Full text: Hessenland (5.1891)

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und deS Rechtes des angegriffenen Burschenschafters 
und führt sie mit großer Wärme und vielem Geschicke 
durch, und schließlich spricht ein alter Burschenschafter, 
der Geheime Rath von Stiernbcrg, ein Jugendfreund 
und Studiengenosse Höflings, der trotz seines hohen 
Alters von 83 Jahren sich noch eines ausgezeichneten, 
nimmer versagenden Gedächtnisses und seltener 
Frische des Geistes rühmen kann, das entscheidende 
erlösende Wort, das genau mit dem übereinstimmt, 
was wir einst selbst aus dem Munde des oben er- 
wähnten, int Jahre 1885 verstorbenen Stadtsekretärs 
Dr. I. Weinzierl vernommen haben. Wer kann sich 
da noch unterfangen, die Autorschaft Höflings in 
Zweifel zu ziehen?! — 
Sollte hier nicht eine kurze Schilderung des 
Lebenslaufes unseres hessischen Landsmannes Eugen 
Höfling, dessen Gebeine jetzt schon fast elf Jahre 
der Rasen deckt, dessen Gedächtniß aber unter uns 
fortleben wird, und das wir in Liebe und Treue 
pflegen wollen, am Platze sein? Ich will es wagen. 
Eugen Höfling war am 8. Oktober 1808 zu 
Fulda als Sohn des Kaufmanns I. Wilhelm 
Höfling geboren. Er besuchte mit ausgezeichnetem 
Erfolge das Gymnasium und Lyceum seiner Vater 
stadt. Mitschüler von ihm waren u. A.: Karl von 
Vangerow, der nachmalige berühmte Pandektist, 
C. F. von Stiernbcrg, Karl Renouard, der bekannte 
hessische Militärschriftsteller, Franz Lieblein, Joseph 
Weinzierl rc. Nach Absolvirung des Lyceums, an 
welchem schon akademisches Leben und Treiben vor 
waltete, bezog Eugen Höfling im Herbste 1826 die 
Universität Marburg, um sich dem Studium der 
Medizin zu widmen. Hier war er, gleich seinen 
Kommilitonen von Stiernbcrg, Lieblein, Weinzierl, 
ein eifriges Mitglied der Burschenschaft „Germania-. 
Nachdem er noch die Universitäten Würzburg und 
Heidelberg besucht hatte, unterzog er sich tut Winter 
1830 zu Marburg der medizinischen Fakultäts- 
Prüfung und wurde auf Grund seiner Jnaugural- > 
Dissertation „de Ichthyosi praemissis nonnullis , 
de cutis affectionibus in genere, ant 23. Dezent- ^ 
der des genannten Jahres zum Doktor der Medizin 
promovirt. Sind wir recht unterrichtet, so ging da- > 
mals Dr. Eugen Höfling mit der Absicht um, sich 
zu Heidelberg als Privatdozent in der medizinischen 
Fakultät zu habilitiren. Doch nahm er von diesem ! 
Plane Abstand und widmete sich der Laufbahn als 
praktischer Arzt. Er bestand zu diesem Zwecke die i 
Staatsprüfung und hielt sich einige Zeit, mit j 
Studien beschäftigt, in seiner Vaterstadt Fulda auf. j 
Hier hatte sich damals ein kleiner „namenloser" ! 
Verein gebildet, dessen Zweck in der Pflege der 
buchonischen Dichtung und Geschichte gipfelte. Er 
bestand nur aus fünf Mitgliedern; die Freunde 
kamen an jedem Montage von 4 bis 7 Uhr in ihren | 
Wohnungen der Reihe nach zusammen, um einander 1 
ihre eigenen Dichtungen und Erzählungen vorzulesen I 
und dieselben zu beurtheilen. Zu ihnen gehörte 
unseres Wissens auch Eugen Höfling. Die anderen 
Mitglieder waren der Gymnasiallehrer Dr. Kilian 
Wolf, Hermann Müller, der Referendar Balthasar 
von Boxberger und G. Andreas Henkel. 
Im Jahre 1834 finden wir Dr. Eugen Höfling 
als praktischen Arzt, Wundarzt und Geburts 
helfer in Hünfeld. Einige Jahre später siedelte 
er nach Friedewald über, wurde dann zum 
Physikus in Naumburg und schließlich zum Kreis- 
physikus in Eschwcge ernannt, auch wurde ihm der 
Titel „Sanitätsrath“ verliehen. Hier war er bis zu 
seinem ant 21. Juli 1880 nach nur kurzem Kranken 
lager erfolgten Tode unermüdlich thätig. Er war ein 
geschickter, gewissenhafter und humaner Arzt, zu dem 
die Patienten ein außerordentliches Zutrauen hatten. 
Und wie er sich in seiner amtlichen Stellung die 
Achtung und Hochschätzung seiner Vorgesetzten er 
worben, so war dies auch im bürgerlichen Leben der 
Fall. Dr. Höfling zählte zu den beliebtesten und 
angesehensten Persönlichkeiten der Stadt und des 
Kreises Eschwege, und allenthalben, wo er vorher 
gewirkt, hatte er das beste rühmlichste Andenken hinter 
lassen. 
In seiner Jugend war Dr. Eugen Höfling viel 
fach mit literarischen Arbeiten beschäftigt — und 
manche vortreffliche medizinische Abhandlung ver 
öffentlichte er in Fachschriften. Aber nicht allein der 
Medizin, auch den Naturwissenschaften, insbesondere 
der Entomologie, hatte er seine eingehenden Studien 
zugewandt. Er war eine Autorität in der Kenntniß 
der Fauna seines Geburtslandes, und die in der 
Rhönbeschreibung von Dr. Joseph Schneider, 2. Auf 
lage 1840, enthaltene „Fauna Rhoenana“ ist von 
ihm verfaßt. — Im Jahre 1844 erschien von 
Dr. Eugen Höfling die Schrift „Botanisches und 
chemisch-technisches, latein-deutsches Wörterbuch zum 
Uebersetzen der Pharmakopöe, zunächst der „Pharma- 
copoea Hassiae electoralis“. 
Ueber Eugen Höfling, den Dichter, ein andermal. 
K. Z. 
Soeben ist der dritte Nachtrag zur Bibliotheca 
Hassiaca von Realschuldirektor Dr. Karl Acker- 
ntstttn in Kassel erschienen Die vorliegende Zu 
sammenstellung schließt sich unmittelbar an den vor 
zwei Jahren herausgegebenen zweiten Nachtrag zur 
Bibliotheca Hassiaca an. Sie enthält, vereinzelte 
früher übersehene Werke und Aufsätze abgerechnet, 
die in den Jahren 1889 und 1890 erschienene 
landeskundliche Literatur über unser Hessenland, und 
zeigt, daß sowohl größere Arbeiten zur Landeskunde 
unserer Heimath, wie insbesondere dieser gewidmete 
Einzelarbeiten nicht an Zahl und ebensowenig an 
Werth sich vermindert haben. Daß auch dieser 
Nachtrag mit außerordentlichem Fleiße und großer 
Sachkenntniß ausgearbeitet ist, brauchen wir wohl
	        

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