Full text: Hessenland (6.1892)

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Stopp ellenchen, Novelle von E. Mentzel. 
Marburg bei Oskar Ehrhardt. 
Unsere landsmännische Schriftstellerin Frau Elisa-^ 
beth Mentzel hat ihren ohnlängst unter dem 
Titel „Feldspath" erschienenen „Drei Erzählungen 
aus Hessen" (Leipzig bei Liebeskind) eine neue Novelle 
„Stoppellenchen", folgen lassen. Ist es an sich 
nicht Aufgabe der Novelle, die vollständige Ent 
wickelung einer Persönlichkeit zu geben, sondern nur 
das Stück eines Menschenlebens, welches „eilte 
Spannung, eine Krise hat" und uns durch scharfe 
Zeichnung zeigt, was überhaupt Menschenleben ist: 
so versteht es Frau Mentzel meisterhaft, selbst über 
diesen engeren Rahmen hinaus, die Charaktere der 
Personen ihrer Novellen so klar und wahr zu zeichnen, 
daß man den ganzen inneren Menschen erkennt und 
seine Gemüthswendung versteht. Dabei hat die 
Dichterin einen glücklichen Griff in das Leben unseres 
Volkes; man sieht den Dichtungen auf den ersten 
Blick an, wie sehr sie dies Leben versteht, und darum 
sprechen auch ihre Novellen zu Herzen. Die neueste 
Novelle, „Stoppellenchen", ist zwar nur die kleinste 
der novellistischen Dichtungen unserer Landsmännin, 
allein der Inhalt bleibt nicht etwa hinter den anderen 
zurück, denn in wenigen Strichen sind uns im 
Stoppellenchen, in Gustav Werning und in der Frau 
Bender drei Personen geschildert, die für sich ein 
nehmen durch sich selbst. Die Novelle spielt in 
Marburg, und wer je Land und Leute dort kennen 
lernte, glaubt sicher in der Frau Bender eine alte 
Bekannte zu erkennen, so lebenswahr tritt uns diese 
Frau des Volkes entgegen. 
Wir wünschen dieser neuesten novellistischen Gabe j 
unserer verehrten Landsmännin einen recht großen 
Leserkreis, wollen aber nicht unterlassen, bei dieser 
Gelegenheit auf Elise Mentzel's „Felds path" auf 
merksam zu machen, in welchem Buche wir die hessi 
sche Dorfgeschichte „®ore“ geradezu als ein Kabinets- 
stück bezeichnen. Daneben empfiehlt sich das Buch 
noch durch schöne Ausstattung und Einband. 
Die von F. Böschen, Obersekretär der Landes- 
Direktion zu Kassel, auf Veranlassung des Vorstandes 
des Städtetages für den Regierungsbezirk Kassel im 
Druck herausgegebene G e s ch ü f t s a n w e i s u n g für 
die Verwaltung kommunaler Sparkassen 
(Kassel, Selbstverlag) ist für die betheiligten Kreise 
eine sehr willkommene Schrift, umsomehr als bis 
jetzt über die Verwaltung von Sparkassen noch wenig 
im Druck erschienen ist. Die Geschäftsanweisung 
enthält den Entwurf eines Statuts, eine sehr gut 
> ausgearbeitete Geschüftsanweisung für die Direktion, 
den Rechnungsführer, Kontroleur und die Neben 
beamten , sowie eine Anordnung über die Hand 
habung des Konto-Korrent-Geschäfts. Sodann ent 
hält das Werk sämmtliche Formulare zur Buch- und 
Rechnungsführung mit den Anmerkungen und Er 
läuterungen hierzu, sowie Formulare zu den Ver 
rechnungsanweisungen und Schuldurkunden nebst 
einem Plan zur Einrichtung der Repositur. Der 
Verfasser, als ausgezeichneter Rechnungsbeamter be 
kannt, hat bereits mehrere Sparkassen, wie die Kreis 
sparkassen zu Volkmarsen, Witzenhausen und Ziegen 
hain sowie die städtische Sparkasse zu Hünfeld, 
hiernach eingerichtet. Nach Angabe der Direktionen 
dieser Kassen hat sich diese Einrichtung vollständig 
bewährt, sodaß die vortreffliche Schrift einer jeden 
Verwaltung auf das Beste zu empfehlen ist. 
I. 
Dunker, W., Conchylien, welche sich in der 
Grafschaft Schau m bürg und der U m - 
g e g e n d finden. — 19. Jahresbericht des 
westfälischen Provinzial-Vereins für Wissenschaft 
und Kunst. S. 82 — 86. Münster 1891. 
Die vorliegende Zusammenstellung der von dem 
hervorragenden Conchyliologen und Geologen W. 
Dunker (si 13. März 1885 zu Marburg) während seines 
in die dreißiger Jahre fallenden Aufenthaltes in der 
Grafschaft gesammelten Muscheln und Schnecken 
bildet einen Theil einer Arbeit von P. Hesse: 
„Zur Kenntniß der Molluökenfauna Westfalens." 
Dunker giebt bei jeder Art auch den Ort an, wo 
er sie gefunden. Die Publikation ist ein schätzens- 
werther Beitrag zu Hessens Fauna, insbesondere zu 
den Arbeiten von Ritzmann, Pfeiffer und Diemar. 
_ Dr. K. 
Zur Abwehr! 
Als ich in der vorigen Nummer des „Hessen- 
landes" meinen Aufsatz über die Kirche und Schule 
in Hessen während und nach dem dreißigjährigen 
Kriege zum Abschluß brachte, hätte ich nicht gedacht, 
daß ich diesmal schon wieder zur Feder greifen 
müßte, um einen Angriff abzuwehren, den mir meine 
geschichtlichen Ausführungen von einer Seite her ein 
getragen haben, von welcher man allerdings auf 
manches gefaßt sein muß. Mein Aufsatz hat das 
Glück gehabt, das entschiedene Mißfallen eines hiesigen 
Blattes, der sogenannten „Kasseler Nach 
richten" zu erregen; den Grund hierfür suche ich 
wohl mit Recht in der allgemeinen Haltung meiner 
Abhandlung, welche der Religion und der Geistlichkeit 
ein hohes Verdienst bei der Reorganisation des 
deutschen bezw. unseres hessischen Volkes nach den 
Stürmen des dreißigjährigen Krieges zuerkennt und 
solches durch Thatsachen belegt. Wer der Verfasser 
des in Nr. 86 der „Kasseler Nachrichten" vom 
27. März d. I. enthaltenen Artikels ist, will ich 
nicht weiter untersuchen, dem Herrn -t vielmehr 
gerne die sichere Deckung der Anonymität belassen, 
aus der heraus er es gewagt hat, meine geschichtliche 
Darstellung in seiner Weise und von seinem
	        

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