Full text: Hessenland (5.1891)

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Fern. 
Es glänzt ein Heller Stern 
Vom Himmel hoch hernieder. 
Wie weilt mein Schatz so fern; 
Das walte Gott, er käme wieder! 
Begegnet er mir dann 
Und fragt mich, wie mir's gehe, 
Es geht gewiß nicht an, 
Daß ich ihm meine Lieb gestehe. 
Ein Rosenknösplein mir 
Das will ich gern ihm schenken 
Als heimlich stillen Schwur: 
Ich werde ewig Dein gedenken. 
Gustav Kastropp. 
Fosselobed. 
Gedicht in iiiederhefsischer Mundart. 
(Unteres Schivalingebiet, Kreis Fritzlar.) 
Uff Fosselobed l ), eit insem Dorf, 
Es dos cn gor tullcs Leben. 
Die Mähre a ) schleppen den gängzen Dog 
Herbi, bos Jcres ') fall geben. 
Do drängen se Habe Z, Mühl un Schmalz, 
Och Olei"), Botter un Zocker, 
Kartüffeln och, zn gürrem Salot, 
Un Brotworscht, dick, lang un locker. 
De Kafsedückten') drängen se öch, 
Un Zwäbbcln") un dürre Hutzeln, 
Rit ze.vergessen den fetten Speck. — 
Un dann gets los mit dem Brutzeln"). 
Dos es en Gelööf") den gängzen Dog 
Ens Huß wo de Spellstobbe “) es, 
Do es ne Würmcte, es en Dunst, 
Do stiggen ri ) de Küchen geweß. — 
Banns ") Obcd es, sing de Dorsche do, 
Mit sissem Likör un mit Grog. 
Dann wird sich povrwies ") bin Disch gerieft, 
Dann kimmt des Vergnigen cn Zok 'Z- 
Die Ziehharmoneka wird gespeelt, 
Es wird getängzt nn gesongen. 
Der Foren '") rißt uff der Spül enzwee 
De Rockel'') wär'n obgebongen. 
Ö Mailercher '^) gitt's, dos es en Staat, 
Bann der Rockel genummen es, 
Un krischen dhun de Mähre derbi 
Un sing doch beileibe nit bös. — 
Im Zwölwe villicht, dann gense heem, 
En jerer Borsch mit sin Mächen. 
Doch an der Hußdhär.bliewen se stenn 
Un gücken sich en de Ögen '"). — — 
Nü wirds cm Dorfe mieschenstillc. 
Der Mond gickt im de Ecke nür. 
Uff cenmol wisperts dürch de Stroßen, 
Un uff der Äre 20 ), lißt's ne Spür. 
Därch alle Gassen kriz un quüre, ^ 
Do leih'n de Schiwwen^') wie gcsüät. 
So dick un wiß, me sichts gängz enken "), 
Wies mm cm Huß zem «tigern get. — 
Io, cn der Fosselnocht kimmts rüsser, 
Ber") Sckatzliete zesammen es. 
Vom Mächen no dem Borsch sin Huße, 
Do leihn de Schiwwen gängz geweß. 
's Hilst nix, deß frih de Mähre kehren; 
De Liete Wissens Alle nü. 
Bis dohin sogs'") der Mond assenge 2S ), 
Un vör dem hott es gürre Rüh. — 
Krida Ktorck. 
') Fastnachtabend. 2 ) Mädchen. ’) ganzen Tag. 4 ) was 
Jedes. 5 ) Hese. 6 ) Rüböl. 7 ) Kaffeedüten. ®j Zwiebeln. 
■’) britzeln, braten. I0 ) Gelaufe. ") Spinnstube. ,a ) steigen. 
"> wanns. ") paarweis. "(Zug. Faden. ''(Rocken. 
") Mäulerchen, Küsse. ,sl ) Augen. J0 ) Erde. Sl ) Schibbe, 
Abfall aus dem Flachs. * 2 ) ganz genau. ") wer. 2i ) sah's. 
2i ) alleine. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Idi8tavi8o. Viele Abhandlungen sind über den 
an der Weser gelegenen cuunpu§, cui Idistaviso 
nomen, geschrieben worden, wo nach dem Berichte 
des Tacitus, Annal. II. i. I. 16 nach Christus eine 
große Schlacht zwischen Arminius und Germanicus 
stattfand, aber noch herrscht über die Oertlichkeit des 
Schlachtfeldes unter den Forschern keine Ueberein 
stimmung, und noch immer fehlt eine befriedigende 
Erklärung jenes eigenthümlichen Namens. Viele Ge 
schichtschreiber leiteten das Wort ^Jdistaviso^ ab 
von id is fctau wis und begründeten diese Deutung 
damit, daß die Weser in der Nähe von Fischbeck bei 
dem jetzigen Gute Stau alljährlich staue, und daß 
ein dortiger Wiesengrund die Stauwiese genannt 
werde. Eine andere Ansicht hat I. Grimm ausge 
sprochen. Derselbe will statt Idistaviso „Idistaviso^ 
lesen, welches soviel als n^mpbaruw praturv be 
deute. Dieser Ansicht scheint sich auch Arnold, 
Deutsche Urzeit, S. 421, anzuschließen. 
Da es nach A. Duncker, Gesch. der Chatten, in 
Zeitschr. d. Ver. f. Hess. Gesch. XIII. Bd., S. 314, 
als gewiß anzunehmen ist, daß in jener Schlacht als 
Bundesgenossen der Cherusker auch chattische 
Schaaren gekämpft haben, so dürfte wohl die Zeit 
schrift ^Hessenland" einem neuen Erklärungsversuche 
ihre Spalten öffnen. 
Aus den Worten des Tacitus geht hervor, daß 
das vielgenannte Schlachtfeld auf deutsch „Jdistavis- 
feld^ hieß. Nun erklärt Arnold in seinem für die
	        

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