Full text: Hessenland (6.1892)

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llllll!lllllllllllllllllll!llllll! 
Ita5f unö Kaö Hofgeismar. 
Von K. Neuber. 
(Fortsetzung.) 
ffOllrotz der nicht mißzudeutenden Fassung der 
Schenkungsurkunde scheint sich das Kloster 
s Hasungen des Besitzes des Hofes Geismar 
nicht lange erfreut zu haben, denn schon bald danach, 
ohne daß eine Aufhebung der gedachten Schenkung 
berichtet wird, vollziehen die Nachfolger des Schenk 
gebers von Hofgeismar aus verschiedene Regie 
rungshandlungen: 1143 Bestätigung des Klosters 
Weißenstein und in demselben Jahre Schenkung 
zu Gunsten des Klosters Spießkappel im Kreise 
Ziegenhain, beide von Geismar (Geismare) datirt') 
(was auf die Dörfer Geismar aus verschiedenen 
Gründen nicht bezogen werden kann) und in einer 
Urkunde von 1155 betreffend Ueberlassung eines 
wüst gewordenen Gründstücks seitens des Pfarrers 
zu Ludenhansen an das Kloster Lippoldsberg 
wird von dem die Urkunde ausstellenden Erz 
bischöfe von Mainz der Hof Geismar als sein 
Eigenthuin bezeichnet, und zwar einmal im Texte 
bei Beschreibung der Oertlichkeit: 
,non longe ultra ditionis nostre chesmariam“ 
und sodann am Schluffe: 
„ Acta sunt autemhecindomon o st rachesmarie“ 
deutsch: „Gegeben in unserem Herrschersitze 
Geismar." * 5 * * * ) 
Aus dem Umstande, daß die Erzbischöfe von 
Mainz so verschiedene wichtige Amtshandlungen 
von Hofgeismar aus vornahmen, sowie daß daselbst 
auch Münzen geschlagen wurden mit dem Maiu 
zischen Rade ff, dürfte zu folgern sein, daß ihr 
dortiger Herrschersitz beträchtlichen Umfang gehabt 
habe. Auf die Lage der Burg, deren hervor 
ragender Theil hier wie auch anderwärts das 
Herrenhaus, lateinisch sala, war, deuten die noch 
vorhandenen Benennungen: Sa lber g und Sal- 
b erg er Thor, letzteres freilich sehr verketzert 
in Selber Thor. Die Burg stand demnach auf 
der Höhe, wo jetzt das Altstädter Pfarrhaus 
steht, nicht weit also von der ältesten Kirche der 
4 ) Gudenus, Cod. Diplomat. I, S. 148; Justi, Hessi 
sche Denkwürdigkeiten, Th. IV, Abth. 1, S. 31 f. 
s) Zeitschrift des Vereins f. Hess. Gesch., a. F., Bd. I, 
S. 162 s. 
0) Würdtwei» (Dechant zu Mainz), Dioeossis Moguntina, 
Tom III. Mannheimii 1777, p. 575 sq., Cap. Ilde prae- 
positura Geismariense. 
Stadt, der Marien-Kirche oder Liebfraucn-Kirche 
der Altstadt, deren Entstehungszeit nicht sicher 
nachzuweisen, jedenfalls aber in die Zeit zwischen 
den Jahren 1082, der ersten urkundlichen Er 
wähnung des Orts, und 1143 zu setzen ist, ans 
welchem Jahre zuerst ein Probst genannt wird, 
der, unmittelbar unter dem Erzbischof stehend, 
an der Altstädter Kirche seinen Sitz hatte. 
Für die weltlichen Angelegenheiten stand unter 
dem Erzbischof ein Statthalter (satrapa), auch 
Obcramtmann oder Stiftsamtmann genannt, der 
nach den vorhandenen Urkunden ff regelmäßig auf 
fünf Jahre bestellt wurde und in den ersten 
Jahrhunderten nur die Ortschaften bezw. Burgen 
Geismar, Schönebcrg und Zappenburg, später 
einen weit ausgedehnteren, nämlich noch Amöneburg, 
Battenberg, Rosenthal und viele andere Orte um 
fassenden Bezirk hatte. Der Gehalt ist für den 
ursprünglichen Umfang nicht angegeben, für den 
späteren zu jährlich 800 rheinische Gulden und 
außerdem 200 Gulden zu jedem Frohnfasten. 
Unter den Amtleuten kommen namentlich Grafen 
von Waldeck und von Spiegel vor. 
In der bezeichneten Gegend fanden denn auch 
die ersten Ansiedelungen weiterer freier Bewohner 
statt und bald so zahlreich, daß sich allmälig 
eine Stadt entwickelte. Wann dem Hofe 
Geismar Stadtrechte verliehen wurden, läßt sich 
nicht genau feststellen; jedenfalls geschah es kurz 
nach dem Jahre 1200. Denn in der danach 
ausgestellten Urkunde ff wird Hofgeismar als 
Stadt (oppickum, civitas) bezeichnet und die Ein 
wohner als Bürger (burgenses, cives); so von 
den Jahren: 
1234 : et sigillis ecclesie et burgensinin 
gesmariensium sigillata; 
und daselbst nach Aufführung der als Zeugen mit 
gewirkt habenden Personen: cives geismarienses; 
1246: Sigillo nostro et civitatis Geismari- 
ensis duximus roborandam. Acta sunt 
hec in oppido Hove Geismarie. 
1258: civis Geism. — — 
7 ) Würdtwei» ». n. O., S. 579 (Eckebrecht v. Grifte 1345, 
Wolrabe, Graf von Waldeck 1443 als Anitleute bestellt); 
vergl. Wenck, Hess. Landesgeschichte 11, Urknndenbuch, S. 252. 
8 ) Falckenheiner a. a. O., Urkundenbnch S. V, f.
	        

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