Full text: Hessenland (5.1891)

Neuhof, Fulda mit der Stadt dieses Namens, 
Johannesberg, Großenlüder, Burghaun, 
Hünfeld, Eiterfeld, Haselstein und Bieber 
stein (letzteren mit Ausnahme der nach der 
Wiener Kongreß-Akte zur Disposition Sr. 
Majestät des Kaisers von Oesterreich ver 
bleibenden Ortschaften) 
mit allen Landeshoheits-, Oberherrlichkeits-, 
Lehens-, Domanial- und anderen Rechten in 
Besitz zu nehmen, auch von den ritterschaftlichen 
Gerichten Lengsfeld, Mansbach, Buchenau und 
Wehrda, nebst dem Dorfe Wenigentaft, den durch 
kriegerische Ereignisse verlorenen Besitz wieder zu 
ergreifen, und im Einverständniß mit den hohen 
alliirten Mächten diese sämmtliche vorgenannte 
Bezirke und Ortschaften unter dem Titel und 
Namen des 
Großherzogthums Fulda 
mit Unseren Staaten zu vereinigen. 
Indem Wir dieses hiermit thun, versehen Wir 
Uns zu sämmtlichen Einwohnern erwähnten Groß 
herzogthums, insbesondere der Geistlichkeit, Ritter 
schaft, dem Bürger- und Bauernstände, Lehn 
leuten, Einsassen und überhaupt einem jeden, 
wes Standes und Würden er sein möge, daß er 
die ihm nun gegen Uns, als seinem Landesherrn, 
obliegenden Pflichten willig übernehmen und 
solche getreulich erfüllen werde. 
Wir werden dagegen sie sämmtlich in Unseren 
Schutz zu nehmen und ihnen Unsere landes 
väterliche Vorsorge und Gnade eben so, wie 
Unseren übrigen Unterthanen, angedeihen zu 
lassen nicht anstehen. 
Urkundlich Unserer allerhöchsteigenhändigen 
Unterschrift und beigedruckten Kurfürstlichen 
Siegels. 
So geschehen zu Kassel, den5.Februar 1816. 
Wilhelm, Kurfürst. 
Bewohner des Großherzogthums Fulda! 
Durch das von Mir vollzogene Patent habe 
Ich Euch mit Meinen Unterthanen, Euren Nach 
barn, vereinigt. Es ist dieses in Folge der 
jenigen Uebereinkunft geschehen, welche ich zur 
Beförderung der nach den Wiener Kongreß- 
Verhandlungen nöthig geschienenen Territorial- 
Ausgleichungen im nördlichen Deutschland mit 
Seiner Königlichen Majestät von Preußen ge 
schlossen habe. 
Ich habe darnach von mehreren Meiner ge 
liebten Unterthanen Mich trennen und dadurch 
höheren Staats-Zwecken ein Opfer bringen müssen, 
welches Meinem Herzen wehe thut, und Mir nur 
dadurch erleichtert wird, daß Ich in Eurer 
Anhänglichkeit, Eurer Treue, Eurer Unterthanen- 
licbe Ersatz dafür zu finden hoffe; eine Hoffnung, 
welche Ihr gewiß nicht unerfüllt lassen werdet! 
Niedergebeugt durch die mit anhaltenden 
Kriegen stets verbundenen Lasten, sehntet Ihr 
Euch schon lange nach einem anderen besseren 
Zustande. Die Wunden, welche die letztverflossenen 
Jahre Euch schlugen, sind zwar zu tief, um als 
baldiger Heilung fähig zu sein; doch unter des 
Allmächtigen Beistand wird es Meine stete Sorge 
sein, mit der wieder eintretenden allgemeinen 
Ruhe auch in Eure Hütten Frieden und häus 
lichen Wohlstand zurückzuführen, und es wird 
Mir die süßeste Beruhigung gewähren, zu sehen, 
wie Ihr vereint mit Meinen treuen Hessen, 
künftighin einen in sich selbst befestigten wohl 
geordneten Staat bilden werdet! 
Eure Religion, Eure kirchlichen und Schul 
anstalten, reinchristliche Denkungs- und Hand 
lungs-Art auch unter Euch zu schützen und zu 
pflegen, die unparteiischste Gerechtigkeit auch bei 
Euch vorwalten zu lassen, Eurem Fleiß und 
Eurer Industrie Hilfs-Quellen zu eröffnen, wird 
mein ernstliches Bemühen sein. 
Mögen Eure Söhne, in die Reihen Meiner 
braven Truppen tretend, eben so sehr zur Er 
haltung der inneren Ruhe, als, im Falle neuer 
Gefahr, zu des Vaterlands Rettung beitragen; 
mögen sie sich würdig zeigen, den bewährten 
Kriegs-Ruhm der Hessen zu theilen! 
Ein Sinn belebe alle, die von nun an den 
Namen Hessen führen, und mit frohem Gefühle 
erinnere einst noch der späte Enkel sich dieser 
glücklichen Vereinigung! 
Kassel, den 31. Januar 1816. 
Wilhelm, Kurfürst. 
Die Besitznahme des nunmehrigen Groß 
herzogthums Fulda für Kurhessen erfolgte am 
5. Februar 1816 durch den kurhessischen Kom- 
missarius, den Oberappellationsgerichts-Präsiden- 
ten Ferdinand von Schenk zu Schweins 
berg. Fulda kannte diesen Mann aus der 
oranischen Zeit. Er war, zum Geheimrath des 
Prinzen von Oranien gehörig, auch nachdem sein 
Fürst in der preußischen Armee gegen Napoleon 
ein Kommando geführt hatte, in Fulda zurück 
geblieben, von den einrückenden Franzosen fest 
genommen und nach Mainz gebracht worden. 
Dem Herrn von Schenk stand als zweiter Kom- 
missarius der Geheime Kammerrath Friedrich 
Heinrich Karl Fulda zur Seite. — Beide 
hohe Beamten erregten Vertrauen und in der 
That haben sie dasselbe auch gerechtfertigt, indem 
sie alles thaten, um den Uebergang zu der neuen 
Herrschaft der Bevölkerung Fuldas zu erleichtern. 
Weniger war dies freilich mit den hessischen 
Beamten geringeren Grades der Fall, welche sich 
in die Fuldaer Verhältnisse nicht zu schicken 
wußten und nur zu häufig durch ihre rücksichts 
lose Derbheit verletzten.
	        

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