Full text: Hessenland (5.1891)

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Km hessischer Maatsmann in Oesterreich. 
(Schluß.) 
Das Verhalten der offiziellen Kreise wurde 
noch weitaus übertroffen durch die Beleidigungen 
und Verdächtigungen, mit welchen Wiener 
und Budapester Blätter die öffentliche Meinung 
über den Charakter und das Wirken Coch's nach 
dessen Sturz, ja selbst nach dessen Tode irre zu 
führen suchten. Am Tage nach Coch's Tode, am 9. 
Januar 1890, hatte ein Pester Blatt die Kühnheit 
zu schreiben: „Coch weilte als Vertreter des Barons 
Hirsch in Konstantinopel. Früher war er ein 
ausgezeichneter Beamter in österreichischem Dienste, 
verlor aber seinen hervorragenden Posten, als er 
durch einen Skandalprozeß kompromittirt worden 
war." Das ist alles, was das Budapester Organ 
der österreichisch-ungarischen Hochfinanz über 
einen der verdientesten Männer der Monarchie 
zu schreiben wußte, während es sonst die 
modernen Börsenkönige, einschließlich ihrer unter 
geordnetsten Agenten, nach byzantinischer Art 
verherrlicht. Coch war niemals ein Vertreter 
des Baron Hirsch, er war niemals durch einen 
Skandalprozeß kompromittirt. das mögen ihm die 
Agenten der Hochfinanz allerdings gewünscht haben, 
und da Coch zu ihrem Aerger aus seiner Stellung 
als unantastbarer Ehrenmann schied, so versuchten ! 
sie es, den Todten, welcher sich nicht vertheidigen ! 
kann, mit ihren Verleumdungen zu verschütten. 
Einen befähigteren, charaktervolleren und 
pflichttreueren Diener als Coch hat Kaiser Franz 
Joseph nicht gehabt. Er bethätigte, was Sully ein 
mal gesagt: „Wer einen Fürsten beglücken will, 
muß dessen Unterthanen bereichern." Kaiser 
Franz Joseph hat denn auch die Verdienste Coch's 
wiederholt anerkannt und ihm am 3. Dezember 
1885 formell seine Anerkennung anssprechen 
lassen, nachdem er in einer Audienz zu demselben 
gesagt hatte, daß er sich um den Staat 
außerordentliche Verdienste erworben habe. Nach 
dem Sturze des Handelsministers Baron Pino 
hatte Coch Gelegenheit, sein Wirken und Streben 
in einer halbstündigen Audienz dem Kaiser 
darzulegen. Schließlich bat er den Kaiser um 
seine Entlassung, welche dieser indessen nicht 
bewilligte mit dem Bemerken, er werde persönlich 
die Sache untersuchen, Coch möge sich auf den 
Kaiser verlassen. 
In der neueren Geschichte Oesterreichs steht 
Coch als praktischer Staatswirth und Finanz 
politiker mit seiner Befähigung, mit seinem 
Charakter gleich erhaben da und nur wenige 
Männer dürften in Oesterreich zu finden sein, 
welche sich um die wirthschaftliche Wohlfahrt von 
Volk und Staat, ja selbst um die Wiederbelebung 
und Kräftigung des österreichischen Staatsgedan 
kens größere Verdienste erworben hätten, als der 
Schöpfer der österreichischen Postsparkassen. 
Geniale Männer haben, wenn sie ihrer Zeit 
vorauseilen, nur zu oft das traurige Geschick, 
bei ihren Zeitgenossen weder Anerkennung noch 
Verständniß zu finden. Coch selbst hat einmal 
in Bezug auf das, was ihm Oesterreich angethan, 
mit Diderot gesagt: „Die Dankbarkeit ist eine 
Bürde und jede Bürde ist dazu da, um ab 
geschüttelt zu werden" und weiter hat er das 
Wort Goethes hinzugefügt: „Der Undank ist 
immer eine Art Schwäche. Ich habe nie gesehen, 
daß tüchtige Menschen undankbar gewesen wären." 
Daraus schloß er: Oesterreich ist undankbar, 
weil cs schwach ist. 
Wer wäre berufener gewesen die Regelung 
der Währung in Oesterreich-Ungarn durch 
zuführen als Coch? Von hervorragenden Staats 
männern Oesterreichs lind Ungarns um sein 
sachverständiges Gutachten ersucht, hatte er sich 
im Stillen mit dieser schwierigsten und wichtigsten 
Frage der Habsburgischcn Monarchie beschäftigt. 
Der Uebergang zur Goldwährung würde den 
Ankauf einer Menge Goldes bedingen, was 
Europa Verlegenheiten, dem Handel Oesterreich- 
Ungarns aber theueres Geld schaffen müßte. 
Nach Coch's Gedanken würde durch eine Aus 
bildung des Clearingverkehres zunächst eine Ver 
ringerung der Umlaufsmittel anzubahnen sein. 
Jeder Schritt darüber bedingt bereits Maß 
nahmen von einer so weitgreifenden Wirkung, 
daß für dieses Werk die Thätigkeit einer 
Persönlichkeit nothwendig ist, welche umfassende 
Erfahrungen auf dem Gebiete des Welthandels 
und der Finanzverwaltung besitzt. So lange 
indessen in Wien wie in Budapest die sog. 
Hochfinanz über den Finanzministerien waltet, 
wird an eine ernste und zielbewußte Jnangriff-
	        

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