inventarium der 
Baudenkmäler S. 110 fg., 356. 
Martin, Topographisch-statistische Nachrichten 
von Niederhessen «Göttingen 1789), Bd. 1, S. 240 
**) Falckenheiner a. a. O., S. VI. 
ein Geistlicher an der Peterskirche (Viceplebarms 
eclesie sancti petri Geysmarie) vorkommt. 60 ) 
In einer Urkunde von 1351 wird ein Prediger 
Johannes an derselben (dolraimes ad sanotnm 
Petrum) genannt * 5I * ) und in einer Schenkungs 
urkunde seitens eines Bürgers von Hofgeismar von 
1407 werden drei Altäre in derselben genannt. 5S ) 
Nach einer vorhanden gewesenen Inschrift soll 1440 
ein Umbau stattgefunden haben. Für die Stadt 
Hofgeismar waren auf die Dauer zwei Kirchen 
ausreichend, und es wurde die Peterskirche, an 
der schon um 1530, also nach Einführung der 
Reformation in Hessen, ein besonderer Prediger 
nicht mehr angestellt worden war, für über 
flüssig erklärt. Landgraf Philipp der Groß 
müthige ordnete in der Hospitals - Ordnung 
von 1535 der Verkauf an und Ueberweisung des 
Erlöses au das Hospital: 
„Sauet Peterskercken, diewile sie leddich 
st e h e t, svl man verkeupen, enytwetten Pastoris 
vnd questoris, vnd das gilt den spital euttlich 
anlegen." 
Diese Anordnung wurde jedoch nicht ausge 
führt; denn noch in der bereits mitgetheilten 
Spezifikation zum Merlauer Vertrage von 1583 
heißt es: 
„In derselben Stadt seiudt 3 Pfarkirchen, 
dero Collatur dem Landtsfürsten gehortt. 
Doch werden in S. Peterskirchen nicht mehr 
als die Leych-Predigten gehallten." 
(Fortsetzung solgt.) 
'°) Falckenheiner a. a. £>., Urk., S. XVII. 
5I ) Würdtwein, Dioecesis Mogunt. III, S. 585. 
”) Falckenheiner a. a. O., Urk., S. XXXV. 
-HfH- 
Geskchl bei Aockrim, I¥93. 
Von Freiherrn Maximilian von Ditsurlh, weiland Kurfürstlich hessischem Hauptmann. 
c fjn Folge einer veränderten Armee-Eintheilung 
ff war im Laufe des Feldzugs von 1793 
js u. a. auch das bisher der preußischen Rhein- 
Armee zugetheilte und aus den Husaren, dem 
Feldjäger-Korps und dem leichten Bataillon Lenz 
zusammengesetzte hessische leich te Truppen- 
k o r p s unter Oberst Schreiber der öster 
reichischen Rhein-Armee überwiesen worden. Dem 
zufolge war genanntes Truppenkorps den 
19. August von Edenkoben aufgebrochen und in 
der Nacht zum 20. zu Rilshein eingetroffen. 
Hier fand es den Befehl des Feldzeugmeisters 
Grafen Wurmser vor: am 20. August mit Tages 
anbruch die ihm gegenüberstehende französische 
Postenlinie auzugreifeu, sofort noch bis Rhein 
zabern zu marschiren, um sich der zum Angriffe 
auf Jockrim bestimmten Truppenabtheilung unter 
Feldmarschalllieutenaut Kavanagh anzuschließen. 
Kaum daß jenes Korps hiernach nach vielfachen 
Hin- und Hermärschen gegen 3 Uhr Morgens 
daselbst angelangt war, begann auch schon gegen 
4 Uhr die Bewegung gegen den Feind. 
Derselbe hatte vorwärts von Jockrim, da wo 
die Straße von Rheinzabern nach Lauterbnrg 
aus dem offenen Gelände in die Vorhölzer des 
Bienen-Waldes eintritt, dieselbe durch ein mit
	        

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