Full text: Hessenland (5.1891)

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Historiographie in der ersten Hälfte des 18. Jahr- | 
Hunderts überaus schätzenswerthe Arbeit „Ueber > 
Bernhard Pez und dessen Briefwechsel." 
Vom Gymnasiallehrer P. Eduard Ernst 
Katschthaler. (Melk 1889. Selbstverlag 
des Obergymnasiums.) Aus dieser, wenngleich 
kleinen, Schrift können viele vollkommen quellen 
mäßige Nachrichten über Schannat geschöpft 
werden, da von diesem nicht weniger als 38 
eigenhändige, in französischer Sprache geschriebene 
Briefe im Kloster Melk aufbewahrt werden und 
über ihn zahlreiche andere Schreiben in dem 844 
Stück enthaltenden Schatz an Briefen vielfache 
und sehr erwünschte Aufschlüsse gewähren. Nach 
überaus gefälliger brieflicher Mittheilung des' 
Herrn Prof. Katschthaler befinden sich auch in 
dem literarischen Nachlaß Schaunat's zu Prag, 
von welchem unten Erwähnung geschieht, noch 
vielfache Nachrichten über seinen wissenschaftlichen 
Verkehr mit den Maurinern, besonders Mont- 
faucon, den Jesuiten Sollier, Sicherer, Crassier 
und Harzheim, endlich mit Weihbischof Hahn in 
Bamberg, (welcher durch Schannat an Pez in Melk ! 
empfohlen dortselbst und in Göttweih zu einem ! 
tüchtigen Geschichtsforscher herangebildet wurde), ! 
Senckeuberg und Büchels. Wir glauben daher eines- > 
theils eine Pflicht gegen den um die tausend- > 
jährige Geschichte des Klosters, der Stadt und! 
des geistlichen Fürstenthums Fulda so sehr ver- j 
dienten Forscher zu erfüllen, anderntheils aber' 
auch allen Freunden der Geschichte Buchoniens * 
und ganz Deutschlands einen willkommenen 
Dienst zu erweisen, wenn wir an der Hand des 
uns neuerdings durch P. Katschthaler in so 
dankenswerther Weise gebotenen Materials dem 
mit seinen historischen Quellenstudien eng ver 
knüpften Lebenslauf Schannat's nachgehen, um 
die großartigen Resultate seines unermüdlichen 
Fleißes auch außerhalb der Kreise der Fach 
gelehrten durch eine kurze Lebensskizze zur 
rechten Würdigung zu empfehlen. 
Es war ein ebenso entscheidender wie glück 
licher Entschluß für den von Schannat erwählten 
Beruf im Dienste der Geschichtswissenschaft, als 
er sich wahrscheinlich im Jahre 1720 nach Melk 
begab, um sich unter Leitung von Bernhard 
Pez den gründlichsten historischen Studien zu > 
widmen. Der gelehrige Schüler gewann wohl 
bald die Ueberzeugung, daß er in dem stillen 
Kloster den Meister gefunden, dem er sich ganz 
anvertrauen dürfe, und so erfüllte ihn gegen 
denselben die größte Hingebung und rührende 
Anhänglichkeit; für das Kloster Melk aber be 
wahrte er sein ganzes Leben hindurch aufrichtige 
Dankbarkeit. „Ich weiß recht gut", sagt er i 
einmal in einem Briefe an Pez, „wie groß 
meine Verpflichtungen Ihnen gegenüber sind, als 
daß ich nicht versuchen sollte, mich mein Leben 
lang dafür erkenntlich zu zeigen." Dieses Ver 
hältniß durchzieht die gesammte im Jahre 1721 
beginnende Korrespondenz Schannat's mit 
B. Pez, und erscheint er überall in derselben als 
eine sehr liebenswürdige und gewinnende Persön 
lichkeit. Nach etwa einem Jahre lenkte Schannat 
seine Schritte wieder donauauswärts und hielt 
sich einige Zeit in Linz auf, von wo er die zahl 
reichen benachbarten Klöster in Oberösterreich 
besuchte, welche reiche Ausbeute für seine Samm 
lung der Concilien in Deutschland boten. 
Hierauf nahm er seinen Wohnsitz in Würzburg, 
da ihm nicht nur diese Stadt, sondern auch die 
Archive und Bibliotheken der Klöster Frankens 
erhebliches Material für seine Forschungen ge 
währten. Namentlich bei dem bischöflichen 
Bibliothekar Sigler*) und dem Abte des Schotten 
klosters St. Stephan in Würzburg wurde ihm 
in Folge der Empfehlung von Pez gute Aufnahme 
zu Theil. Leider befand er sich noch in sehr 
dürftigen Verhältnissen, so daß er nur mit 
Mühe den Monatsbetrag von 15 fl. für Tisch 
und Wohnung im vornhinein zahlen konnte. 
«Schluß folgt.) 
*) Wir wollen nicht unterlassen, hier gelegentlich auch 
der Nachrichten zu gedenken, welche sich aus der vor 
liegenden Schrift über den mit der Fuldaischen Geschichts 
forschung in Berührung gestandenen Gelehrten Konrad 
Sigler ergeben. 
In einem Briefe an B. Pez schrieb er am 14. Fe 
bruar 1711 aus Fulda über dessen Plan der Herstellung 
einer Benediktiner-Bibliothek und sprach über dieses große 
und schwere Werk seine Bewunderung aus „zumalen nicht 
unbekannt, wie so viele and was für wackere Männer aus 
diesem heiligen Orden zu denen mittleren Zeiten in der 
christlichen Welt geleuchtet und gelehrt haben, von deren 
Schriften heute gar viele non exiguo reipulicae lite- 
rariae damno ermangeln. Denn was würde nicht das 
Buch, so Bonifacius geschrieben de kistoria et missionis 
8uao ladoribrw, und welches noch vor hundert Jahren 
in hiesiger Bibliothek gestanden, andere vorjetzo zu ver 
schweigen, in der alten Geographie und Historie des alten 
saeouli für ungemeinen Nutzen schassen." 
Sigler war bis zum Jahre 1711 im Dienste des Fürst 
abts von Fulda gestanden, als er aber bei Gelegenheit 
der Krönung Kaiser Karls VI. zu Franksurt öfter vom 
sächsischen Hose zu Unterhandlungen mit dem päpstlichen 
Nuntius verwendet wurde, trat er in sächsische Dienste und 
begleitete den sächsischen Hof nach Italien. Bei dieser 
Gelegenheit wurde ihm der Besuch zahlreicher Bibliotheken 
gestattet, welche er zu historischen Studien ausbeutete. 
Indessen mußte er doch im Jahre 1712 über die Alpen 
zurückeilen, da ihm die Stelle eines Bibliothekars und 
Sekretärs des Fürstbischofs von Würzburg reservirt worden 
war. In diesem Amte verblieb er bis zu seinem Tode 
im Jahre 1728.
	        

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