Full text: Hessenland (6.1892)

M 9. 
Kassel, 
3. Mai 1892. 
Das Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, erscheint zweimal monatlich 
zu Anfang und in der Mitte jeden Monats, in dem Umfange von l 1 / 2 — 2 Bogen Quartformat. Der Abonnementspreis 
beträgt vierteljährlich 1 Mark 50 Pfg. Einzelne Nummern kosten je 3 0 Pfg. Anzeigen werden mit 20 Pfg. 
für die gespaltene Petitzeile berechnet. Auswärts kann unsere Zeitschrift durch direkte Bestellung bei der Post, oder 
durch den Buchhandel, auf Wunsch auch unter Streifband bezogen werden; hier in Kassel nimmt die Buchdruckerei 
von Friedr. Scheel, Schloßplatz 4, Bestellungen, ebenso Anzeigen an. Zn der Post-Zeitungsliste für das Zahr 1892 
findet sich das „Hessenland" eingetragen unter Nr. 2934. 
Inhalt der Nummer 9 des „Hesfenland": „Die Edder", Gedicht von A. *; „Stadt und Bad Hofgeismar", 
von K. Neuber (Fortsetzung); „Ein Erinnerungsblatt", von Fr. von Hohenhausen; „Ursula", Eine Geschichte aus 
Waldesgründen, von Wilhelm Speck; „Frühling", Gedicht von Karl Weber; „Hans Lind", Gedicht von Carl Preser; 
„Aus alter und neuer Zeit"; „Aus Heimath und Fremde"; „Hessische Bücherschau"; Briefkasten. 
fie Köder. 
^Wdöer, fröhliche Köder! 
M. Hei, wie wallt Dein blondes Haar! 
c • Aus Wellenkämmen lugt Dein neckischer Blick. 
Dann wieder sinnt Dein Aug' dunkel fragend mich an, 
Weil Menschenhände schnöde Dich gebannt. 
Aber mit tollem Bachen überspringst Du das Wehr, 
Weihe Gewänder fliegen, Gewänder von Schaum, 
Die weichen Glieder schmiegen dem Fels sich an, 
Kosend umschlingst Du den Starren. 
Schmeichelnd entraffst Du dem Kargen köstlich Gestein. 
Lachend eilst Du hinweg mit der Deute. 
Trauernd, frierend schaut er Dir nach. 
Köder, fröhliche Köder! 
Freies Band wolltest Du schaun, 
Freies! 
Altehrwüröige Berge waren's, die Du verliehest, 
Treu umschmückten sie Deine.Straßen, 
Wenn nach Wotan's lichtvollem Sieg 
Aeber der neid'schen Winterriesen Gewalt 
Sie vom Sauberschlummer erwacht. 
Frisches Grün steckten sie auf im Mai. 
Wohlöust spendeten sie, 
Den Duft der Maienperle, 
Die sie am Weg Dir pflanzten. 
Du aber decktest Nachts, 
Wenn das schimmernde Ta^licht fern, 
And der hämischen Riesen Bosheit erwachte, 
Nebels wärmenden Schleier 
Aeber die Kinder der alten Berge. 
Köder, fröhlicke Köder! 
Kinfam, sinnend stand ich am Rain, 
Ab vom altehrwüröigen Sitz der Franken. 
Hell erstrahlte die Morgensonne. 
Aus Deinen reinen Wellen 
Bachte der Himmel saphirblau. 
Gluthheih ward mir um's Herz. 
Des holdesten Mägdleins muht' ich gedenken, 
Fernab weilt sie am Strand der Spree. 
Saphiraugen hat sie wie Du, 
Aus Deinen Wellen hör' ich ihr helles Bachen. 
Hoffnungsloses Sehnen nagt mir am Herzen. 
Db sie meiner gedenkt, 
Köder, fröhliche Köder? 
I-
	        

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