Full text: Hessenland (5.1891)

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Llhelrn I. in 
Von 3s. Iwenger. 
(Fortsetzung.) 
Der Kurfürst kam am 20. Mai 1816 in 
Begleitung des Kurprinzen über Vacha nach 
Fulda, nachdem er vorher Hersfeld und Schmal 
kalden mit seinem Besuche bedacht hatte. An 
der Grenze des neugeschaffenen Großherzogthums 
Fulda wurde er von dem Präfekten Lothar 
Herquet bewillkommt, auch hatten sich dort 
der Oberstlieutenant Friedrich Gerhard von 
Katzmann an der Spitze der Landsicherheits 
husaren, Landforstmeister Ernst Friedrich Hartig, 
an der Spitze der berittenen Forstoffizianten und 
die Justiz- und Verwaltungsbeamten der Aemter 
Haselstein und Eiterfeld mit 24 uniformirten 
Jünglingen und Landsturmmännern zu Pferd, 
zum feierlichen Empfange aufgestellt. Von da 
ging der Zug, begleitet von den Husaren, den 
Forstoffizianten und der berittenen jungen Mann 
schaft nach Rasdorf und Hünfeld, wo das Mit 
tagsmahl eingenommen wurde. Ueberall waren 
Ehrenpforten und Opferaltäre angebracht, die 
Beamten der Ortschaften, durch welche der Zug 
ging, und der Umgegend, begrüßten den Kur 
fürsten durch feierliche Anreden, die Schuljugend 
sang Lieder, Gedichte wurden überreicht. Don 
Hünfeld wurde die Reise nach Fulda fortgesetzt. 
An der Grenze des Zentamts Fulda wurde der 
Kurfürst von den Beamten der Aemter Fulda, 
Bieberstein und Großenlüder empfangen und von 
diesen nebst dreißig Mann ländlicher Ehrengarde, 
in Husarenuniform, bis zu der unfern des Wirths 
hauses zur kalten Herberge (Leipziger Hof) errichte 
ten Ehrenpforte begleitet. Bei der Ankunft dort 
selbst streute die in Spalieren geordnete Schul 
jugend vor dem Wagen des Kurfürsten unter 
lauten Vivatrufen Blumen auf den Weg. An 
der Ehrenpforte war die gesammte Geistlichkeit, 
die Aktuarien, Schultheisen und Gemeiudenach- 
barn der Zenten Fulda, Bieberstein und Großen 
lüder in Ordnung aufgestellt. Ein 94jähriger 
Greis überreichte dem Landesherrn namens der 
Unterthanen der genannten drei Aemter ein 
Gedicht, und als der Beamte der Zent Fulda 
eine Ansprache hielt, in welcher Liebe, Treue, 
Anhänglichkeit und Gehorsam aller Gegen 
wärtigen angelobt wurde, da betheuerte dies der 
Greis nach altdeutscher Sitte namens Aller durch 
den Ausruf: „Dieses ist wahr, bei meinem 
Silberhaar!" In Fulda hatte sich eine aus 
angesehenen Bürgern bestehende Ehrengarde ge 
bildet, die dem Kurfürsten bis zu der Ehren 
pforte bei der kalten Herberge entgegenritt und 
sich dann dem Zuge anschloß. Unfern der Stadt 
Fulda war auf dem erhabensten Punkte der 
Landstraße eine sehr geschmackvolle, auf acht Säulen 
ruhende Ehrenpforte errichtet, deren Vorderseite 
die Inschrift: „Wilhelm, Langersehnter", die 
Rückseite aber die Worte: „Nimm zu den tapferen 
Hessen auch die treuen Fulder auf!" sehen ließ. 
Die Aufschrift stammte von Karl Arnd und 
sollte eigentlich „Heil Dir Wilhelm! Dein 
Vaterherz nimmt zu den tapferen Kalten auch 
die treuen Buchanier (sie) auf!" lauten. Die 
hessischen Kommissare von Porbeck und Fulda 
hatten aber obige Aenderung vorgenommen. 
Karl Arnd ist aufrichtig genug, in seiner Selbst 
biographie*) zu gestehen, daß ihm, den man nicht 
für den Verfasser hielt, mancher Tadel über die 
charakterlose Servilität der Inschrift zu Ohren 
gekommen sei. 
An jener Ehrenpforte überreichte der Vorstand 
der Stadt Fulda, Regierungsrath Anton Thomas, 
dem Kurfürsten die Schlüssel der Stadt. Hinter 
der Ehrenpforte bis zu dem mit Laubwerk, 
Kränzen und Bäumen geschmückten Paulusthore 
waren der Klerus, die Geistlichen des Franzis 
kanerklosters, die Lhceisten, die Gymnasiasten, 
die Mädchen und Knaben der Stadt- und Dom 
schulen mit ihren Lehrerinnen und Lehrern, der 
alte Bürgerausschuß mit der Stadtfahne, dann 
der Landsturm der Stadt und der Vorstädte in 
Ordnung aufgestellt. 
Gegen 5 Uhr Nachmittags erfolgte unter dem 
Geläute aller Glocken der Einzug in die festlich 
geschmückte Stadt. Im Schloßhofe wurde der 
Kurfürst von dem Vesitznahme-Kommissarius, 
*) Karl Arnd's Leben, von ihm selbst beschrieben. 
Frankfurt a. O. bei Christian Winter, 1869, Seite 89.
	        

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