Full text: Hessenland (5.1891)

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Vater war Bürgermeister dieser Stadt. Als sein 
Geburtstag wird der I. März 1610 angegeben. 
Schon mit 15 Jahren bezog Johann Balthasar- 
Schupp die Universität Marburg; von einer längeren 
Reise nach dem Norden Deutschlands, nach Livland, 
Polen, Kopenhagen rc., von der er sich rühmte, daß 
er 250 Meilen zu Fuß bis nach Königsberg zurück 
gelegt habe, kehrte er 1631 nach Gießen zurück. 
Kaum 21 jährig, erwarb sich Schupp in Marburg 
die Magisterwürde mit dem Rechte, Vorlesungen 
halten zu dürfen. Wie gewaltig diese Ehre den 
Graduirten zu Kopfe zu steigen pflegte, schildert er 
in der Geschichte seiner vierfachen Hochmuthsanfälle 
ungemein drastisch. Von 1635 bis 1646 war Johann 
Balthasar Schupp Professor der Geschichte und Beredt- 
samkeit in Marburg, später Hofprediger in Braubach, 
in welcher Eigenschaft er bei dem Westfälischen Friedens- 
schlusie die feierliche Friedenspredigt in Münster hielt, 
und zuletzt Hauptpastor in Hamburg, wo er am 
26. Oktober 1661 starb. Er hat 47 Schriften 
hinterlassen, die zum Theil erst von seinen Söhnen 
in Druck gegeben worden sind. Vilmar schreibt in 
seiner „Geschichte deutschen National-Literatur" über 
ihn: „Dieser thätige, lebhafte und launige Mann 
war ein erklärter Gegner der Opitzischen Poesie, und 
nachgerade auch ein Gegner der ganzen beschwerlichen 
und unnützen Schulweisheit seiner Zeit. Seine 
Schriften sind voll Humors und Witzes, in einem 
natürlichen lebendigen Stile, der von der geschraubten 
Prosa seiner Zeit auf unglaubliche Weise absticht, 
voll launiger Treuherzigkeit und treuherziger Laune, 
voll Anschaulichkeit und voll der glücklichsten Griffe aus 
dem wirklichen Leben — unter denen die des 17. Jahr 
hunderts weit zu den besten zu zählen, wenn sie nicht 
wirklich die besten sind. Ebenso waren auch seine 
Predigten, frei von der steifen Gelahrtheit aller seiner 
damaligen Kollegen im evangelischen Deutschland, volks 
mäßig, treffend, zuweilen derb, aber höchst eindringlich 
und mitunter ergreifend; eine davon, eine der damals 
üblichen Neujahrsgratulationen, hat so viel treffliche 
Züge, daß sie, von dem der damaligen Sitte An 
gehörigen abgesehen, noch heute als ein Muster der 
Volksberedtsamkeit gelten muß. Gerade diese Predigten 
aber erregten den Haß, wahrscheinlich zunächst den 
Neid seiner Hamburger Kollegen, und es entspannen 
sich hitzige Streitigkeiten, denen wir eben die meisten 
seiner humoristischen und satirischen Schriften zu 
danken haben". In der zweiten Hälfte des 17. Jahr 
hunderts und in der ersten des 18. wurden Schupp's 
Schriften förmlich verschlungen/^Einzelne von ihnen 
erlangten an 100 Auflagen, bis sich gegen Ende des 
vorigen Jahrhunderts ein Umschwung vollzog und 
Schupp fast völlig vergessen wurde. Erst dem be 
kannten Literarhistoriker I. H. F. Wachter, s. Z. 
Profesior in Marburg, gebührt das Verdienst, in 
seinen „Vorlesungen über die Geschichte der deutschen 
National-Literatur" (1819) Johann Balthasar Schupp 
wieder in das Andenken der Zeitgenossen zurück 
gerufen zu haben; und heute liegt eine große Anzahl 
von Schriften über ihn vor, von denen wir nur 
diejenigen des Hessen A. Vial (Mainz 1857), von 
E. Oelze (Braunschweig 1662), K. E. Bloch (Berlin 
1863) und Th. Bischof (Nürnberg 1890) anführen 
wollen. Wir behalten uns vor, bei anderer Gelegen 
heit ausführlicher auf Johann Balthasar Schupp und 
seine Schriften zurückzukommen. K. Z. 
Schöneberg. Zu den Kolonieen, welche in der 
zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts die um ihres 
Glaubens Willen aus Frankreich entflohenen Pro 
testanten (Hugenotten) unter dem Landgrafen Karl 
in Hessen angelegt haben, gehört auch der am Fuße 
des Schöneberg (Sconenberg) im Kreise Hofgeismar 
gelegene Ort gleichen Namens. Die darauf bezüg 
liche Zuschrift in der Kirche, welche sich in der 
Mitte des Ortes an der denselben durchziehenden 
Landstraße befindet, und zwar gerade Uber der Kirch- 
thür lautet, folgender Maßen: 
C'est icy le teraple de Dieu. Chretiens 
venez dans ce saint lieu avec araour, respect 
et crainte. L’adorez dedans sa maison 
sainte. 
Par les liberalites et sous le regne du 
magnamine prince Charles I L. Z. H. les 
habitants de Schöneberg ont fait eleve ce 
temple ä la gloire de Dieu le 14 Sep- 
terabre 1705. 
Demnach war die Kolonie im Jahre 1705 ge 
gründet worden und führte von Anfang an den 
Namen Schöneberg. 
Die Inschrift widerlegt die Angabe von Engel 
hard , Erdbeschreibung der Hessischen Lande (Kassel 
1778) Th. I, S. 352, wonach dieser Ort gleich 
zeitig mit Kelse, zwischen Grebenstein und Hofgeis 
mar, nemlich 1700 angelegt und ursprünglich 
Friedrichsdorf genannt worden sei. 
Diese Benennung wäre dann zu Ehren des 
Sohnes des Landgrafen Karl, des späteren Land 
grafen und Schwedenkönigs Friedrich I. geschehen, 
während das ebenfalls in der Nähe von Hofgeismar 
westlich davon gelegene Friedrichsdorf im Jahre 1775 
unter dem Landgrafen Friedrich II. angelegt worden, 
welcher außerdem noch mehrere nach ihm benannte 
Ortschaften gegründet und mit aus anderen Landes 
theilen sich angebenden Unterthanen bevölkert hat, um 
die durch den siebenjährigen Krieg verwüsteten 
Gegenden wieder urbar zu machen: vgl. Engelhard 
a. O., S. 33 fg., Wigand, Erdbeschreibung (Kassel, 
1825) S. 41. W.
	        

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