Full text: Hessenland (5.1891)

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und Brand. Im Dezember legte General 
Götz sieben Regimenter kaiserlicher Kriegsvölker 
in die Gegend von Fritzlar, Treysa und Hers 
feld , und wieder wurde die wenige Bürgerschaft 
zu Homberg, die nirgends hatte hinfliehen 
können, drei Monate lang in Kontribution 
gesetzt. Als aber die Salvaguardia, die man 
den Hombergern gegeben, abzog, ließ der Oberst 
Hahnensee zum Abschiede wortbrüchiger Weise 
doch noch die Stadt plündern und einen un- 
verwindlichen Schaden mit Foltern, Peinigen, 
schwedischen Trünken und dergl. anrichten, auch 
den Amtmann von Haxthausen gefangen mit 
fortführen. 
Alle noch vorhandenen Gebäude, wie die 
Kirchen, das Rathaus, der Renthof. alle Häuser 
am Markt wurden dabei eingeäschert. Ebenso 
war im Amt kein Dorf, das nicht gebrannt 
hätte, und die Mordbrenner klagten bei ihrem 
Abzüge, daß ihnen zu ferneren Brandstiftungen 
das Stroh fehle. 
Wie es den Weibern und Kindern erging, 
läßt sich leicht ermessen. Bon Borken heißt es 
im Jahre 1636, daß die Polacken gräulich mit 
dem Weibsvolk handelten und viele Kinder mit 
sich fortnahmen. In Wetter hatten sich die 
Weiber und Mädchen Anno 1636 vor den 
schwedischen Horden auf den Kirchthurm gefluchtet 
und die enge Wendeltreppe verbarrikadirt. Da 
zündeten die Mordbrenner im Thurme ein großes 
Feuer an und nöthigten so durch die Flammen 
und den Rauch die Unglücklichen herabzukommen, 
die dann an heiliger Stätte das Aergste zu er 
dulden hatten. Der Pfarrer aber, M. Phil. 
Bigelius, der muthig dem Greuel entgegentrat, 
wurde am Altare blutig geschlagen. 
Es mag dieser wenigen Belege genug sein. 
Denn 14 lange Jahre geht cs aller Orten so 
zu. Die Menschheit, entweder auf der Flucht 
begriffen oder in beständiger Furcht vor räuberi 
schen Einfüllen, mußte aus aller Ordnung, Zucht 
und Sitte herauskommen. Das Leben verlor 
den Werth, weil es den Reiz verloren hatte. 
Verzweiflung erfaßte die Gemüther, der furcht 
barste Egoismus machte sich allenthalben geltend, 
und die Bande der bürgerlichen Gemeinschaft 
konnten von der Staatsgewalt nur soweit auf 
recht erhalten werden, als ihr Einfluß reichte. 
Der aber war nach Zeit und Ort sehr beschränkt. 
So begreift sich denn die Verwilderung der 
Sitten, die sich aller Orten kund giebt. 
Endlich, im Oktober 1648, wurde der lang 
ersehnte Friede abgeschlossen. An vielen Orten 
wurde er mit Freudenfesten begangen; aus 
Hessen hört man nichts dergleichen. Man be 
fürchtete, die stehenden Heere würden es nicht 
zum Frieden kommen lassen; und wie ungehalten 
manche Heerführer waren, zeigt das Beispiel 
des schwedischen Generals Wrangel, der bei der 
Kunde des Friedensschlusses seinen Generalshut 
zur Erde warf und mit den Füßen zertrat. 
Allein die Verbände wurden doch allmählich 
aufgelöst, das Schwert räumte dem Pfluge 
wieder den Platz ein. 
Nunmehr ging für die Fürsten und ihre Re 
gierungen eine neue, schwere Arbeit an; es galt 
die Wunden, die der Krieg dem Wohlstände wie 
der Sittlichkeit des Volkes geschlagen hatte, 
wieder zu heilen. Für Hessen war es ein Glück, 
in jener Zeit in der Landgräfin Amelia 
Elisabeth und ihrem Sohne Wilhelm VI, 
dem Gerechten, Regenten gehabt zu haben, die 
nicht nur den ernsten Willen, sondern auch die 
nöthige geistige und zumal sittliche Kraft be 
saßen, um die ihnen zugefallene Aufgabe zu 
lösen. Einsichtsvolle Räthe, wie der Kammer 
präsident Nikolaus Si xtinu s, der Kanzler Jo 
hann V u l t e j u s, der Vizekanzler M ü l d n e r, 
Johann Dietrich Freiherr v. Kunow itz , Johann 
Kaspar v. Düringenberg, später Johann 
Heinrich von Dauber u. a. standen ihnen 
hierbei getreu zur Seite. (Fortsetzung folgt.) 
er Hlaubensbote. 
(Eine Erzählung aus dem achten Jahrhundert von Franz Tr eil er. 
Der Weg war rauh, welcher von Chaffala, > den Weg, und tief ausgefahren waren die 
der Burg, nach Süden führte. Schwere Wagen ! Geleise, zerstampft vom Rosseshnf der Boden, 
mit ungefügen Rädern rollten ihn häufig Wälder wechselten mit wohlangebauten Feldern 
entlang, von Nord nach Süd und umgekehrt, ! zu seinen Seiten da, wo er im Thal hinführte, 
denn es war die große Straße, welche zum! aus den Höhen aber begrenzte ihn allein der 
Main in das Land der Franken führte, in j grüne Laubschmuck alter Baumriesen, 
deren Völkerbund sich die Chatten, oder wie ! Die Sonne neigte sich bereits zum Untergang 
man sie jetzt nannte: Hessen, begeben hatten. j und beleuchtete mit röthlichem Scheine den 
Saumrosse, Reiter und Fußgänger benutzten i Mann, der auf dem Fels am Wege stand und
	        

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