Full text: Hessenland (6.1892)

Von K. Ne über. 
(Fortsetzung.) 
c |jn Hessen folgten beim Tode Heinrich's I. (1308) 
Jff dessen beide Söhne, Johannes in Nieder- 
Hessen und Otto in Oberhessen, und nach dem 
ohne Hinterlassung von männlichen Nachkommen 
erfolgten Ableben von Johannes blieb Otto 
Alleinherr im Lande (1311). Dieser hielt, da 
die Kaufurkunde seines Vaters über den Schöne 
berg auf ihn nicht mitgelautet hatte, eine Um 
schreibung auf seinen Namen für nothwendig, 
und Bischof Dietrich von Paderborn befestigte 
die Einigkeit mit ihm durch Erneuerung und 
Bestätigung der Herrschaft Hessens über den 
Schöneberg, d. h. zur bereits erkauften Hälfte 
(30. Mai 1312). 16 * ) 
Nicht einverstanden war aber hiermit Herzog 
Albrecht II. von Braunschweig. Derselbe machte 
als Vater der Wittwe des verstorbenen Land 
grafen Johannes, Namens Adelheid, wieder An 
sprüche geltend, setzte sich rasch, noch ehe er 
daran verhindert werden konnte, in den Besitz 
des Schönebcrg und wußte sich auch darin zu 
behaupten, obgleich der von Mainz mit einer 
Heerschaar, darunter vornehmlich Bürger von 
Hofgeismar, zur Wiedereinnähme abgesandte 
Oberamtmann Graf Heinrich von Waldeck den 
Schöneberg einschloß und sogar auf dessen niederer 
Kuppe eine zweite Burg, freilich nur ein Block 
haus erbaute, aber diese Stellung nicht halten 
konnte (1312). Erst durch Kauf gelangte Mainz 
wenigstens in den Mitbesitz. Otto der Jüngere, 
Herzog in Braunschweig, verkaufte Namens 
seines Vaters, des Herzogs Albrecht, die Hälfte 
der Burg Schöneberg (inoäiötrckonr oastri 
üolionsnber^) dem Erzbischof von Mainz für 
900 Mark Silber Braunschweigischer Währung, 
wovon 400 (nicht 40, wie die Urkunde wohl 
irrthümlich lautet) alsbald bezahlt sind, der Rest 
mit 500 bis Michaelis fällig sein sollte, mit 
der Vereinbarung, daß bei rechtzeitiger Zahlung 
oder Sicherstellung eine gemeinsame Verwaltung, 
sog. Burghut, durch dazu bestimmte Männer 
angeordnet werden, bei Nichtzahlung Verzinsung 
mit Steigerung derselben im weiteren Zeitver 
laufe eintreten solle. Otto als Herzog bestätigte 
diesen Verkauf der Hälfte von Schöneberg an 
Mainz und ordnete die Burghut an, qnittirte 
denn auch in weiterer Urkunde über den Empfang 
von 900 Mark Kaufgeld für den halben 
Schöneberg (Beides 4. Oktober 1318).'Z Die 
Herren von Schonenbcrg, ihrer Burg beraubt, 
thaten sich als Heerführer in den Diensten von 
Paderborn und von Hessen hervor, kainen aber 
von Neuem in Streit mit der Stadt Hofgeis 
mar über die Gerechtsame im Reinhardswalde. 
Dieser Streit entbrannte heftiger, als von 
Mainzischer Seite zum Schutze dieser Berechti 
gungen mitten im Reinhardswalde die Saba 
burg (ursprünglich Zapfinbnrg) aufgeführt 
(1335) und durch Errichtung eines Thurmes be 
festigt wurde (1340) l8 * ), und wurde mit solcher 
Erbitterung geführt, daß die Schouenbergcr von 
ihren beiden Lehnsherrn, dem Bischof von 
Paderborn und dem Landgrafen von Hessen, 
außer den bereits geleisteten Zahlungen 1107 
Mark schwere Pfennige und und 175 Mark 
löthigcn Silbers als Schadensersatz für die im 
Kriege verlorenen Pferde beanspruchten (1346).'") 
Trotzdem die Stadt Hofgeismar während 
dieser Kriege fortwährend in Mitleidenschaft ge 
zogen wurde, gelangte sie allmülig zu Einfluß 
und Ansehen. Ihre Gebieter, die Erzbischöfe 
von Mainz, welche früher mit Vorliebe längere 
Zeit in ihr verweilt hatten, überließen ihr jetzt 
die selbständige Abwicklung mancher Geschäfte, 
vertrauten ihr den Schutz der ihnen zu fern 
liegenden Burgen in der Nähe von Hofgeismar 
an und ließen sie sogar Burgmannen bestellen. 
Die Bürger von Hofgeismar wurden zu Kriegs 
diensten gegen auswärtige Feinde oft heran 
gezogen und damit ihnen Gelegenheit gegeben, 
Waffenruhm zu erringen, so z. B. unter An 
führung des Mainzischen Amtmanns, des Ritters 
Hermann Hund, gegen die Kölnische Stadt 
Marsberg (13 4 2). 20 ) 
17 ) Würdtwein, Dyplomataria Moguntina (Mogon- 
tiaci 1789) Bd. II, S. 129 ff. 
18) Würdtwein, Dioecesis Mög. Bd. III, S. 578 ff. 
io) Falckenheiner a. a. O., S. 281. 
20) Landau, Hessische Ritterburgen lV, S. 218. 
16) Wenck. a. a O., S. 271; Hartmann a. a. O. cap. 854.
	        

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