Full text: Hessenland (5.1891)

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zumal er hierdurch erst recht den Verdacht der Autor 
schaft vermied. 
Auch die Angabe Höflings, daß seine Freunde 
sein Gedicht in der „Didaskalia" hätten abdrucken 
lassen, während es hier nicht, sondern im „Frei 
müthigen" abgedruckt wurde, hat aus denselben 
Gründen nichts Befremdendes, um so weniger, weil 
er den Druck nicht selbst besorgt hat. Alle, die 
Schüler eines Gymnasiums gewesen sind, werden mir 
zustimmen, daß sie selbst, wenn sie als Primaner- 
etwas der Art hätten veröffentlichen wollen, sie gewiß 
auch die Vorsicht gebraucht hätten, das Lied lieber 
zunächst in einem weniger bekannten und an einem 
entfernten Orte erscheinenden Blatte veröffentlichen 
zu lassen. 
Die meisten älteren studierten Herren, welche über 
eine so vieljährige Erfahrung zu verfügen haben, die 
werden, das ist meine feste Ueberzeugung, sich mit 
mir einverstanden erklären, daß die falschen Angaben 
Höfling's recht wohl die Folge von Gedächtnißfehlern 
sein können. 
Um noch einmal kurz zusammen zu fassen, worauf 
es bei der vorliegenden Frage ankommt — Höfling 
hat aus seiner Erinnerung 1877 erklärt, er habe 
das fragliche Gedicht als Maulesel, also 1826 , ge 
macht, dasselbe sei nicht von ihm, sondern durch 
Freunde damals veröffentlicht worden, und zwar in 
der „Didaskalia". 
Dr. Erman hat nun entdeckt, daß das Gedicht 
schon 1825 gedruckt war, und zwar im „Freimüthigen", 
und schließt daraus, daß Höfling das Gedicht nicht 
gemacht, daß er sich dagegen die Autorschaft wider 
rechtlich angemaßt habe. 
Darauf erwidern wir: Bis jetzt ist es Keinem 
eingefallen, daran zu zweifeln, daß Höfling das 
Gedicht 1826 habe machen können; Jeder, der 
Höfling gekannt hat, würde auch vor der Entdeckung 
Dr. Erman's daran nicht gezweifelt haben, daß 
Höfling 1825 schon im Stande gewesen ist, ein 
solches Lied zu dichten. 
Das Erscheinen im „Freimüthigen" beweist aber 
geradezu, daß das Gedicht zu einer Zeit gemacht 
worden ist, wo der Verfasser seinen Namen noch 
nicht veröffentlichen duifte. 
Selbst die, welche Höfling gar nicht gekannt haben, 
müssen zugeben, daß es wohl undenkbar ist, daß 
Jemand es wagen sollte, sich als Verfasser eines 
ihm unbekannten Liedes zu bezeichnen, da jeden Tag 
der eigentliche Dichter, oder solche, die den Dichter 
kannten, mit vernichtenden Zeugnissen gegen ihn auf 
treten konnten. — 
Aber der durchaus ehrenhafte Charakter Höfling's, 
die allbekannte Anspruchslosigkeit des alten Herrn 
schließen jeden Verdacht aus, er habe sich eine Autor 
schaft angemaßt, auf die er kein Recht t>citre. 
Wollen wir schließlich das Zeugniß derer, die 
Höfling auch nur einigermaßen gekannt haben, an 
rufen, so würde es ein Leichtes sein, von Allen durch 
Unterschrift Folgendes bekräftigen zu lassen: 
1. Höfling ist 1625 fähig gewesen, das Lied 
„O alte Burschenherrlichkeit" zu verfassen, 
2. Höfling ist nicht fähig gewesen, eine so ehr 
lose Handlung zu begehen, wie sie ihm von 
Dr. Erman vorgeworfen wird. 
Daher wollen wir, die Bewohner von Eschwege, 
welche den Mann in seinem wahren, bescheidenen 
Wesen gekannt haben und viele Jahre mit ihm zu 
sammen leben durften, seine Ehre nicht antasten lassen 
und werden treue Hüter sein des Ehrenschildes an 
seinem Sterbehaus. 
Eschwege, den 12. Februar 189!. 
Dr. W ilhelm Brill." 
II. 
„Die ersten kurzen Ferien meiner Studienzeit hatte 
ich in der Familie meines Freundes Franz Lieblein 
zu Fulda zugebracht. Es war das in der Christ 
woche 1825. Zu dieser Zeit trafen wir eines Tages 
bei einem alten Schulkameraden, dem Sohne des 
Musiklehrers Namens „Andres"*), der sich der Musik 
gewidmet hatte, mit Eugen Höfling und Weinzierl, 
dem späteren Landtags-Abgeordneten und Stadt 
schreiber von Fulda, zusammen, die beide erst vor 
Kurzem von einer längeren Wanderung durch Deutsch 
land zurückgekehrt waren. Höfling hatte damals 
„Andres" gebeten, ihm zu einem von ihm verfaßten 
Gedicht eine Melodie zu komponiren. Das Gedicht 
wurde vorgelesen. Es war das Lied „O alte 
Burschenherrlichkeit". Mein Freund Franz Lieblein, 
der selbst nicht unbedeutendes Talent zum Dichten 
besaß und schon als Schüler mit der Redaktion des 
„Frankfurter Journals" in Verbindung stand, hatte 
damals eine Abschrift von dem Lied genommen und 
dasselbe im Jahre 1826 in der „Didaskalia" ver 
öffentlicht. Viele Jahre nachher traf ich mit Höf 
ling wieder in Eschwege zusammen, wo er Arzt und 
Physikus und ich Landrath war; auch zu dieser Zeit 
war mitunter noch die Rede von dem Lied. 
Kassel, im März 1891. 
C. F. von Stiernberg, 
vormals Kurhessischer Ministerial-Vorstand und Geh. 
Regierungsrath." 
Eugen Höfling war Marburger Burschenschafter. 
Seltsam, Korpsburschen stiften dem Dichter des 
Liedes „O alte Burschenherrlichkeit", dem alten 
Burschenschafter, eine Gedenktafel. Ein burschen- 
schaftliches Blatt versucht es, dem alten Bundes 
genossen den Lorbeer von dem Haupt zu reißen, ein 
Korpsbursche, der ehemalige Marburger Teutone 
Dr. W. Brill übernimmt die Vertheidigung der Ehre 
*) Es ist damit der im April 1871 zu Fulda verstorbene 
Semmarlehrer Dr. Georg Andreas Henkel, bekannt als 
ausgezeichneter Musiker und Komponist, gemeint.
	        

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