Full text: Hessenland (5.1891)

39 
seiner Einrichtung war Fabrikswaare. Alles trug 
das eigenthümliche Gepräge seines sinnigen sym- 
bolisirenden Geistes. Was er ergriff, erfüllte 
ihn ganz, er konnte in einer Sacke ausgehen, und 
an Pflichttreue, Unbestechlichkeit und Gerechtig 
keit wurde er von Niemanden übertroffen. 
Loch war ein scharfkantiger Charakter, ein 
Mann nach dem Ideale des amerikanischen 
Moralphilvsophen Channing: „Ich bezeichne den 
jenigen allein als von einem freien Geiste beseelt, 
der sich bewahrt vor der Anmaßung der Gesell 
schaft, der sich nicht erniedrigt vor menschlicher 
Schwäche, der sich selbst verantwortlich hält vor 
einem höheren Gerichte als demjenigen der 
Menschen, der ein höheres Gesetz kennt als das 
der herrschenden Meinung und der sich zu hoch 
achtet, um der Sklave oder das Werkzeug, weder 
der Majorität noch Einzelner zu sein." 
Cvch war ebenso thatenkräftig als thatendnrstig. 
Bis zuletzt beherrschte ihn eine Sehnsucht nach 
unbekannt Großem. In einem Briese aus 
Kvnstantinopel einige Zeit vor seinem Tode 
schrieb er: „Sv sitze ich allein, während die 
heiße Lust noch hereindringt, und harre auf den 
kühlen Abcndwind von der See. Ueber den 
thracischen Hügeln sinkt die Sonne, dunkelblau 
wird das Meer. Fern im Osten schaut der 
Olymp herwärts. Still wird's in den Straßen, 
doch heftig hämmert das Herz. Da steigt der 
Mond herauf über den anatolischen Wäldern 
und spiegelt sein Licht in der Fluth. Bleibt so 
ein Licht in der Fluth der Zeit von dem 
Einzelnen? Vielleicht!" . . . In jener fernen und 
fremden Welt ward sein Leib der Erde zurück 
gegeben. Sein Geist wird fortleben und in der 
Flulh der Zeit dem deutschen Volke eine Leuchte 
bleiben auf den Bahnen kommender Sozial 
reformen ! 
Coch war ein Mann der That. Nur da, wo 
es sich um Schaffung neuer sozialpolitischer 
Organisationen handelte, griff er zur Feder und 
in einer Reihe nicht veröffentlichter Denkschriften 
hat er seine genialen weitausschauenden Gedanken 
und Vorschläge auf dem Gebiete praktischer 
Sozialpolitik, insbesondere über staatswirthschaft- 
liche Organisationen des Finanzwesens und über 
gemeinwirthschastliche Organisation der Gesell 
schaft, zunächst des Kreditverkehrs, mit Hilfe ge- 
! nossenschaftlicher Verbände eingehend begründet 
1 und dargelegt. Als ein weiteres bleibendes 
Denkmal des außergewöhnlichen Mannes und zu 
Nutz und Frommen für die künftige sozial 
politische Entwickelung Deutschlands werden jene 
Denkschriften demnächst veröffentlicht werden. 
In öffentlicher Stellung sein Wissen und 
Können zu entfalten, hat Coch in Oesterreich 
nur vier Jahre hindurch Gelegenheit gehabt. 
Im Jahre 1882 wurde er von dem damaligen 
Handelsminister Baron Pino nach Wien berufen, 
um staatliche Postsparkassen zu errichten. Hier 
zeigte er sich bei der Ausarbeitung der betreffenden 
Gesetzvorlagen als hervorragender Staats- und 
Volkswirth und bei der Durchführung des Ge 
setzes als ein ungewöhnlich thatkräftiger und 
umsichtiger praktischer Finanzpolitiker und Or 
ganisator. 
(Schluß folgt.) 
Worte der Erinnerung an Wkolaus Wach. 
Rede, gehalten von Franz Dingelstedt 
am 4. Februar 1841. 
Wir haben in der vorigen Nummer unserer ! fünfzig Jahre, nachdem sie gehalten worden ist, 
Zeitschrift am Schluffe unseres Artikels über ! veröffentlichen zu könne». Wir bringen dieselbe 
Nikolaus Bach ganz besonders der Rede Er- > möglichst vollständig zum Abdrucke, nur einige 
wähnung gethan, welche Franz Dingelstedt ! wenige, heute nicht mehr recht verständliche 
am Rhabanusfestc 1841 in der Aula des ! Stellen und solche, die leicht zu irrigen Anf- 
Fuldaer Gymnasiums zum Gedächtnisse des j sassungen Anlaß geben könnten, haben wir weg 
Direktors Bach gehalten und dieselbe als eilt j gelassen. 
Muster der Beredsamkeit hingestellt. Das j Mögen die Leser selbst entscheiden, ob unser 
Manuskript dieser Rede befindet sich in dem j Urtheil über die Rede Franz Dingclstedt's ein 
literarischen Nachlasse des Professors I. Gegen- I zutreffendes gewesen ist. Hier ist sie: 
baur, bekanntlich eines Licblingsschülers Franz > Sie haben sich gewundert, meine Herren, daß 
Dingelstcdt's. Dank dem gütigen Entgegen- i wir, Lehrer und Schüler des Gymnasiums, zu 
kommen der hochgeschätzten Familie Gegenbaur. 1 einer gemeinsamen Feier einladen und znsnmmcn- 
der wir dafür unseren verbindlichsten Dank > treten mochten, während doch kaum nach Tagen 
abstatten, sind wir heute in der Lage, jene Rede, ' die Trauerfrist zu zählen ist, zwischen diesem
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.