Full text: Hessenland (5.1891)

Das „Hesfenlarrd", Zeitschrift für hessische Geschichte und Literatur, erscheint zweimal monatlich 
zu Anfang und rn der Mitte jeden Monats, in dem Umfange non N/2—2 Bogen Quartformat. Der Abonnementspreis 
beträgt vierteljährlich 1 Mark 50 Pfg. Einzelne Nummern kosten je 3 0 Pfg. Anzeigen werden mit 20 Pfg. 
für die gespaltene Petitzeile berechnet. Auswärts kann unsere Zeitschrift durch direkte Bestellung bei der Post, oder 
durch den B u ch h a n d e l, auf Wunsch auch unter Streifband bezogen werden; hier in Kassel nimmt die Buchdruckerei 
von Friedr. Scheel, Schloßplatz 4, Bestellungen, ebenso Anzeigen an. In der Post-Zeitungsliste für das Jahr 1891 
findet sich das „Hessenland" eingetragen unter Nr. 2847. 
—E -H' 
iorgeflcht. + 
_3, 
Cassel - Februar 1821. 
Jlie Itadjt mit ihren schwarzen Flügeln webte 
Der Träume Uelz zu spukgewohnter Zeit 
Rnd hinter walken, wildzerriss'nen, schwebte 
Die Mondesüchel. Ron den Bergen weit 
Hersagt der wind durch die entlaubten Bäume 
per Karlsau' und, empor stch schwingend, rauscht 
Cr durch der Kattenburg erstehende Räume, 
Ivo mit dem Echo er die Zwiesprach tauscht. 
Dann fährt er auf, verfolgt vom Ruf der Eule, 
Durch öde Straßen er von dannen schnaubt, 
Sein schreckensvolles, wildes Klaggeheule 
Die mitternächt'ge Ruh' dem Schläfer raubt. 
Der schreckt empor und lauscht den dumpfen Tönen, 
Die schaurig klingen, wie ein Geisterchor, 
Dann gurgelt es in langgezognem Stöhnen, 
Daß er stch gern verhüllt das wache Dhr. 
Pa plötzlich aber hört er Peitschenknallen 
Rnd Roßgetrappel, wagen rasseln drein, 
Die Laute deutlich durch die Stille schallen 
Rnd durch die Rächt dringt rother Fackelschein, 
wer noch nicht wach, fährt setzt von seinem Kissen 
Rnd lugt durch's Fenster auf die Straße hin, 
Rnd glaubt noch immer nicht den Schlaf zu missen 
Rnd hält vom Traum umgaukelt noch den Sinn. 
Ein Leichenzug bewegt stch durch die Straßen, 
verhüllte Pagen reiten stumm voran, 
Dann folgen Kutschen, drinnen Männer saßen 
Mit storumhängten Kleidern angethan. 
Beritt'ne Diener drauf, die Fackeln tragen, 
In ihrer Mitte aber man erblickt 
Achtspännig, panaschirt, den Trauerwagen, 
Daraus den Sarg, dess' Decke reich gestickt. 
Rnd auf dem Sarge Scepter liegt und Krone 
Gekreuzt mit einem ritterlichen Schwert, 
Der Kurfürst, der noch herrscht aus Hessens Throne, 
Hier schon im Geisterzug zum Grabe fährt, 
Die aus dem Schlaf Geschreckten deutlich schauen 
Die Menschen, Rosse in dem Fackellicht, 
Rnd es beschleicht sie ahnungsvolles Grauen — 
Gott sei uns gnädig! manche Stimme spricht. — 
Zwei Wochen später von derselben Stelle 
Bewegt stch durch die Stadt der gleiche Zug, 
Der nach der Löwenburg in die Kapelle 
Rm Mitternacht den Hessenfürsten trug. — 
So steht geschrieben diese seltne Kunde 
Rom Leichenzug, als Rorgestcht geschaut, 
Ich hört' ste selbst aus längst geschlost'nem Munde, 
Der Manches mir geheimnißvoll vertraut. 
Mtkelm Aennecke. 
-fcSf 3 «- . .. ■
	        

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