Full text: Hessenland (5.1891)

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Battaven, Battuaren,Soubattcn (Sigubatten, | 
d. i. Batten, welche an der Sieg wohnen), Kann ine- j 
säten, Chattuareu, Söiattiafcv, Hessen j 
u. s. w. — — — So besiedelten die Batten, ein > 
unzweifelhaft ch attischer Zweig, die Insel, ! 
welche von Rhein, Leck und Waal gebildet wird- — | 
— — Unkenntnis germanistischer Forschung spricht i 
sich hierin aus, so selbstbewnßt diese Worte klingen. j 
Bekanntlich wird gerade von sehr hervorragender 
Seite den Bataven verwandtschaftliche Beziehung zu 
den Chatten abgesprochen, ebenso den Kannenefaten, 
Chattuariern u. s. w. Auf S. 3 werden wir wieder 
sehr überrascht durch des Verf. bestimmte Angaben: 
„Den bedeutendsten Einfluß auf die fernere Ent 
wickelung des Chatteustammes hatte jedoch sein um 
die Mitte des 3. Jahrhunderts erfolgter Eintritt in 
den Bund der Franken.- Woher weiß dies Herr 
P. Müller so genau? Gerade wieder von sehr 
hervorragender Seite (Waitz, dem auch Heinrich 
Brunner folgt) wird angenommen, daß die Chatten 
sich dem Reiche Sigiberts angeschlossen hatten und 
erst mit diesem unter Chlodowechs Herrschaft gekommen 
sind. Unrichtig ist, was Verf. S. 6 sagt: „Der 
Pfahlgraben bestand aus einem oder mehreren Erd- 
wällen, hie und da durch einen Turm oder ein 
Kastell verstärkt". Der Pfahlgraben bestand (resp. 
besteht) nur aus einem Walle. Die Verstärkung 
durch noch einen oder zwei weitere Wälle ist eine 
mittelalterliche Zuthat, die der Limes erst später be 
kommen hat. S. 7 wird die alte Fabel von der 
Schlacht bei Zülpich 496 aufgewärmt. Völlig schief 
und unhaltbar sind wieder die ethnographischen Dar 
stellungen auf S. 7 — 8 : „Der Bund der Franken 
(Freien) umfaßte die Sigambern (sie?), Chatten, 
Chattuarier, Brukteren, Chamaven und Ampsivarier; 
die Hauptmacht des Bundes beruhte jedoch auf 
Sigambern, Ampsivariern und Chatten. — — Sie 
zerfallen in drei Unterstämme: die salischen oder 
Niederfranken, die ripu arischen, rheinischen oder 
Mittelfranken und die chattischen oder Oberfranken. 
Die Sigambern gelten als das Stammvolk der 
Niederfranken, die Ampsivarier der Mittelfranken 
und die Chatten der Obcrfranken." Daß der Name 
„Sugambern" bereits seit 8 v. Chr. als Volksname 
ohne jede konkrete Bedeutung ist, ist dem Verf. 
offenbar ganz unbekannt. Von der Existenz von 
Zeuß, Müllen ho ff, Rich. Schröder hat Herr 
P. Müller keine Ahnung. — 
S. 6 —10 wird uns mancherlei mehr oder weniger 
Wichtiges vom hl. Bonifatius erzählt. Notwendig 
wäre zweifellos vor allem hier die Angabe gewesen, 
daß wir 720 zum ersten Male dem Namen „Hess!" 
in einem Reiseberichte des hl. Bonifatius begegnen. 
S. 17—18 wird die Königswahl Konrads 11. breit 
und ausführlich beschrieben. Dagegen sind wir sehr 
überrascht, kein Wort am Ende dieses Abschnittes 
von den Geschicken Hessens und von seiner Teil 
nahme an den schweren Kämpfen Heinrichs IV. zu 
lesen. Bekanntlich bildete gerade Hessen wiederholt 
und längere Zeit den Kriegsschauplatz, so besonders 
in den Kümpfen gegen Otto von Nordheim; in mehr 
denn fünfzig Schlachten und Treffen bluteten die Hessen 
für den deutschen König. — 
Bei der Darstellung des 3. Abschnittes („Hessen 
unter den Landgrafen von Thüringen") vermissen 
wir die Forschungeu von Knochen Hauer; ebenso 
wenig hat der Verf. für die Darstellung des 
thüringisch-hessischen Erbfolgekriegs die Untersuchungen 
von Ilgen und Vogel berücksichtigt. Trotzdem 
vier Seilen auf Heinrich das Kind verwandt werden, 
finden wir eine empfindliche Lücke. Es ist nicht 
angegeben, daß derselbe 1292 von König Adolf von 
Nassau die dem Reiche übertragene Stadt Eschwege 
und das Neichsschloß Boyneburg zu Lehen empfing 
und hierdurch Re ichs für st wurde. Weiter vermissen 
wir sehr die Angabe von der feierlichen Erhebung 
von ganz Hessen zu einem unmittelbaren 
Reichs!ehen, zu einer unteilbaren Landgrafschaft 
und die Bestätigung der Erb Verbrüderung 
z w i s ch e n den Häusern Hessen und Sachsen 
; im Jahre 1373 durch Kaiser Karl IV. Auch von dem 
überaus wichtigen Ereignisse der Erbverbrüderung 
der Häuser Hessen, Sachsen und Branden 
burg im Jahre 1457 zu Naumburg an der Saale 
lesen wir kein Wort. Bekanntlich spielte im Zeitalter 
der Reformation diese Erbverbrüderung eine überaus 
wichtige Rolle. —- S. 33 wird uns wieder ein altes 
Märchen aufgetischt: „Schon frühe hatte er (Guten 
berg) Versuche gemacht, Buchstaben in Holz 
auszuschneiden, sie aneinander zu reihen und auf 
Pergament oder Holz mit Farbe abzudrucken. Als 
ihn ein Aufstand der Mainzer Bürger gegen die 
Vorrechte der Patrizier nötigte, mit seinen Eltern 
nach Straßburg auszuwandern, setzte er auch da die 
Versuche fort. Schon im Jahre 1438 war er mit 
diesen soweit gekommen,.daß er statt des Holzes Blei 
zum Ausschneiden der Buchstaben benutzte." — 
Vielfache Lücken zeigt die Geschichte Philipp's des 
Großmütigen. Es fehlen: Lehnsvertrag mit Schaum 
burg, ständige Einrichtung des Hofgerichts zu Marburg 
und Einführung der „Philippina-, Zug gegen Bam 
berg und Würzburg (1528), Schlacht bei Laufsen 
(1534), Abschluß der Konkordienformel (1536), Feld 
zug gegen Braunschweig (Schlacht bei Kahlfeld) 1545, 
Erbvertrag mit Henneberg (1554), Erbverbrüderung 
von 1555, Unterstützung der Hugenotten (Schlacht 
bei Dreux) 1562. Trotzdem der dreißigjährige Krieg 
ausführlicher behandelt wird, vermissen wir die An 
gabe der beiden Einfälle Christian's von Braunschweig 
in das hessische Gebiet 1621 und 1622 (bedeutendes 
Tressen bei Großen-Buseck am 20. Dezember 1621). 
Eigenartige Geschichtskenntnisse entwickelt der Verf. 
auf S. 51, wo er von „Tillys Sieg über Christian 
von Braunschweig und Ernst von Mansfeld bei
	        

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