Full text: Hessenland (5.1891)

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Verdienste Coch's hervorgehoben und dessen Rück 
tritt bedauert, u. A. im Abgeordnetenhause am 
1. Februar 1887, indem er hervorhob, daß dem 
abgetretenen Direktor, Sektionschef vr. Coch, das 
unvergeßliche Verdienst gebühre, den Checkverkehr 
zuerst in Oesterreich eingeführt zu haben. Da 
gegen vermochte es der Handelsminister Bacquehem 
am 14. Oktober 1887 über sich zu gewinnen, 
von den höheren Aufgaben des Postsparkassen 
amtes, worunter er zunächst den Checkverkehr 
verstand, zu sprechen und zu sagen: „Bezüglich 
welcher wir in Oesterreich sagen können, daß wir 
zuerst diesen Weg betreten haben." Das Ei des 
Columbus in neuer Auflage, ein Jeder hätte es 
nachträglich mindestens ebenso gut oder noch 
besser machen können als Coch, keiner aber hat 
es zu Stande gebracht. In Oesterreich ist man 
auch dann nicht zur Erkenntniß des begangenen 
beschämenden Unrechtes und Undankes gekommen, 
auch dann übte man noch die Praxis des Todt- 
schweigens, als Coch, welchem das Herz gebrochen 
war, als seine Schöpfung, das gelungenste Werk 
seines Lebens, ihm entzogen und andern, zuerst 
unzuverlässigen und später mittelmäßigen Händen 
anvertraut wurde, in der Ferne nach neuer 
Thätigkeit suchend, durch vorzeitigen Tod verklärt 
worden war. 
Wie mancher hohe Beamte in Oesterreich, welcher 
im Solde der Hochfinanz stand, ist in Gnaden und 
mit Pension in den Ruhestand getreten, wie viele 
Bankdirektorcn und Spekulanten, reich geworden in 
Geschäften mit dem Staate, sind in den Ritter 
und Frciherrnstand erhoben worden! Coch da 
gegen erhielt keinerlei Ehren oder Auszeichnungen. 
Im Verhältniß zu den Bezügen der Wiener 
Bankdirektoren erhielt er ein sehr geringfügiges 
Gehalt und angesichts seiner Erfolge wurde er 
aus die zugesicherte Tantieme vom Reingewinn 
und aus seine Pensionsansprüche vertröstet. That 
sächlich hat Coch von dem später hochgestiegenen 
Reingewinn keinerlei Tantiemen und schließlich 
an Stelle einer Pension einen Betrag erhalten, 
welchen zu nennen Staat und Volk von Oester 
reich beleidigen würde. Schließlich wurde Coch 
seiner Stellung in einer für österreichische Ver 
hältnisse unerhört schroffen, rücksichtslosen und 
verletzenden Weise enthoben, da er in seinem 
unbeugsamen Pflicht- und Rechtsgefühl nicht 
jene Gefügigkeit erwies, wie sie von gewisser 
Seite mit dem Interesse des Staates, mit 
den Pflichten des Amtes und mit der Ehre 
der eigenen Persönlichkeit nicht für unvereinbar 
gehalten wird. Und in Wiener Zeitungen 
wurde seine Enthebung in einer Weise mitge 
theilt, welche geeignet erschien, seinen Charakter 
und seine Amtsführung in der öffentlichen 
Meinung herabzusetzen, wobei die offiziösen 
Blätter alle Kundgebungen der Anerkennung 
für Coch unterdrückten. Und als im Ab 
geordnetenhause darüber interpellirt wurde, 
fand der Sektivnschef Baron Punwald, welcher 
formell die Verantwortlichkeit für die Maß 
regelung trügt, für den so tief und so unrecht 
gekränkten Kollegen nicht das kleinste Wvrt der 
Genugthuung oder der Entschuldigung. 
(Schluß folgt.) 
orte der Krinnerung an 
likolaus Wach. 
Rede, gehalten von Franz Dingelstedt 
am 4. Februar 1841. 
(Schluß.) 
Vielleicht dünkt es Ihnen, meine Herrn, als 
ob ich mich von dem gewöhnlichen Hange der 
Lob- und Leichen-Redner zu Uebertreibungen 
hinreißen lasse? Es ist wahr, die meisten 
Bilder pflegen Verstorbenen noch mehr zu 
schmeicheln als den Lebendigen, weil nach einem 
ganz natürlichen Gefühle der Tod eine ver 
söhnende Kraft besitzt und alle Schatten in 
eine sanft schonende Ferne und Verhüllung 
rückt. Vergleichen wir jedoch, um uns zu über 
zeugen, ob dem Verstorbenen hier und ander 
wärts in den Ausdrücken zu viel Ehre geschah, 
vergleichen wir mit der Schilderung seiner 
Persönlichkeit seine amtliche Stellung, das, was 
er dem Staat im Großen und seinem eigenen 
kleinen Staate, dieser Schule, gewesen ist, denn 
es steht ja geschrieben: an ihren Früchten sollt 
ihr sie erkennen. Es ist schon die Berufung an 
sich in ein solches Amt, ausgegangen von einem 
erleuchteten Manne, wie er damals an der 
Spitze des hessischen Schulwesens stand, erfolgt 
zu einer Zeit, wo eine vollständige und durch 
greifende Rcgenerazion desselben bezweckt wurde, 
Bürgschaft für eine ungewöhnliche Tüchtigkeit. 
Fünf Jahre und wenig darüber sind seit dieser 
Berufung vergangen; ein Lustrum liegt zwischen 
dem festlichen Empfange des fremden Ankömmlings 
mit Fackelschein und Hang und Klang und
	        

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