Full text: Hessenland (6.1892)

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Ifaöt und Wad Hofgeismar. 
Von K. Ne über. 
(Fortsetzung.) 
<35, 
nter den ersten 41 ) evangelischen Predigern an 
der Mstädter Kirche ragt besonders hervor 
IoHannes Westerm ann. Derselbe, ans 
Münster gebürtig, trat srühzeitig als Mönch in das 
Augustiner-Kloster zu Lippstadt, besuchte später 
die neugegründete Universität Wittenberg (1521), 
hörte daselbst die Vorlesungen der Reformatoren 
und erhielt die Doktorwürde in der „Gottes 
gelahrtheit" (1523), wurde dann, in das Kloster 
zu Lippstadt zurückgekehrt, Prior desselben, er 
langte eine Berühmtheit als Kanzelredner und 
verfaßte einen Katechismus in westfälischer 
Mundart. Deshalb bei seinen Oberen angefeindet, 
wollte er einen Widerruf seiner Anschauungen 
nicht leisten, trat zum evangelischen Bekenntniß 
über und wurde nach mancherlei Schicksalen vom 
Landgrafen Philipp an die seit der Reformation 
unbesetzt gebliebene zweite Predigerstelle (das 
Diakonat)^ an der Altstädter Kirche zu Hofgeis 
mar berufen (1535), wo er viele Jahre gewirkt 
hat und im Jahre 1600 verstorben ist. 
In vermögensrechtlicher Hinsicht erlangte Hof 
geismar in diesem Zeitraum mancherlei Vortheile. 
Die Gemarkung vergrößerte sich durch Erwerbung 
von 30 Hufen (40 Acker) Landes, genannt der 
Wattberg, und 4 Hufen an dem Weddehagen 
von dem zum Bisthum Paderborn gehörigen 
Kloster Hardehausen zum Kaufpreise von 325 Gold 
gulden, freilich nur auf 20 Jahre (1535), welcher 
Erwerb durch späteren Vertrag (1574) bezüglich 
des Wattbergs, — von Weddehagen ist darin 
keine Rede —, erneuert wurde unter Erhöhung 
des Kaufpreises auf 1350 Thaler. Durch landes 
herrliche Erlasse wurden die Berechtigungen am 
Geismartr Holze und am Reinhardswalde fest 
gestellt (1545, 1552, 1554), auch die Privilegien 
der Stadt bestätigt (1556). 42 * ) 
41 ) D. h. der Zeit nach. Als erster evangelischer Pre 
diger und Metropolitan an der Altstädter Kirche wird von 
Falckenheiner genannt: Johann Rottmiller, von Landau 
Johann Eckhard; s. Falckenheiner a. a. £>., S. 480 sg. 
i2 ) Falckenheiner a. a O., S. 429 fg., Urkunden, 
S. LXVI fg. (aus dem Stadtarchiv). Die Reviere des 
Geismarer Holzes hießen: de Marcke, Birckenrodt, Hoiberg 
(Heuberg) und Westberg. 
Unter Landgraf Wilhelm IV., dem Weisen, 
wurde durch den Merlauer Vertrag, be 
nannt nach der zuerst der Familie Merlau ge 
hörigen, dann in den Besitz Hessens übergegangenen 
Burg auf einer Insel der Ohm, nordöstlich von 
Grünberg in der darmstädtischen Provinz Ober 
hessen "), Hofgeismar mit allem Zubehör für 
immer an Hessen-Kassel, bis zum Erlöschen des 
Mannesstammes, abgetreten unter Erhöhung der 
Pfandsumme auf 40000 Gulden, von denen 
10 000 Gulden mit eroberten Geschützen ver 
schiedener Gattung bezahlt wurden (8. September 
1583). Ein Anhang zum Vertrage enthielt 
„ein glaubwürdige Speeification Vber die Per- 
tinentien vnd Zugehorungen", darunter: 
„das Schlos Schonbergk Ist ein Altes vnd 
von wegen vieler Vheden, so dabevor daruinb 
geweßen, nunmehr vber Menschen gedencken 
ein Verwüstes vnd verfallenes Haus, vf einem 
hohen berge gelegen — — — ", 
unter Aufführung der umliegenden Orte, einzelner 
Gebäulichkeiten, Mühlen, Waldungen sowie der 
meistens in Grundstücken bestehende Lehen aus 
wärtiger Besitzer. 44 45 ) 
Unter hessischer Herrschaft trat einige Ruhe 
ein, bis der anfänglich nur in Böhmen geführte 
dreißigjährige Krieg seine Schrecken auch 
über das übrige Deutschland verbreitete. Im 
Jahre 1623 rückten einige Kompagnien, ea. 1000 
Mann, von dem Heere des berühmten bayerischen 
Feldherrn Tilly in Hofgeismar ein, und von 
da an hatte die Stadt bis zum Jahre 1634 
fortwährend Einquartierung von bayerischen und 
kaiserlichen Truppen zu tragen und dabei die 
damals von solchem Besuche verübten Greuel 
thaten, welche zum Theil aller Beschreibung 
spotten, zu erdulden. Die Kosten der Tilly'schen 
Einquartierung werden allein auf 280,934 Thaler 
28 Albus 9 Hellerveranschlagt.") Beiden Schweden 
4S ) Mitglieder der Familie Merlau, mit der Bezeichnung 
als armiger, wepener rc. werden erwähnt: Würdlwein, 
Dioec. Mogunt. III, p. 292; Wenck, II, Urk., S. 306. 
44) Falckenheiner a. a. O., Urk., S. LXXVII fg. 
45) Falckenheiner a. a. O., S. 327 fg.
	        

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