Full text: Hessenland (6.1892)

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Vergnügen, hinaus in die herrliche Rhön zu 
wandern. Und heute noch hat er derselben die 
alte Anhänglichkeit treu bewahrt. Wer unter den 
Gebirgsbewohnern kennt nicht den Rhönfreund 
Melde? Dort ist er überall eine gern gesehene, 
beliebte Persönlichkeit. Viel hat er seiner Zeit 
dazu beigetragen, daß der schönste Berg der 
Rhön, die „Milseburg" in weiteren Kreisen 
bekannt und häufiger von Touristen erstiegen 
wurde; und daß nach gethaner Arbeit am Fuße 
des Berges, zu Klein fassen im „Gasthaus 
zur Milseburg", in vertrautesten Kreisen sich 
der heiterste Frohsinn entfaltete. Auch dessen hat 
er bei seinen vorzüglichen gesellschaftlichen Ta 
lenten nach Kräften gewaltet. Gewiß sind Allen 
die dort mit ihm verlebten vergnügten Stunden 
in dauernder Erinnerung geblieben. Freude an 
der Natur, Liebe zu herrlichen Gebirgslandschaften 
waren es, die Melde bestimmten, auf der Milse 
burg zu Ende der siebziger Jahre einen Gedenk 
stein mit Orientirungstafel zu stiften, dessen 
Aufschrift 
In Gottes weite, schöne Welt 
Hat Einer mich hierher gestellt: 
Dem Auge, spähend in die Weiten, 
Zum sichern Ziel den Blick zu leiten, 
am besten die Gedanken erkennen lassen, die den 
Verehrer der Rhön bei der Errichtung dieses 
Steines beseelten. 
Seit 1866 ist Melde verheirathet. Er lebt 
mit seiner Gemahlin, einer geborenen Marburgerin, 
in den glücklichsten Familienverhältnissen. Die 
Ehe ist mit drei Kindern gesegnet, zwei Söhnen 
und einer Tochter. Der älteste Sohn, der 
praktische Arzt Richard Melde, erfreute seine 
Eltern am 60. Geburtstage des Vaters noch 
ganz besonders dadurch, daß er an diesem Ehren 
tage seine Verlobung feierte. 
'Möge es dem Herrn Geheimen Regierungs 
rath Professor vr. Franz Melde vergönnt sein, 
noch eine lange Reihe von Jahren als Lehrer 
und Forscher auf dem Gebiete seiner Wissen 
schaften zu wirken. Mit diesem Wunsche schließen 
wir unsern Aufsatz über den Lebenslauf des 
verehrten hochverdienten Mannes, hoffend, daß 
unsere Schilderung in engeren wie in weiteren 
Kreisen willkommene Aufnahme findet. 
•i-xe!- 
Her Hlaubensbole. 
Sine Erzählung aus dem achten Jahrhundert von 
Iran; % r e 11e r. 
«Schluß.) 
schäumend vor Wuth schrie der Priester: 
„Tödtet die Hunde! Tödtet sie! Sie legen 
Hand an des Gottes Priester." 
Wildes Murren erhob sich an einigen Stellen, 
grelle Rufe wiederholten des Priesters Worte, 
Waffen wurden erhoben, doch nicht überall. 
Mit ruhiger Gebietermiene, furchtlos, blickte 
der Graf in das Getümmel und hob den 
Königsstab. 
„Sie stehen unter des Königs Schutz! Wagt 
es, sie zu berühren!" 
„Den Gefangenen!" heulte der Priester, „den 
Gefangenen für den Gott!" und ein wildes 
Gedränge entstand nach diesem hin. 
Da rief Childerich hoch von seinem Sessel 
herab mit gewaltiger Stimme, in der ehernen 
Faust die schwere Streitaxt schwingend: „Wer 
murrt gegen den König, gegen seinen Grafen? 
Wer murrt gegen Childerich? Dieser Mann", 
er deutete auf den Gefangenen, der mittlerweile 
seiner Bande entledigt war, „steht unter meinem 
Schutz! Wagt's, ihn zu holen unter meiner Axt." 
Alles schwieg, denn groß war das Ansehen, 
welches der greise Held im Volke genoß, und 
Jeder kannte die furchtbare Gewalt seiner Waffe. 
„Aus, Männer! Aus !" schrie in heiserer Wuth 
der Priester, „Keiner hat hier zu gebieten, Keiner!" 
„Ja," sagte mit kräftiger Stimme Winfried, 
„einer doch, Du Baalsdiener —, der Herr, der 
Himmel und Erde gemacht hat." 
Mit raschen Schritten betrat er den kleinen 
Hügel, auf dem er vorhin stand, und war allem 
Volke sichtbar —, Aller Blicke hafteten auf ihm, 
Alle schwiegen, selbst die Priester. 
Mit einer Stimme, die gewaltig, weithin 
hallend, aus der breiten Brust drang, sagte er: 
„Hier stehe ich, Winfried, der Angelsachse, — 
allein und wehrlos zwischen Euch," das Beil 
ließ er zur Erde fallen bei diesen Worten, „nur 
einen Schutz habe ich —, aber den allgewaltigsten, 
den meines Herrn und Gottes, der jetzt durch 
meinen Mund zu Euch spricht." 
Eine finstere Wolkenwand war im Westen 
aufgezogen, Wind zog durch die Aeste der Bäume 
und schüttelte die Wipfel, und entfernter Donner 
ließ sich vernehmen. 
Abergläubischer Schauer faßte die Menge, und 
Einige fielen auf die Kniee. 
„Hört Ihr Donar's Zornesstimme?" ries 
gellend der Priester.
	        

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