Full text: Hessenland (5.1891)

Von F. Swenger. 
Keiner der kleineren Staaten Deutschlands 
hatte zu Anfang dieses Jahrhunderts so viele 
Wandelungen zu bestehen, als das Fürstenthum 
Fulda. Innerhalb dreizehn Jahren war es einein 
sechsmaligen Regierungswechsel ausgesetzt. Nach 
dem 1802 das altehrwürdige Hochstift Fulda 
säkularisirt worden war, erhielt es den Erb 
prinzen Wilhelm Friedrich von Oranien-Nassau 
zum Landesherrn. Nach der Schlacht von Jena 
(14. Oktober 1806) kam es unter französisches 
Gouvernement, am 1. Mai 1810 wurde es als 
ein Bestandtheil dem Grvßherzogthum Frankfurt 
zugetheilt. Die Schlacht von Leipzig machte dem 
letzteren ein Ende. Das Departement Fulda 
wurde von den alliirteu Mächten als erobertes 
Land angesehen, und seine einstweilige Verwaltung 
wurde am 6. November 1813 dem k. k. öster 
reichischen Generalgouvernement zu Frankfurt 
übertragen. In Folge des Artikels 40 der Be 
stimmungen des Wiener Kongresses erfolgte dann 
die Uebergabe des Departements Fulda au 
Preußen am 27. Juli 1815. Dieselbe wurde 
durch den k. k. österreichischen bevollmächtigten 
Minister Freiherrn von Hügel und durch den 
königl. preußischen Geheimen Regierungsrath 
von Motz vollzogen. Das Protokoll wurde im 
Schlosse zu Fulda unterzeichnet. 
Die damalige Herrschaft Preußens über das 
Fürstenthum Fulda sollte uicht lange dauern. 
Schon am 16. Oktober 1815 wurde zwischen 
Preußen und Kurhessen ein Vertrag abgeschlossen, 
der die Abtretung des Fürstenthums Fulda an 
Kurhessen bezweckte. Preußen war bei den Unter 
handlungen durch den Präsidenten Konrad Sig 
mund von Haenlein, Kurhessen durch den Geheimen 
Regierungsrath George Ferdinand von Lepel 
vertreten. Dem Kurfürstenthum Hessen wurde 
das Fürstenthum Fulda mit Ausnahme der Be 
zirke Dermbach und Geisa, welche an das Groß 
herzogthum Sachsen-Weimar fallen sollten, zu 
gesprochen. Ferner sollten dem Kurfürsten von 
Hessen die ritterschaftlichen Gerichte Lengsfeld, 
Mansbach, Buchenau und Wehrda übergeben 
werden. Dagegen trat der Kurfürst von Hessen 
an Preußen die niedere Grafschaft Katzenelln- 
bogen. die Herrschaft Plesse, das Kloster Höckel- 
! heim, die Aemter Ncucngleichcn, Uchte, Auburg, 
Freudenberg und die Propstei Gollingen, welche 
nachher, mit Ausnahme der niederen Grafschaft 
Katzenellnbogen, an Hannover übergingen, an 
das Großherzogthum Sachsen-Weimar die Stadt 
Vacha mit den Aemtern Frauensee. Völkershausen 
und Lengsfeld nebst einem Theile der Vogtei 
Kreutzberg und des Amtes Friedewald ab. Durch 
das Fuldaer Protokoll vom 7. Februar 1816 
wurde dem Kurfürstenthnm Hessen auch das Amt 
Salmünster mit Uerzell, Sannerz und dem 
Huttcn'schen Grunde zugesprochen, wogegen das 
Amt Weyhers mit Ausnahme der Dörfer Melters 
und Hattenroth an Oesterreich abgetreten wurde, 
um von diesem an das Königreich Bayern über 
geben zu werden. 
Preußen führte die Regierung über das Fürsten 
thum Fulda bis zu Ende Januar 1816 fort. 
Die neuen Erwerbungen vereinigte der Kur 
fürst von Hessen unter dem Namen eines 
Großherzogthums Fulda mit seinen 
übrigen Staaten. Am 31. Januar 1816 erließ 
derselbe eine Proklamation au die Be 
wohner des Großherzvgthums Fulda, welcher 
am 5. Februar das Uebernahmepatcnt desselben 
folgte. Diese Aktenstücke lauten: 
Von Gottes Gnaden Wir Wilhelm der Erste, 
Kurfürst und souvcrainer Landgraf von 
Hessen, Großherzog von Fulda, Fürst zu 
Hersfeld, Hanau und Fritzlar, Graf zu 
Katzenellnbogen, Dietz, Ziegcnhain, Nidda 
und Schaumburg rc. rc. 
Urkunden und bekennen hiermit, das Wir in 
Folge der Verhandlungen des Kongresses zu 
Wien, behufs der nöthig befundenen Aus 
gleichungen im nördlichen Deutschland, mit Sr. 
Königl. Majestät von Preußen übereingekommen 
sind, verschiedene der von Uns bisher besessenen 
Ländertheile abzutreten, und als Entschädigung 
dafür denjenigen Theil des vormaligen Departe 
ments Fulda, welcher des Königs von Preußen 
Majestät durch die Wiener Kongreß-Akte über 
wiesen worden ist, mit Ausnahme der Bezirke 
Dermbach und Geisa, mithin namentlich folgende 
Bezirke:
	        

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