Full text: Hessenland (5.1891)

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ich auch mit dem Gefangenen nach Elmarshausen 
zu den von der Malsburg geritten, welche 
berichtet, daß sie vor ihre Häuser ungefähr an 
die 100 Mann stark gekommen, auf sie etliche 
Schüsse gethan und aufs höchste gescholten, so 
daß sie zur Gegenwehr genöthigt, darüber einen 
von Freienhagen durchgeschossen und allda liegen 
geblieben, ist aber noch nicht todt gewesen. 
Christoph von der Malsburg, welcher in seinem 
Leibe sehr zerschlagen, ist mit einer Axt hinter 
bowen das Ohr gehauen, daß er sehr hart liegt; 
Hermann zu Laar ist auch sehr zerschmissen und 
ihm ein langer Streich vor den Kopf gehauen, 
Otto von der Malsburg ist auf den Kopf 
gehauen, Christian hat trockene Stöße bekommen, 
Hermann Christoph der Gefangene, Christophs 
Sohn, hat etliche Wunden im Kopf und zwei 
Stiche im Arm, welches man aber nicht alle 
sehen können, da sie noch nicht verbunden gewesen " 
Auf diese Anzeige berichteten Kanzler und 
Räthe in Kassel unter demselben Datum an den 
Landgrafen Moritz, welcher sich damals auf der 
Domäne Kornberg zwischen Bebra und Sontra 
befand, schilderten das Verwerfliche des Vorgangs 
und beantragen „daß man mit dem Ausschuß 
(wahrscheinlich ein militärisches Aufgebot) stark 
genug vor Freienhagen rucke, den Richter sammt 
den übrigen Thätern fordere und diese nach 
Wolfhagen brächte, wenn sie folgen würden, im 
entgegengesetzten Falle aber Freienhagen einnehme, 
besetze, die Thäter selbst angreife und gefangen 
nehme'. 
Gleichzeitig am 23. Mai gaben sämmtliche 
von der Malsburg, „Hermanns seligen Linien", 
ihre Klageschrift ein, in welcher sie die von 
Freienhagen aufgestellte Behauptung das Hüten 
im Mühlenberge üben zu dürfen, leugnen und 
den Vorfall näher schildern, namentlich wie er 
sich mit dem Hirten, welcher sich mit dem größten 
Theile der Herde entfernt, zugetragen, worauf 
nur etwa einige Stück Vieh gepfändet nach 
Elmarshausen geführt werden konnten. Es 
wird zugegeben, daß etliche von Freienhagen in 
diesem Tumulte „in etwas gequeschet" und deren 
einer von einem Schuß also gerühret, daß er 
diesen Morgen des Todes werden müssen. Es 
könne wohl sein, daß derselbe von seinen Nach 
barn, welche etliche Schüsse gethan, getroffen 
worden sei. Schließlich wird gebeten, diesm 
hochstrafbaren großen Frevel zu sühnen. 
Bereits am 24. Mai dat. Kornberg zeigte 
Landgraf Moritz seinen Räthen in Kassel den 
Empfang des Schreibens, betreffend den verübten 
Landsriedensbruch, an, sprach seine lebhafte 
Entrüstung über den Frevel, den man an vor 
nehmen Landsassen begangen, befahl aber nicht 
sofort strafend vorzugehen, sondern „daß in 
etwas temporisirt und an sich gehalten werde"' 
da ähnliche Streitsachen mit Corbach und Volk 
marsen vorlägen, und dieses Alles „jetzunder uff 
einmahl fein uff der Reihe verrichtet werden 
künne." Uebrigens solle stündlich nach Roten 
burg berichtet werden. Oberstlieutenant von 
Kötteritz wird als Theilnehmer an den dem- 
nächstigen Berathungen bezeichnet. 
Der Graf Christian von Waldeck ließ sich 
aber nun auch 6. ä. Schloß Waldeck 25. Mai 
1615 in einem Schreiben an den Landgrafen 
vernehmen und nimmt sich seiner Unterthanen, 
welche sich wohl in ihrer Noth an ihn gewandt 
hatten, warm an, behauptet das jus pascendi 
für die Freienhagener, schlägt eine genaue Unter 
suchung der Sache vor, bittet aber den Land 
grafen die von der Malsburg dahin avisiren 
zu wollen, daß sie sich mit ihm abfinden und 
die verwirkte Strafe entrichten. 
In den nun folgenden Schreiben und Ant 
worten wird über Sistirung der Uebelthäter, 
über beanspruchtes freies Geleit und Anderes 
verhandelt, wobei hervorzuheben, daß der Richter 
von Freienhagen Jonas Meyer mit dreister 
Stirn behauptete, kein Malsburg könne sagen, 
daß er auf ihr Haus gekommen, daß sie ihn 
gesehen oder er ihnen etwas Widerwärtiges zu 
gefügt. Die späteren Verhöre aber bestätigten 
übereinstinimend, daß der Richter die Glocke 
habe schlagen lassen und die Freienhagener über 
haupt in der leidenschaftlichsten Weise zum Zuge 
nach Elmarshausen aufgefordert habe. Er 
schickte aber vorsichtigerweise einige Leute in den 
Hof zu Elmarshausen voraus und blieb im 
Hintertreffen, weshalb er das zu seinen Gunsten 
Vorgebrachte wohl behaupten konnte. — 
Da alle bisher mit Waldeck gepflogenen Ver 
handlungen zu keiner Verständigung geführt, 
auch der Graf von. Waldeck der Sache aus dem 
Wege zu gehen versuchte, was daraus hervorgeht, 
daß ein Bote mit einem Schreiben des Land 
grafen den Adressaten vergebens in Waldeck 
und Siegen aufgesucht hatte und erst in Erbach 
die Botschaft übermittelt werden konnte, so 
mußte energisch vorgegangen werden. 
Der Landgraf schien bald zu bereuen, daß 
man anfänglich etwas an sich gehalten habe, 
indem man die Sache zur Güte zu ziehen 
gehofft; er schreibt daher an Kanzler und Räthe 
in Kassel: „Da aber fünf vom Adel des vor 
nehmen Geschlechts derer von Malsburg nicht 
wenig beschädigt worden, auch unsere Fürstliche 
Hoheit ganz unbescheidentlich violiert, so haben 
wir beschlossen, daß keineswegs levi brachio 
darüber hinzustreichen, sondern es ist unser 
ernster Befehl an Euch, daß ihr den gedachten 
Graf Christian von Waldeck ernstlich und mit
	        

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