Full text: Hessenland (5.1891)

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Sichern (sic!) — Aö. Dni. M.D.C.XL1II. 
Aber auch hier ist augenscheinlich die ursprüng 
liche Schlußziffer II in III verändert, und wir 
haben mithin einen der ersten Abdrücke aus 
dem Jahre 1642, dem Jahre der Erfindung, 
vor uns. Diese veränderte Jahrzahl hat zur 
Folge gehabt, daß in vielen gedruckten 
Nachrichten die Erfindung dieser sogenannten 
Schwarz- oder Schab-Kunst in das Jahr 
1643 irrthümlich verlegt wird, während der 
vorgedachte Originalbrief des Erfinders vom 
19./29. August 1642 das Jahr der Erfindung 
auf das Bestimmteste darthut. Ebenso sicher ist 
damit erwiesen, daß Ludwig von Siegen der 
wirkliche Erfinder war, und daß der zuweilen 
als solcher genannte Prinz Robert von der! 
Pfalz die bei Siegen erlernte Kunst nur zu > 
größerer Vollkommenheit brachte'). — Der 
Ausübung dieser Kunst, welche die Italiener 
Mezzotinto nennen, sind nach Siegen besonders 
die Gebrüder Vaillant gefolgt; in Holland 4 ) 
und England wurde sie sehr gepflegt. Graf 
Leon von Laborde hat ihr während seines 
längeren Aufenthaltes zu Kassel als Gesandt 
schaftsattache eine besondere Schrift gewidmet 
unter dem Titel: Histoire cke la Gravüre en 
maniere noire, pur Leon comte de Laborde, 
Paris 1839, und derselben außer verschiedenen 
Abbildungen auch den erwähnten Originalbrief 
Siegens in der Kasseler Bibliothek in chemisch 
hergestelltem Abdruck beigegeben. Von Siegens 
Portrait der L. Amelie Elisabeth hat man ver 
schiedene kleinere Nachstiche. 
*) Man sehe den Gothaischen Hoskalenber für das 
Jahr 1781, S. 110. 
*) Hier besonders Blodeling, von Gohle und P.Schenck. 
Ein Portrait des L. v. Siegen selbst, 1644 
von R. A. Persyn nach dem Leben gezeichnet 
und in Kupfer gestochen und mit der Devise: 
8nnt artibus arma decori versehen, führt die 
aus damaliger Zeit herrührende Unterschrift in 
vergilbter Tinte: „L. von Siegen, Ein 
Heßischer Obrist Lieutenant d. Erfinder der 
sogenannten Schwartz-Kunst in Kupfer zu 
arbeiten." Dieses Blatt wird nach neueren 
Ermittelungen für ein unicum gehalten und 
befindet sich gegenwärtig in der Großherzogl. 
Hess. Museumsbibliothek zu Darmstadt. 
Schließlich gedenke ich einer in Leipzig und 
Wien 1771 erschienenen Schrift: .Idee generale 
d'une Collection complette d’Estampes avec 
une Dissertation sur l’origine de la gravure 
et sur les premiers Livres d’Image“, in 
welcher S. 208 folgende Stelle vorkommt: Ce 
n'est pas le Prince Robert, qui ait invente 
la maniere noire, comme Vertue et quelques 
autres Auteurs l’avancent. Ce füt le Lieutenant- 
Colonel de Siegen au Service du Landgrave 
de Hesse, qui grava la premiere piece dans 
ce genre, et c’est le Portrait d’Amelie 
Elisabeth Landgrave de Hesse, execute en 
1643 (!). Le Prince Palatin Robert l’apprit 
de lui et l’apporta dans son second voyage 
avec le Roi Charles II en Angleterre. 
Anmerkung: Das an dem mehrgedachten Original 
briefe befindliche, noch wohl erhaltene kleine Siegel in 
schwarzem Lack zeigt unter einem mit Büffelhörnern ge 
zierten Helm im Schilde zivei große von der linken Schild- 
seite in das Feld reichende Spitzen und hat oben herum 
zugleich die Anfangsbuchstaben des Namens I.. V. 8. 
Etwas abweichend beschrieben wird dies Wappen in 
vr. E. H. Kneschke's neuem allgemeinem deutschen 
Adels-Lexikon, Leipzig 1868, Band 8, S. 489. 
Mofessor Dr. 
Die Fulda er Gelehrtenschule kann sich rühmen, 
daß in ihr von Alters her, von jenen Zeiten 
an, in welchen noch das Trivium und Quadrivium 
herrschte, bis zur Gegenwart das Studium der 
Mathematik mit ganz besonderem Eifer und 
Erfolge betrieben wurde. Eine große Anzahl 
hervorragender Mathematiker sind aus ihr 
während ihres mehr denn elshundertjährigen 
Bestehens hervorgegangen, unter ihnen ein 
Athanasius Kircher, der größten Gelehrten Einer 
des 17. Jahrhunderts, gleich berühmt als Mathe 
matiker und Naturforscher, wie als Sprachkundiger 
und Archäologe. Und waren es nicht im vorigen 
Jahrhundert die gelehrten Benediktinermönche, 
die sich neben dem Studium der Philosophie und 
ilhelm Kies'!'. 
der Theologie mit Vorliebe der Mathematik und 
den Naturwissenschaften hingaben und als Lehrer 
dieser Wissenschaften Treffliches leisteten? Welchem 
Fuldaer sind die Namen Gotthard Siebert, Aegid 
Heller, Placidus Dickert, Burkard Schell unbe 
kannt? Diese Vorliebe für die exakten Wissen 
schaften scheint denn auch nach Aufhebung des 
Benediktinerkonventes zu Anfang dieses Jahr 
hundert als glückliche Erbschaft auf die neu ent 
standenen Gelehrtenschulen übergegangen zu sein. 
Auch an diesen Anstalten wirkten tüchtige 
Mathematik-Lehrer, keiner aber von denselben 
hat sich größere Verdienste erworben, als jener, 
man kann wohl sagen berühmte Mann, dessen 
irdische Hülle am 15. Februar zu Fulda unter
	        

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