Full text: Hessenland (5.1891)

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ihre Tochter, die Prinzessin Karoline, und ihr Sohn 
Friedrich Wilhelm, der letzte Kurfürst von Hessen, 
ihre Grabstätte.— »Fortleben wird noch bei späteren 
Geschlechtern das Andenken an die Würde und Hoheit 
ihrer Gesinnungen und in ihrem Leben, an jene hin 
gebungsvolle Mildthätigkeit, womit sie Trost und 
Hilfe zu bringen unablässig bemüht war, an jenes 
unbeschränkte Wohlwollen und die Liebe, womit Hoch- 
dieselbe alles Gute und Edle umfaßte, zu ermuntern 
und zu fördern strebtet So schloß der Oberbürger 
meister Schomburg den Nachruf, welchen er der Kur 
fürstin Auguste noch an deren Sterbetage in öffentlicher 
Sitzung der kurhessischen Ständekammer widmete. 
Und wer kennt nicht das Gedicht, das Goethe auf 
die Fürstin im Juli 1808 dichtete, als sie noch Kur- 
prinzessin war und gleichzeitig mit ihm in Karlsbad 
weilte, das mit den Worten beginnt: 
»Wohin Du trittst, wird uns verklärte Stunde, 
Dir leuchtet Klarheit frisch vom Angesicht, 
Vom Auge Gutheit, Lieblichkeit vom Munde, 
Aus Wolken dringt ein reines Himmelslicht." 
So viel für heute. A. Z. 
Die Ausführung des Grimm-Denkmals ist 
am 4. Februar durch das große Ko mite zu 
Hanau einstimmig dem Professor Eberle in 
München übertragen worden, nachdem der engere 
Ausschuß am Tage vorher mit dem anwesenden 
Künstler die Vertragsbestimmungen vereinbart hatte. 
Nach denselben übernimmt Prof. Eberle die Ausführung 
und Aufstellung auf dem Marktplatze zu Hanau. 
Das Denkmal ist, was die Hauptgruppe anlangt, 
nach dem bereits vorhandenen Entwurf Eberle's mit 
den Modifikationen anzufertigen, welche der technische 
Ausschuß angibt. Die Höhe der Hauptfiguren 
beträgt 3 — 3,20 Meter, und wird dazu die Sockel 
höhe in entsprechendem Verhältniß stehen, so daß 
das Denkmal auf ca. 7 Meter Höhe kommen wird. 
Das Konnte behält sich die Entscheidung vor, ob 
der Sockel lediglich aus glattem polirtem schwedischen 
Syenit mit Inschrift, oder aber mit entsprechenden 
architektonischen event, auch Bronce-Verzierungen her 
gestellt werden soll. Mit Steinsockel wird das 
Denkmal auf 80,000 Mark, mit Verzierungen auf 
05,000 Mark zu stehen kommen. Die Hauptgruppe 
wird aus Bronceguß bestehen und soll in 1 1 / 2 Jahr 
ein Hilfsmodell den Vertrauensmänner des technischen 
Ausschusses unterbreitet, ein Jahr später der Guß 
der Hauptgruppe vollendet sein. Bis zur Herstellung 
des Hilfsmodells hat das Konnte Zeit, sich für die 
einfachere oder kostspieligere Ausarbeitung des Sockels 
zu entscheiden. Das Denkmal würde dann in 3 l / 2 
Jahr fertig sein. Hanauer Ztg. 
Hessische Kücherschau. 
Geschichte von Hessen. Für hessische Schulen 
bearbeitet von P. Müller. Dritte, vermehrte 
und verbesserte Auflage. Gießen, Verlag von 
Emil Noth. 1889.*) 
Der Verf. vorstehender Schrift, die für höhere 
und niedere Schulen, wie auch für weitere Kreise 
bestimmt ist, hatte sich, wie er selbst sagt, »schon seit 
Jahren eingehend mit der Geschichte seines Stammes 
beschäftigt." Trotz dieser jahrelangen, eingehenden 
Beschäftigung des Verf. zeigt die Schrift vielfache 
Mängel und Lücken, die auf einer ungenügenden 
Sammlung und unkritischen Benutzung der vorhandenen 
Litteratur beruhen. Zweifelhafte und umstrittene Ver 
mutungen finden wir als sichere Thatsachen hingestellt; 
neben einzelnem von geringerer Wichtigkeit, das 
ausführlicher behandelt wird, bleibt manches ganz 
unerwähnt, das von ungleich größerer Bedeutung für 
die hessische Geschichte ist. 
S. 2 lesen wir: »Dafür (für die Teilnahme an 
der Schlacht im Teutoburger Walde) mußten sie (die 
Chatten) sieben Jahre später (16 n. Chr.) der 
letzteren Rache empfinden. Während Cäcina, ein 
Unterfeldherr, die Ehernster hinderte, ihren Bundes 
genossen beizustehen, überfiel Germanikus, des Drusus 
Sohn, die Chatten, verbrannte ihren Hauptort Mattium 
und nahm des Fürsten A r p u s Gemahlin und 
Tochter gefangen." Bereits im Jahre 15 n. Chr. 
hat Germanikus den Feldzug gegen die Chatten unter 
nommen, wobei er Mattium zerstörte. Darauf 
befreite er den belagerten Segestes und nahm des 
Arminius Gattin gefangen. Im folgenden 
Jahre erst nahm S i l i u s die Gattin und Tochter 
des Chattenfürsten Arpus gefangen (Tao. Ann. I, 
56 — 57; II, 7.). Einige Zeilen weiter lesen wir: 
»Im Jahre 44 unternahm der Statthalter Galba 
abermals einen Zug gegen die Chatten, wobei er den 
letzten Adler und eine Anzahl römischer Gefangenen, 
welche noch seit Varus' Niederlage in dem Besitz der 
Chatten geblieben waren, zurückbrachte". Hier sind 
die Feldzüge des Sulp. Galba, des P. Gabinius 
und des L. Pomponius durcheinander geworfen. Auch 
in chronologischer Hinsicht ist die Darstellung falsch. 
Die Züge des Galba und des Gabinius fallen in 
das Jahr 41, derjenige des Pomponius, wobei in 
der Varusschlacht gefangene Römer den Chatten wieder 
abgenommen wurden, in das Jahr 50 (I)io Oass. 
LX, 8; Tac. Ann. XII, 27). Ebenda lesen wir: 
»Die Chatten führen in der Geschichte nicht immer 
denselben Namen, werden vielmehr zu verschiedenen 
Zeiten mit verschiedenen Namen benannt, als Batten, 
- *) Außer dieser einfacheren Ausgabe hat die Verlags 
buchhandlung 1890 noch eine „Illustrierte Geschichte 
von Hessen" veröffentlicht. Beide Ausgaben sind 
geschmackvoll und gediegen ausgestattet. Der Text der 
beiden Ausgaben ist derselbe. —
	        

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