Full text: Hessenland (6.1892)

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1266: interluerunt cluo consules civitatis 
Geysmar. — Sigillo civitatis Geysmar. 
Die Aufführung Vv» zwei Konsuln oder Bürger- 
meistern in der letztgedachten Urkunde bezieht 
sich ans die bei vielen Städten üblich gewesene 
Einrichtung, daß bei Eintritt eines neuen 
Bürgermeisters der alte noch eine Zeit lang im 
Amte verblieb, damit der neue erst vollständig 
mit den Verhältnissen bekannt werden konnte. 
Sehr bald kam das emporkeimende Gemein 
wesen in Streit mit der ans dem benachbarten 
hohen Berge, dem Schöneberg (Sconenberg), 
um das Jahr 1151 n ) von dem Grafen Hermann II. 
von Winzenburg erbauten Burg Schöneberg, 
welche nach dessen kurz darauf erfolgtem kinder 
losen Tode l0 ) an Mainz fiel, das dieselbe den 
Herren von Eberschütz (Everscütte), nunmehr 
Edle von Schonenberg genannt, zu Lehen gab. 
Einer derselben, Konrad von Schonenberg, erfreute 
sich der besonderen Gunst seines Lehnsherrn, des 
Erzbischofs Siegfried III. von Mainz. Dieser 
kaufte zwischen 1231 und 1241 die in der 
Weser nicht weit von Lippoldsberg gelegene 
Insel Werder von einem Paderbornischen Edel 
mann und erbaute auf derselben das Dorf 
Gieselwerder sowie für sich ein Schloß, und 
bestellte den Edlen Konrad von Schonenberg zum 
Burggrafen oder Kastellan des Schlosses zu 
Gieselwerder (1241), nahm es ihm aber nach 
einigen Jahren wieder ab und übergab das 
Amt einem Vetter desselben, dem Grafen Adolph 
voll Dassel (1244).") 
Konrad von Schonenberg erhob Ansprüche auf 
die Beholzignngs- und Weide-Gerechtsame im 
Reinhardswalde, welche bei dem Umfange 
des letztere» einen sehr hohen Werth darstellte, 
und da die Stadt Hofgeismar gleichfalls darauf 
Ansprüche geltend machte, war der Krieg unaus 
bleiblich. Derselbe verlief jedoch zu Gunsten 
von Hofgeismar, indem Konrad von Schvnenberg 
nach harter Gegenwehr im Kampfe gefangen 
genommen wurde und seinen Ansprüchen ent 
sagen mußte (25. Mürz 1249). ") Lange dauerte 
der Friede nicht. Zwar verkaufte ein Verwandter 
derer vv» Schonenberg. Graf Ludwig von Dassel 
(13. August 1273) seinen Antheil am Schöne 
berg' mit allen zugehörigen Orten, darunter 
Nordgeismar und Altengeismar an die Mutter- 
9) Gudenus, Cod. Dydomat. I, S. 205. 
w) Mit dem gewaltsamen Ende des Grafen Hermann II. 
von Winzenburg und dem Aussterben seines Geschlechts 
wird die Sage von Hödelren (Hütchen) und der 
Stiftung der Stute-Weggen iStutz-Wecken) in Verbindung 
gebracht. Zeitschrift, a. F., Bd. I, S. 357 ff. 
u) Wolf, Geschichte der Herren von Hardenberg. — 
Göttingen 1823, Bd. 1, S. 24 ff. 
12 ) Falckenheiner a. a. £)., S. 273; Gudenus, Sylloge 
I, S. 600 ff. 
kirche Mainz, mit dem Bemerken, daß er diese 
Handlung sogar gegen seinen Bruder Adolph 
(bereits oben genannt) durchsetzen werde. ,3 ) 
Nordgeismar war ein kleiner, am West-Abhange 
des Schönebergs gelegener Ort, Altengeismar, 
sonst nicht vorkommend, mag wohl mit Hof 
geismar gleichbedeutend zu nehmen sein. ") 
Konrad von Schonenberg hatte aber außer dem 
Erzbischof von Mainz noch einen zweiten Lehns 
herrn für seine Besitzungen auf dem linken 
Diemel-Ufer, in Marburg u. s. w., in dem 
Bischof von Paderborn, und da er sich gegen 
den Ersteren allzu willfährig zeigte, es bald mit 
dem Letzteren verdorben, welcher sich im Laufe 
des Streits sogar in den Besitz der Burg 
Schöneberg zu setzen wußte. In dieser Noth 
entfloh Konrad auf die von ihm in der Nähe 
erbaute Trendelburg und verpfändete die Hälfte 
derselben dem Erzbischof von Mainz, welcher 
diese seinem Oberamtmann, dem Grafen Otto 
von Waldeck, übertrug. Letzterer begann schon 
die Belagerung der Burg Schöueberg, als Her 
zog Albrecht von Braunschweig, welcher Lehns- 
Ansprüche an diese Gegend, namentlich an 
Trendelburg sowie Gieselwerder, geltend machte, 
ihn mit Krieg überzog. Dieser endete damit, 
daß Graf Otto im Kampfe gefangen genommen 
und im Gefängniß erhängt wurde (1305). 
Nunmehr wußte sich Konrad von Schonenberg 
einen neuen Bundesgenossen zu verschaffen in 
der Person des Stammvaters des hessischen 
Fürstenhauses, Heinrich's I., und verkaufte diesem, 
und zwar ihm selbst und seiner Frau Mechtilde 
und seinem Sohne Johannes, die Hälfte des 
Schlosses Trendelburg nebst der Stadt gleichen 
Namens: „das Halftetel der Drendenburg 
Hufes und der Stat" mit allen dazu ge 
hörigen Gerichten (im Februar 1305). Da 
mit faßte Hessen, das einst ja dies Land 
inue gehabt, wieder Fuß im sächsischen 
Hessengau. Durch weiteren Kauf erhielt Hein 
rich I. von Konrad von Schonenberg, bezw. dem 
Bischof Otto von Paderborn, die Hälfte vv» 
Schöneberg mit allem Zubehör, trug diese aber 
wieder dem Bischof von Paderborn zu Lehen 
auf, während dem Letzteren die andere Hälfte 
ungeschmälert verblieb (28. August 1306). 'fl 
(Fortsetzung folgt.) 13 * 15 
13) Gudenus I, S. 75. 
u ) Falckenheiner a. a. O., S. 269, Anm. 2, faßt 
Altengeysmar als Schreibfehler auf für Actum Geis 
mar, während doch gleich folgt: Datum Anno .... 
15) Wenck d. st. O., S. 254, 271 Amnerk., welcher den 
17. Februar 1305 als Datum des Verkaufs von Trendel 
burg annimmt, während Falckenheiner a. a. O., S. 278, 
den 15. Februar 1305 setzt. 
Hartmann, Historia Hassiaca (Marb. 1741), Pars I, 
cap. 7, § 35; cap. 8, § 1.
	        

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