Full text: Hessenland (5.1891)

(Eine Lebensskizze, entworfen von Dr. (Eornelius Will. 
Unter allen den Forschern, welche sich im Laufe 
mehrerer Jahrhunderte um die Geschichte des 
altehrwürdigen Klosters und des berühmten Hoch 
stifts Fulda verdient gemacht haben, nimmt 
zweifelsohne Johann Friedrich Schannat*) 
die erste Stelle ein, und wie ihm bei seinen 
Lebzeiten die größte Anerkennung als gelehrter 
Forscher zu Theil ward, so muß ihm auch in 
der Geschichte der deutschen Historiographie der 
Ruhm dauernder Verdienste um die Wissenschaft 
in reichem Maße zuerkannt werden. Wie wohl 
begründet seine Ansprüche in dieser Beziehung 
sind, darüber kann schon ein Blick auf die statt 
liche Reihe seiner Werke genügenden Aufschluß 
geben und wir haben um so mehr Veranlassung, 
dieselben hier in ihrer Gesammtheit auszuführen, 
als die Verzeichnisse derselben in der neuesten 
einschlägigen Literatur überhaupt theilweise 
mangelhaft sind und für viele Leser dieser Zeit 
schrift nicht zugänglich sein dürften: 
1. Histoirc du comte de Mansfeld, Lurem- 
burg 1707. 12«. 
2. Vindemiae literariae Collectio I et II, 
Fuldae et Lips. 1723, 24. fbl. 
3. Corpus traditionum Fuldensium. Lipsiae 
1724. fol. 
4. Tractatus de Clientela Fuldensi. Frankof. 
1726. fol. Mit Codex probationum. 
5. Dioecesis Fuldensis cum sua hierarchia. 
Francof. 1727. fol. Mit Codex pro 
bationum. fol. 
6. Sammlung alter histor. Schriften u. Do 
kumente. Franks. 1727. 4°. 
7. Vindiciae quorundani arehivi Fuldensis 
diplomatum. Franko für ti 1728. fol. 
8. Historia Fuldensis. Accedit integer, cod 
probationum. Francof. 1729. fol. 
9. Historia episcopatus Wonnatiensis. 
Francof. 1734. Mit cod. probationum. 
fol. 
Die aus Schaimat's literarischem Nachlaß 
herausgegebenen Werke: 
1. Histoire abregee de la maison Palatinate, 
2. Concilia Germaniae, 
3. Eiflia illustrata, 
siehe unten. 
Schannat erblickte als Sohn eines fränkischen 
Arztes am 23. August 1683 das Licht der 
*) Eine kurze Lebensbeschreibung I. F. Schannat's ist > 
nach der „Allgemeinen Deutschen Biographie", Bd. 30, 
in Nummer 12 unserer Zeitschrift „Hessenland" vom 
12. Juni 1890 enthalten. D. Red. 
Welt zu Luxemburg?) Nachdem er noch außer 
ordentlich jung das Studium der Rechtswissen 
schaft zu Löwe» absolvirt hatte-, indem er im 
Jahre 1705 in collegio utriusque iuris alinae 
universitatis generalis studii oppidi Lova- 
niensis die professio ablegte und den gradus 
Baccalaureatus utriusque iuris erlangte, erhielt 
er, 22 Jahre alt, eine Advokatur bei dem Par 
lament zu Mecheln. Auch wurde er Lieentiat, 
wie man daraus ersieht, daß das Familien 
wappen , bestehend in drei fünfblüttrigen Rosen 
auf goldenem Pfahl in blauem Feld, für Joh. 
Fried. Schannat, iuris utriusque Licentiatus, 
de cuius promotione agitur, am 24. Nov. 1707 
Luxemburgi ausgeführt wurde. Die praktische 
Thätigkeit scheint ihm jedoch keine Befriedigung 
gewährt zu haben und iinmer mehr bildete sich 
bei ihm die Neigung zur historischen Wissenschaft 
aus. Schon im Jahre 1707 begegnen wir der 
ersten Frucht seiner geschichtlichen Forschung, 
nämlich der Geschichte des Grafen von Mansfeld. 
Am meisten aber fühlte sich der junge Rechts 
anwalt zu archivalischen Studien hingezogen 
und weil er glaubte, als Kleriker leichtere» Zu 
tritt zu den urkundlichen Schützen der Archive 
zu finde», trat er in den geistlichen Stand. **) 
Und in der That eröffnete er sich dadurch die 
Wege für seine so erfolgreiche und ruhmgekrönte 
Forscher-laufbahn. Zur Verfolgung derselben 
dienten seither fast ausschließlich die vorhandenen 
Werke Schannats als Marksteine, die strecken 
zwischen diesen aber erschienen bis jetzt ziemlich 
leer und dunkel. Endlich ist eine Leuchte auf 
gegangen, welche das Leben und die Entstehungs 
geschichte der zahlreichen für die Geschichte Fnlda's 
und Deutschland's so werthvollen Schriften 
unseres Schannat in vielfacher Beziehung in das 
seither vermißte Licht versetzt. 
Der im Jahre 1889 erschienene 39. Jahres 
bericht des k. k. Obergymnasiums der Bene 
diktiner zu Melk in Niederösterreich enthält 
nämlich eine für die Geschichte der deutschen 
*) In einer Kopie seines Taufscheins heißt es: Fr kl. 
Ign. {Schannat iuris utriusque Licentiatus ex per- 
honesto ac spectabili connubio progenitus Domini 
Johannis Georgii Sch., medici in hac urbe, et 
Dominae Catharinae Pletscheit baptizatus 28. Juli 1683. 
**) Offenbar war er für denselben schon von früher 
Jugend auf bestimmt, denn in den Ueberresten von Schannat's 
Papieren zu Prag findet sich auch ein Ordinariatszeugniß, 
nach welchem Johannes Fridericus Channat (!) a. 1694 
am 14. Mai in ecclesia st Trinitatis Sanctimonialium 
ord. s. Augustini congreg. B. M. Virg. primam 
dermalem tonsuram erhielt.
	        

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