Full text: Hessenland (6.1892)

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Dr. Franz König, des Direktors der chirurgischen! 
Klinik in Göttingen, über „die Schwesternpflege der 
Kranken, ein Stück moderner Kulturarbeit der Frau", 
auf welchen ganz besonders aufmerksam zu machen 
wir nicht verfehlen wollen. 
Am 1. März feierte in Gießen der Geheime 
Medizinalrath, Professor Dr. Konrad Eckhardt, 
der Senior der dortigen medizinischen Fakultät, 
seinen 70. Geburtstag. Eckhardt ist seit 1850 in 
Gießen als Universitätslehrer thätig. Bis zum 
Sommersemester vorigen Jahres hatte er eine 
Doppel-Professur inne, er lehrte zugleich Anatomie 
und Physiologie. Zu jener Zeit hat er die Pro 
fessur für Anatomie niedergelegt und nur den Lehr 
stuhl für Physiologie beibehalten, die Professur für 
die Anatomie tiat er an Professor Dr. Bonnet ab. 
Eckhardt ist ein geborener Kurhesse. Ursprünglich 
war es seine Absicht, sich dem Berufe als Volks 
schullehrer zu widmen. Er besuchte zu diesem Zwecke 
das Seminarium zu Homberg, widmete sich aber 
später, nachdem er die vorgeschriebenen Vorbedin 
gungen erfüllt, auf der Universität Marburg dem 
Studium der Medizin. Hier schloß er sich nament 
lich an den Anatomen Professor Dr. Ludwig Fick und 
den Physiologen Professor Dr. Karl Ludwig an. Zu 
Ende der vierziger Jahre war er Prosektor an dem 
anatomischen Institute zu Marburg. Von da ging > 
er 1850 als Prosektor und Assistent an das phy 
siologische Institut in Gießen über, habilitirte sich dort 
selbst als Privatdozent und stieg bald zum Ordinarius 
für Anatomie und Physiologie auf. Professor 
Eckhardt zählt zu den namhaftesten Vertretern dieser 
Wissenschaften. Eingehend hat er sich mit der 
Physiologie des Nervensystems beschäftigt, und her 
vorragend sind seine Forschungen und Entdeckungen 
ans diesem Gebiete. Von seinen Werken sind be 
sonders hervorzuheben: „Experimental-Physiologie 
des Nervensystems", „Lehrbuch der Anatomie des 
Menschen" und „Beiträge zur Anatomie und Phy 
siologie", von denen bis jetzt zwölf Bände vorliegen. 
Am 3. April verschied zu Nord Hausen nach 
längerer Krankheit der erste Staatsanwalt bei dem 
dortigen Landgerichte Ernst von Wille, nachdem 
er sich vergeblich zur Heilung seines schweren Leidens 
der Kur des Pfarrer Kneipp in Wörishofen unter 
zogen hatte. Ernst Friedrich Gustav von Wille 
war am 11. Juni 1838 zu Fulda als einziger 
Sohn des Amtsaktuars Georg Rudolf August Albert 
von Wille (geboren zu Kassel am 21. August 1806, 
gestorben zu Fulda am 25. Februar 1652) und 
dessen Gattin Elisabeth Gertrud, geborenen Koch, aus 
Kassel, geboren. Ernst von Wille erfreute sich der 
sorgsamsten Erziehung seitens seiner hochgebildeten 
Ettern. Vater und Mutter waren gleich bedacht, 
die Geistes- und Herzensgaben des talentvollen 
Knaben zu wecken und zu fördern und nach beiu 
frühen Tode des Vaters war es die Mutter, welche 
heute noch bei ihrem Schwiegersöhne, dem Pfarrer- 
Ernst von Lorentz in Kirchditmold lebt, die das 
trefflich begonnene Werk mit großem Verständniß 
fortsetzte und die Freude hatte, dasselbe vom besten 
Erfolge gekrönt zu sehen. Ernst von Wille besuchte 
das Gymnasiuln zu Fulda und nach der Ueber- 
siedelung seiner Mutter nach Kassel die dortige Ge 
lehrtenschule, welche er 1856 rühmlichst absolvirte. 
Er widmete sich hiernach dem Studium b:r Rechts 
wissenschaft, war Referendar bei dem Obergerichte 
zu Kassel, hiernach Staatsanwalts-Gehilfe bei dem 
Kreisgerichte zu Rotenburg a. d. F. und bekleidete das 
Amt des ersten Staatsanwalts bei dem Landgericht 
zu Nordhausen seit etwa zehn Jahren. Der Ver 
blichene erfreute sich dortselbst wegen seines biederen, 
offenen und freundlichen Charakters, seiner persön 
lichen Liebenswürdigkeit der allgemeinen Hochachtung. 
In einem ihm gewidmeten Nachrufe werden ganz 
besonders die Verdienste hervorgehoben, die er sich 
um den Harzer Alterthumsverein und dessen Zweig 
verein, den städtischen Geschichtsverein zu Nord 
hansen, dessen Leiter er seit zwei Jahren war, 
erworben hat. „Ein genauer Kenner der Geschichte 
seines hessischen Heimathlandes," heißt es daselbst, 
„hielt er namentlich aus den Zeiten der Verbindung 
dieser Geschichte mit den Geschicken Thüringens 
manchen werthvollen Vortrag, auch die zeitweiligen 
Ausflüge des Vereins nach den geschichtlich denk 
würdigen Orten der Umgegend von Nordhausen 
entstammen seiner Anregung. So reißt sein frühes 
Hinscheiden in die amtlichen und gesellschaftlichen 
Verhältnisse seiner neuen Heimath Nordhausen eine 
empfindliche Lücke." 
Berheirathet war Ernst von Wille seit dein 
22. April 1872 mit Clementine Ernestine Cäcilie 
Mathilde Louise, Tochter des am 21. September 
1887 verstorbenen Obervorstehers der Stifter 
Kaufungen und Wetter, Kammerherrn Freiherr» 
Bodo Trott zu Solz und Imshausen und dessen 
erster Gattin Ernestine, geborenen von Rauch. Vier- 
Töchter sind seiner glücklichen Ehe entsprossen. 
In Folge gütiger Mittheilung eines Freundes 
unserer Zeitschrift, dem wir dafür unseren verbind 
lichsten Dank abstatten, sind wir in der Lage, über 
die in Hessen hochangesehene Familie Wille folgende 
geschichtlichen Angaben machen zu können. Dieselbe 
stammt aus der Stadt Spangenberg in Niederhessen; 
dort leisteten 1574 Johannes und Hans Wille, 1592 
P. Wille den Bürgereid. Konrad Wille, gestorben 
im Juli 1676 im Alter von 84 Jahren, war 
Gastwirth und Bürgermeister zu Spangenberg von 
1631 bis 1674. Sein Sohn Cyriacus Wille, 
geboren zu Spangenberg 1647, gestorben nach 1714,
	        

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