Full text: Hessenland (5.1891)

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Fröhlich hofft' an seiner Seile 
Er zu finden sein Geleite. 
Aber nicht zum Kusse bot 
Ihm die Maid den Mund so roth. 
Nicht umfing ihr runder Arm 
Den Gefährten voll und warm. 
Auf die Stirne nicht, die heiße, 
Die ihm schwer vom Weingenusse, 
Legt sie ihre Hand die weiße, 
Kühlt sie ihm mit keinem Kusse. 
Sicher, daß im Frühroth sich 
Hilderun zum Garten schlich, 
Wie sie that so manches Mal, 
Wenn der allzu sehr begehrte, 
Allzu oft von ihm geleerte 
Becher ihm zu seiner Qual 
Morgens noch das Haupt beschwerte. — 
Horch! von fern im engen Gang 
Tönt nicht ihrer Schritte Klang? 
Wird nicht in der Thür, der kleinen, 
Jetzt ihr holdes Bild erscheinen? 
Leider nein! Sie ist es nicht, 
Die den Morgengruß ihm spricht. 
Der erscheinet, ist der grimme 
Wächter, dessen rauhe Stimme, 
Aehnlich seines Hundes Knurren, 
Der den Gast begrüßt mit Murren, 
Spricht die Botschaft jetzt, die schlimme, 
Spricht die Worte kurz und rauh: 
„Harre nicht auf deine Frau! 
Zeuch von hinnen, junger Gauch! 
Deine Zeit ist dir gemessen. 
Hast getrunken und gegessen, 
Und den Spiellohn hast du auch. 
Laß dir noch den Frühtrunk reichen, 
Aber dann mußt du entweichen!- 
Und der Jüngling: „„Sprich, wo ist 
Die mit mir heraufgekommen?-- — 
„Weiß ich nicht. Geh', wie du bist. 
Denn dein Zaudern, — wisse, Christ —, 
Würde dir gar wenig frommen!- — 
Oft schon hört' er bittre Worte, 
Wenn an frommer Herren Pforte 
Man ihm rauh die Wege wies. 
Aber härter trafen keine 
Ihn, als da man heut' alleine 
Fort ihn auf die Straße stieß. 
Ob das Weib man mit Gewalt ihm ' 
Wegnahm, — ob sie selber kalt ihm 
Jetzt den Laufpaß geben ließ? 
Traurig schickt er sich zum Wandern, 
Seinen Frühtrunk gönnt er andern. 
Wenig Grüße spendet er 
Dem Gesind' im Hof umher. 
Scheu zur Seite rücken sie, 
Wie er nieder bei der Linde 
Sitzt zürn letzten Mal allhie. 
Wenig scheert ihn das Gesinde. 
Seiner Augen schwere Lider 
Schließend ist's, als säh' er wieder, 
Wie, gelöst die müden Glieder, 
Nächten hier auf dieser Bank 
Hilderun in Schlaf versank. — 
Dann hinweg, zur Burg hinaus! 
Gnad' dir Gott, — die Lieb' ist aus. 
O wie schwer ist ihm zu Sinne, 
Denn die Dirne war ihm lieb. 
Nun, wo sie zurücke blieb, 
Wird der arme Bursch erst inne, 
Daß er tief verstrickt in Minne. 
Höhnisch klingt das Gold im Beutel, 
Das der Burgherr ihm gegeben. 
Ist's ihm nicht, als spräch' es eben: 
„Gegen Minne bin ich eitel, 
Bin ein Schatz, doch ohne Leben?- 
Und er wiü's zur Erde werfen. — 
Aber andre höben's auf, 
Und wozu das Leid sich schärfen? 
Nur für Geld ist feiler Kauf. 
In der Schänke heißt's bezahlen, 
Ohne Zahlung giebt's Verdruß, 
Und vom Hunger leidet Qualen 
Nur, wer ihn erdulden muß. 
Darum hielt es fest die Rechte, 
Die sich ballend hob zum Fluch, 
Als der Wind der Mägd' und Knechte 
Höhnisch Wort zum Ohr ihm trug. 
Zu dem Burgthor hergelaufen, 
Sah ihm nach der müß'ge Haufen, 
Und Mechthild, die böse, sprach: 
„Hartmut, dem geschieht es recht! 
Denn als Christ ist er zu schlecht, 
Und den Ketzer trifft die Schmach. - 
Solchern Worte sinnt er nach, 
Das zum ersten Mal ihm Pein schafft: 
Aus der menschlichen Gemeinschaft 
Ausgestoßen, — mit dem Armen 
Hat nicht Gott, nicht Mensch Erbarmen! 
Oftmals wendet seinen Blick 
Der Jongleur zur Burg zurück, 
Steht und schaut und schaut und steht, 
Bis er zögernd weiter geht. 
Denn der Weg ist schlecht zu finden, 
Wenn die Liebe blieb dahinten, 
Und kein Ranzen schwerer drückt 
Als ein Herz mit Gram gespickt. 
Endlich an dem Waldesrand, 
Dem er zaudernd sich genaht,
	        

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