Full text: Hessenland (5.1891)

4 
Autliore sind, solche will Demselben hier münd- | 
lich sogen und Freese ist diesfalls ziemlich einer 
Meynnng mit mir. Wann es nicht ein wenig . 
unbescheiden aussehe; To bäthe Ihn, ob Er mir 
selbiges vor den ausgelegten Preis; überlassen 
wolle. Eine Gefälligkeit würde mir aber da- i 
durch wicderfahreu, welche gegen meinen lieben ! 
Hiiekel allezeit mit Vergnügen erwiedern werde. 
Ich hoffe Ihn inmittelst bald selbst hier zu sehen 
und erwarte solches mit Verlangen, wie allezeit ! 
aufrichtigst und beständig verharrend rc. 
Aus dem gleichzeitigen Schreiben Höckels ist 
nur zu bemerken, dost er den Namen des Meisters ; 
von dem Küchcustück ermittelt hat, als Irrend! 
von Es, und das; er „umb das; der Postwagen . 
zu künftigen Montag nicht leer fahren soll" ein j 
kleines Gemälde von Raphael und einen alten 
Kupferstich schicken will, worüber mir ein ' 
Gnädiges Gutachten ansbitte, ob das Kupfer I 
nach dem Gemählde, oder das Gemählde nach | 
dem Kupfer gemacht, oder ob Keines von beyden j 
sey." Am 6. Februar wiederholte Häckel nochmals I 
seine Bitte um ein Gutachten über den sog. 
Raphael und erklärte seine Bereitwilligkeit dem 
Landgrafen den Gon/.ales zu überlassen mit 
folgenden Worten: „Das; der Gonsales Ew. 
Hvchsürstl. Durchl. werde gefallen, daran habe 
ich nicht gezweisfclt, und ist er von Hcrhen zu 
Diensten, ich habe zehen Jahr darumb gebuhlet, 
und zu der Zeit dreymahl soviel davor gebohten, 
als ich jetzund davor gegeben; die Wurm- 
schneider haben gesagt, es wäre von einem 
anderen Meister, es ist aber gautz gewiß von 
ihm, ich habe vier Stück davon gesehen, das 
eine in Wien, das andere in Brabant, das 
dritte, so Ew Durchlaucht haben, und das vierte 
habe ich »och, und werden Ew. Hvchsürstl. 
Durchl. sich solches nicht mehr erinnern. Der 
Raphael ist mit der gestrigen Post abgereiset 
und wird wohl mit diesem Brief zugleich an 
kommen, ich bitte mir Ew. Hvchsürstl. Durchl. 
Gnädigste Meinung darüber aus." 
(Schluß folgt.) 
ikolaus Wach. 
(Ein «Erinnerung-Mall von F. Jw enger. 
Zu Anfang der dreißiger Jahre bestanden in 
Kurhessen als Vorbereituugsanstalteu für die 
Universität sechs Gelehrtcnschnlen: das Gym 
nasium zu Rinteln, das Lyceum Fridericianum 
zu Kassel, das Pädagogium zu Marburg, das 
Gymnasium zu Hersfcld, das Lyceum und Gym 
nasium zu Fulda und das Gymnasium zu Hanau. 
Keine dieser Studienanstalten, mit Ausnahme 
des Gymnasiums zu Rinteln, genügte den An 
forderungen der Zeit; die Unterrichtsmethode 
auf denselben, namentlich in den alten Sprachen 
war veraltet, die Disziplin eine schlaffe. Die 
Reorganisation dieser Gclehrtcnschulcu war ein 
Akt der Nothwendigkeit. Dieser Ansicht verschloß 
sich denn auch die Staatsregierung im Einver 
ständnisse mit der Ständekammer nicht im ge 
ringsten, und der Minister Hassenpslug, der da 
bei wohl seine Nebenabsichten gehabt haben mag, 
führte die Umbildung der höheren Schulen rasch 
und mit Energie durch. Der Anfang der Re 
organisation wurde 1832 mit dem Gymnasium 
zu Hersseld gemacht, dann folgten 1833 die 
Studienanstalten zu Marburg und Hanau, 1835 
die zu Kassel und Fulda ; das Gymnasium zu 
Rinteln wurde 1833 erweitert. 
In Fulda hatte der Prinz von Dramen im 
Jahre 1804 an stelle der 1734 vom Fürstabte Adolf 
von Dalberg gestifteten Universität ein gut dotirtes 
akademisches Lyceum errichtet, mit welchem ein Gym 
nasium von drei Klassen und eine Vorbereitungs 
schule verbunden waren. In den drei Jahr 
gängen des Lyceums wurden Philosophie, alte 
Sprachen, deutsche Sprache und Literatur, Ge 
schichte, Mathematik und Naturwissenschaften ge 
lehrt; das Gymnasium entsprach so ziemlich den 
Lateinschulen, wie sie früher im Königreiche 
Bayern bestanden. Der hauptsächlichste Gegen 
stand des Unterrichts am Lyceum wie am Gym 
nasium war die lateinische Sprache, und in dieser 
zeichneten sich denn auch die Schüler dieser Anstalten 
ans; die übrigen Zweige der Wissenschaft wurden 
mehr oder minder vernachlässigt und au ein er 
folgreiches Studium der Philosophie war bei der 
Jugend der Lyceisten selbstverständlich kaum zu 
denken. Im Allgemeinen spitzte sich die Unter- 
richtswcise aus die Dialektik zu, und in der That 
hat jene Schule ebenso tüchtige Lateiner wie 
allzeit schlagfertige Disputanten großgezogen. 
Im Sommerscmestcr 1835 wurden der Gym 
nasialdirektor Vilmar und dessen Schwager Dr. 
Schmitz in Marburg beauftragt, die Reorgani 
sation der Studienanstaltcn in Fulda einzuleiten. 
Beide kamen nach Fulda, wohnten dem Unter 
richte in den einzelnen Fächern bei und trafen 
hiernach ihre Maßnahmen. Er. Schmitz, früher 
Privatdozent in Löwen, wurde von Marburg
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.