Full text: Hessenland (5.1891)

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dierenden gewesen sei, welche den durchreisende» ; 
Poeten Hermann Busch begrüßt hätten. 
Eine zweite Quelle ist die sogen. Hogel'sche > 
Chronik, welche handschriftlich im Erfurter Stadt- ! 
archive aufbewahrt wird. Dieselbe sagt zum j 
Jahre 1509 : „Zu der Zeit (1509) lebte und prak- ! 
licirtc in der Stadt ein guter aabronomus und 
medieua Namens N. Siegelhammer, welcher darauf j 
nicht allein, sondern auch gleichfalls als Landgrafen ! 
Philipscn zu Hessen Vater, Landgraf Wilhelm 
der mittlere genannt, in diesem Jahr 1509 ; 
den 11. Juli mit Tode war abgegangen, der i 
so gar schöne Poet und Mcdicus M. Enricius I 
Cordus, so damals neben seinem Landsmann 
M. Eoban Hessen nun s ch on v icr I ah r c lan g i 
zu Erfurt war, solchen seinen Landesfürsten in 
einer threnodie parcntirte" u. s. w.') Es 
folgen dann Nachrichten, die offenbar aus Cordus' 
Epigrammen geschöpft sind, wie denn diese auch 
ausdrücklich angezogen werden. Wenn unter 
anderm gesagt wird: „wohnte mit seinem Weibe 
und Kindern vor den Graden", d. h in der 
nächsten Umgegend des Domes, zu dessen Kirch- 
platze einige Stufen (gradus) führten, daher 
denn dieser Stadttheil vom Volke die „Graden" 
genannt wurde, so könnte dies auch auf das 
Epigramm III. 84 zurückgehen, wo Cordus 
sagt, er habe sich kürzlich einen Garten gekauft, 
„qua turrita foro minatur aedes“, cs wäre 
aber dann eine mißverständliche Auslegung. 
i) Ich verdanke die Mittheilung dieser Stelle der 
Freundlichkeit des Herrn Siadtarchivar IV Beyer in 
Erfurt. Kampsch ulte, Gesch. d. Univ. Erfurt 1, 162, 
A. 1, zitirt die Hogellsche Chronik irrig ad a. 1505. 
(Von der Wohnung des Cordus ist uns nichts 
bekannt, als daß er einige Briefe 1516 ex 
ponte Eemino, d. h. der heutigen Lehmauns- 
brücke, datirt.) Doch könnte auch möglicherweise 
eine andere alte Quelle zu Gründe liegen. Da 
für spricht die eigenthümliche Nameussorm 
N. Sicgclhammcr, womit der in einem Cordi 
schen Epigramm (Opera I, 09) genannte Stin- 
gclamer gemeint ist. Demselben widmete der Dichter 
in seiner ersten Ausgabe der Epigramme 1517 
(I, DO) ein Epitaphium, in welchem er als treff 
licher Arzt und Himmelskundiger bezeichnet wird. 
Die Ucberschrift in der ersten Ausgabe lautet 
Epitaphium Jonn. Stingelameri, wo Jonn. 
ans Joan. verdruckt sein könnte, in den späteren 
Ausgaben nur Epitaphium Llingelameri. Dem 
nach muß der Erfurter Chronist seine Namens 
form aus einer anderen Quelle geschöpft haben, 
wobei durch Verlesen oder aus andere Weise ein 
Irrthum mit unterlief. Auch seine Zeitangabe, 
wonach Stingelamer im Jahre 1509 in Erfurt 
lebte und praktizirte, stammt nicht aus den 
Epigrammen des Cordus. Somit scheint also 
dem Chronisten in der Angabe, daß Cordus 
seit 1505 in Erfurt gelebt, was mit den von 
uns ermittelten Thatsachen ganz genau über 
einstimmt, eine ältere Quelle vorgelegen zu haben, 
und wir sind berechtigt, in dieser Nachricht wieder 
umgekehrt eine Bestätigung unserer obigen Be 
weisführung zu finden. Ob. wie der Chronist 
sagt, Cordus noch im Jahre 1509 in Erfurt 
lebte, muß freilich als zweifelhaft gelten, da wir 
sonst nichts darüber wissen. 
(Schluß folgt.) 
-!— 
irche unb Schult in Hksskn während und nach dem 
dreißigjährigen Wriege. 
Von Vr. Hugo Drunner, 
Bibliothekar an der Landesbibliothck in Kassel. 
Die Leser des Hessenlandes werden diesmal 
in eine traurige Zeit geführt, in die traurigste 
vielleicht, die jemals über unser deutsches Vater 
land dahingegangen ist: ich meine die Zeit des 
dreißigjährigen Krieges. Wenn wir 
aber in kurzen Zügen versuchen, ein Bild der 
grauenvollen Verwüstungen zu entwerfen, welche 
derselbe überall hingetragen hat, so soll dies 
Bild eigentlich nur der dunkle Hintergrund sein, 
aus dem sich ein anderes um so heller abheben 
wird; die hessischen Fürsten und ihre Räthe im 
Verein mit der Geistlichkeit haben das durch die 
unsäglichen Drangsale verwilderte, zucht- und 
sittenlose Volk streng und konsequent wieder zum 
bürgerlichen Leben erzogen. Wir werden ver 
suchen, den geehrten Lesern zu zeigen, wie die 
Genannten ihre Aufgabe erfaßt und durchzu 
führen versucht haben. 
Bis zum Jahre 1618 und noch lange darüber 
hinaus finden wir in Hessen wie anderwärts 
ein fröhliches, wohlhabendes Geschlecht. Ackerbau 
und Viehzucht stehen in herrlicher Blüthe, in 
den Städten ist reger Eewerbfleiß und Handel. 
Die Bürger und Bauern schreiten in stattlichen 
Gewändern einher, und reicher, oft kostbarer 
Hausrath, dessen kunstvolle Arbeit wir heute erst
	        

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