Full text: Hessenland (5.1891)

328 — 
Weil für immer hier der Pfad 
Sich dem grünen Thal entwand, 
Bleibt er stehn wie fest gebannt. 
Was sich da dem Auge bot 
Schuf ihm Freude, schuf ihm Noth. 
Was ersah der arme Mann? 
Steht nicht hoch auf dem Altan, 
Stolz mit Atlas angethan 
Und mit Grauwerk und Brokat, 
Sie, die ihn verlassen hat? 
Und bei ihr, — daß ein Gewitter 
Ihn erschlage! —, steht der Ritter! 
Rufend, winkend mit den Händen, 
Sucht er, Grüße ihr zu senden, 
Läßt der Geige hellen Laut 
Bote sein für seine Klagen, 
Läßt die Weise, ihr vertraut, 
Seinen Wunsch hinüber tragen: 
.Komm, entstieh aus diesen Mauern, 
Laß sie jetzt, eh' du mit Trauern 
Daraus scheidest, Hilderun!- 
Aber Hilderun, die schöne, 
Achtet wenig seiner Töne, 
Lacht nur ob des Spielmanns Thun. 
Höhnisch schüttelt sie das Haupt. 
Und, wenn er in stillem Hoffen 
Wieder sie zu sehn geglaubt. 
Solcher Trost ist ihm geraubt. 
Traurig steht er und betroffen. 
Müde wandert er fürbaß, 
Nun allein und voller Haß. 
Wieder singt mit hellem Schalle 
Er sein Lied in mancher Halle. 
Frau'n erröthen, Männer lachen 
Bei der Schwänke lust'gen Sachen, 
Und er selbst, mit kranker Seele, 
Lacht dazu aus voller Kehle. 
Weh! Das Lachen ist verhallt, 
Das des Spielmanns Liedern galt. 
Weh! Zerfallen ist die schöne 
Welt der Lieder und der Töne, 
Jene Welt, umflossen ganz 
Von der Liebe Strahlenglanz. 
Wie ein Paradies entrückt, 
Liegt sie fern im Land der Sage. 
Hier und da in unsre Tage 
Fällt ein Strahl, der uns entzückt. 
Und die heiteren Gestalten, 
Wie sie gaukeln, wie sie schweben, 
Bunt von Farben, voll von Leben, 
Möcht' ich fassen, möcht' ich halten. 
Doch in selige Gefilde 
Seh' ich ferne sie entschweben 
Wie der Träume Luftgebilde. 
Und des Spielmanns Lieder sind 
Längst vergessen, längst verrauscht, 
Keiner mehr, der ihnen lauscht. 
Wie sie klangen? — Frag' den Wind! 
Aus Heimalh und Fremde. 
Am 2. Dezember hielt Bibliothekar Dr. Hugo 
Brunner im Handels- und Gewerbeverein zu 
Kassel einen Vortrag über die .Geschichte von Handel 
nnd Gewerbe in Kassel von den ältesten Zeiten bis 
zum dreißigjährigen Kriege-. War dieser Gegenstand 
an sich schon interessant, so wurde er es noch mehr 
durch die treffliche Redegabe des Vortragenden, durch 
das überaus reiche quellenmäßige Material, über das 
derselbe verfügt, und das er mit seltenem Geschicke 
zu beherrschen und übersichtlich zu gestalten versteht. 
Dr. Brunner bewegt sich in seinen Vorträgen nie 
mals in alten Geleisen, seine Ausführungen beruhen 
stets auf den neu'sten, meist eigenen Forschungen, 
sie sind deshalb auch in hohem Grade lehrreich, so 
daß er stets der allgemeinen Anerkennung und des 
lebhaftesten Beifalls gewiß sein kann, und beide 
wurden ihm denn auch am Schluffe seiner Rede in 
dem Handels- und Gewerbeverein in reichem Maße 
zu Theil. Wir werden auf den Vortrag in einer 
späteren Nummer zurückkommen. 
Mit der Aufführung des Treller'schen 
Weihnachtsspieles ist Sonnabend den 5. Dezember 
in dem großen Stadtparksaale zu Kassel begonnen 
worden. Dasselbe hat sowohl in seinen beiden ersten 
Aufführungen wie in seinen Wiederholungen einen 
glänzenden Erfolg gehabt, und wurde der Verfaffer 
in verdienter Weise durch Hervorrufe ausgezeichnet. 
Am 30. November feierte der Geheime Medizinal 
rath Dr. Johann Friedrich Bode zu Nau 
heim seinen 80. Geburtstag. Von allen Seiten 
wurden dem hochangcsehenen und beliebten Manne 
reiche Ehrungen bei dieser Gelegenheit zu Theil. Den 
ganzen Vormittag erschienen bei dem Jubilare per 
sönliche Gratulanten aus Bad Nauheim; von aus 
wärts liefen zahlreiche schriftliche und telegraphische 
Glückwünsche ein, von denen besonders hervorzuheben 
sind das sehr verbindliche Schreiben des Dekans der 
medizinischen Fakultät in Marburg, welche am 5. März 
1684 zum 50 jährigen Doktorjubiläum dem Jubilar 
das Doktordiplom erneuert hatte, weiter das Gratn-
	        

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