Full text: Hessenland (5.1891)

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Mittheilungen aus dem Briefwechsel des Uanögrafen 
Wilhelm VIII. mit dem Karon Käckeh 
betr. Gemäldeerwerbungen für die Kasseler Galerie. 
(Fortsetzung.) 
Mit einem vom 20. Januar datirten Schreiben 
sandte Wilhelm VIII. die beiden ihm von Häckel 
zur Ansicht geschickten Gemälde (von Hehnond, 
„welches Teniers sehr ähnlich siehet" und von 
Potter „welches ganz sicher vor Savery halte") 
zurück; er fügte als Geschenk für den Freund 
noch ein Trittes (von Adriaen van de Velde) 
bei und führte diese Schenkung mit folgenden 
Scherzworten ein: „Was sich aber mit diesen 
Schildcrcycn dahier zugetragen, solches schreibe 
Ihm in sein Gewissen, indem dieselben dahier 
von einem dritten accouclnret worden, welches, 
um mit dieser Hexerei nichts zu thun zu haben, 
sogleich mit beigefüget, und Ihm diese Geburth 
in allen Lobtugendc» zu erziehen überlasse, Ich 
hoffe indessen, daß Mutter und Kind wohl con- 
ditionirt überkommen werden, da mich im Packen 
auf den Freese nemlich verlassen kaun." 
Nachdem mittlerweile das Gemälde von 
Gonzales glücklich in Kassel angekommen und 
vom Landgrafen besichtigt mar, schrieb derselbe 
(am 23. Januar), daß er betreffs des Meisters 
dasselbe, was ihm Häckel mitgetheilt habe, auch 
in einem italienischen Malerlexikon „oder, wie 
der Titnl lautet, Abeeedario *) gefunden." Er 
konnte sich jedoch -offenbar nicht hineinfinden, 
daß das Bild von einem Schüler Titians her 
rühre, und fährt daher fort: „wobey mir jedoch 
dieses etwas verdächtig vorkommt, daß in 
beyden der gedachte Gonzales als 1630 gebohren 
angegeben wird, hingegen auf dem Gemählde 
neben dem Nahmen die Jahrzahl 1640 stehet, 
daß er also selbiges im 10. Jahr seines Alters 
verfertigt haben müsse. Wann der gute Mann 
noch lebte, so kostete es nur einen Briefs, um 
sich hierüber Erläuterung auszubitten; dem sey 
aber wie ihm wolle, so ist das Stück, wie gesagt, 
sehr hübsch artig, und Er hat mir viel plaisir 
gethan, selbiges zu comtnuniciren." 
*) Vermuthlich ist hiermit das: /VdoeeclarioBittorieo 
cliviso in tre parte. Bologna 1704 gemeint. 
Dieser letzte Brief des Landgrafen hatte sich 
mit einem unter demselben Datum von Häckel 
geschriebenen gekreuzt, dessen Anfang von den 
in Rede stehenden Gemälden handelt; er lautet: 
„Aus Ew. Hochfürstl. Durchl. gnädiges schreiben 
ersehe, daß Nsr. ttellmont, als ein alter 
Chimicns *), nicht allein die Vermehrung der 
Metalle, sondern auch sogar die Gemählde 
augmenth-en kaun. Allergnädigster Herr, alles 
was von Ew. Hochfürstl. Durchl. kömmt, ist mir 
1 immer eine Gnade und von Hertzen angenehm. 
! Wann aber aber Ew. Hochfürstl. Durchl. das 
! Stück von Helmont beliebten aufzuheben, würde 
' ich es als eine besondere Gnade ansehen. Er 
' hat es hier in Frankfurt bei einem Mahler, so 
! le Blon geheißen **), gemahlet, und was noch 
; mehr alle Kleider, so er am Leibe gehabt, hat er 
; selbst gemacht, sogar die Schuh, so er getragen; 
j darum gedenke, daß er einen Platz unter Ew. 
Hochfürstl. Durchl. Gemählde verdienet, und hoffe 
daß es nicht ungnädig wird genommen werden, 
wann es wieder zurücksende. Was Ew. Hoch 
fürstl. Durchl. von dem Gonzales sagen, bin ich 
neugierig zu vernehmen." 
Als kurz darauf auch die vom Landgrafen an 
Häckel gesandten Gemälde bei letzterem ein 
getroffen waren, kam nochmals an ihn die 
Reihe zu schreiben, und theilen wir seinen Brief 
(vom 27. Januar) vollständig mit, da er durchaus 
von Malereien handelt. Häckel schreibt: 
Durchlauchtigster Fürst, 
Gnädigster Fürst und Herr. 
Ew. Hochfürstl. Durchl. haben abermahl ein 
Zeichen von dero Gnade durch Uebersendung des 
*) Die im Basler Lexicon aufgeführten beiden 
Ilalwonts waren keine Maler, fonderi! Mediziner und 
Alchymisten. Der Verfertiger des in Rede stehenden 
Bildes lebte in den Niederlanden und hieß Matthäus 
van Helmond. lVgl. Naglers Künstlerlerieon. 
Bd. VI S. 77.) 
**) Hiermit ist der Radirer und Kupferstecher 
Michael le Blau gemeint. Vgl. Gwinner, Kunst 
und Künstler in Frankfurt. S. 24.
	        

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