Full text: Hessenland (6.1892)

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Kranz Melde. 
geboren am 11. März 1832. 
Gin Lebensbild, 
entworfen von Jf. Iwe n g e r. 
(Schluß.) 
«elde's schriftstellerische Thätigkeit als Physiker 
M» erstreckte sich nicht bloß auf die Akustik. Mehr- 
bs^ fache Abhaudlunge» gehöre» der Optik 
und der Kapillarität an, so insbesondere 
die Monographie: „Exp erim en t alun ter - 
suchungen über Blasenbildungen in 
kreisförmig zylindrischen Röhren", 
welche im IX. Bande der Schriften der Mar- 
burger naturforscheudcn Gesellschaft 1868 erschien. 
Ferner müssen wir hier hervorheben, daß von 
ihm vielfache in verschiedenen Zeitschriften ver 
öffentlichte Abhandlungen herrühren, in welchen 
vortreffliche von ihm erfundene Neueinrichtungen 
von Apparaten und Methoden dargestellt sind, 
die allseitige Anerkennung seitens der Lehrer der 
Experimentalphysik gefunden haben. Zu solchen 
Publikationen gehört auch eine Sammlung von 
zehn Tafeln „Bildliche Darstellung zur 
Erläuterung physikalischer Prinzipien 
beim Vortrage der Experimentalphysik, 
Abth. Optik". Diese erschien nebst be 
gleitendem Terte im Jahre 1878 bei Th. Fischer 
in Kassel 
Wir müssen hier noch der Thätigkeit Melde's 
gedenken, die er als Professor der Astro 
nomie entwickelt hat. Während sein Vorgänger- 
Gerling vorzugsweise sich mit Astronomie be 
schäftigte und sich auf diesem Felde einen hoch 
geachteten Namen erwarb, konnte Melde selbst 
verständlich , wollte er als Physiker nach jeder 
Richtung hin seiner Stellung gerecht werden, dem 
Lehrfach der astronomischen Wissenschaft nur in 
beschränkterem Maße obliegen. Trotzdem hat 
er fast in jedem Jahre Vorlesungen „über die 
Elemente der Astronomie", „über Zeit 
bestimmungen ", „über das Passage 
instrument", „über den Spiegelsextanten" 
gehalten und war in höchst anerkennenswertster 
Weise bemüht, die vorhandenen astronomischen 
Lehrmittel des Instituts zu erhalten, zu ver 
mehren und nutzbar zu machen. Ja es ist fast 
merkwürdig zu nennen, daß Melde als Schrift 
steller sein umfangreichstes Werk auf dem Ge 
biete der Astronomie aufzuweisen hat. Dasselbe 
erschien unter dem Titel: „Theorie und 
Praxis der astronomischen Zeitbe 
stimmung mit Zugrundelegung vor 
bereitender Lehren und unter Berück 
sichtigung einfacherHilfsmittel dar 
gestellt", Tübingen beiLaupp 1870. Es sollte 
dieses Werk allen denen nützlich sein, welche 
zwar nicht als Astronomen von Fach, so doch 
als mathematisch gebildete, ernsthafte Freunde 
der theoretischen und praktischen Astronomie 
gelten können. In dieser Schrift hat sich Melde 
durchaus selbständig bewegt und cs verschmäht, 
auf ausgetretenen Wegen zu wandeln. Er mußte 
dies, da er sich in lobenswertster Weise streng 
vorgenommen hatte, nicht wie gewöhnlich die 
Scheinbewegungen der Sonne w., sondern die 
wahren Bewegungen zu erläutern und zu Grunde 
zu legen. Es hat nicht an Stimmen gefehlt, 
welche diese Schrift, wenn auch nicht im Ganze», 
so doch in einzelnen Punkten, einer weniger 
güustigen Kritik unterzogen. Und gerade ein 
solcher Kritiker in der Person des Direktors der 
Wiener Sternwarte, E. Weiß, betont, daß 
Melde's Werk hauptsächlich für jene geschrieben 
sei, welche, ohne Astronomen von Fach zu sein, 
doch häufig in die Lage kommen, Zeitbestimmungen 
auszuführen, wie dies beispielsweise bei Marine 
offizieren, Meteorologen, Reiseudeu rc. der Fall ist. 
Diesen werde es vermöge seiner klaren und faß 
lichen Darstellungswcise, seiner gründlichen und de- 
taillirten Behandlung aller einschlägigen Fragen 
vielfach Nutzen gewähren und in mehr als einer 
Beziehung willkommen sein. (Vcrgl. die Zeit 
schrift der österreichischen Gesellschaft für 
Meteorologie, Bd. XI, S. 112.) 
Das bedeutendste Ereigniß, welches wir für 
die Zeit der mehr wie fünfundzwanzigjährigcu 
Thätigkeit Melde's als Institutsdirektor hervor 
zuheben haben, ist der unter seiner Leitung und 
nach seinem Plane im Jahre 1890 vollendete 
Erweiterungsbau des m a t h e m a t i s ch - 
p h y si ka lis ch e n I n st it u t s. Mit diesem Ban 
hat sich Melde ein ehrenvolles bleibendes Denkmal 
gesetzt. Wir glauben jedoch hier von einer 
weiteren Beschreibung und Beurtheilung dieses 
Baues absehen zu können, da wir bereits früher 
im „Hessenland" (Jahrgang 1891, S. 141) hier 
über berichtet haben. 
Wir dürfen unsere Skizze nicht schließen, ohne 
noch einer charakteristischen Eigenschaft Melde's 
zu gedenken, die ihn von Jugend an beherrscht 
hat. Sie betrifft seine Vorliebe für das Rhön 
gebirge. Schon als Fuldaer Gymnasiast 
galt ihm für das schönste und genußreichste
	        

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