Full text: Hessenland (5.1891)

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Gönner unseres Dichters, der ihm im Jahre 1517 
auch das erste Buch seiner Epigramme gewidmet 
hat. Wenn nun Mutian gebeten wurde, „gleich 
falls" eine Inschrift auf das neue Haus zu 
verfassen, was liegt näher, als die Verse des 
unbekannten Poeten eben für die Hausinschrift 
des Cordus zu halten? Damit wäre denn deutlich 
erwiesen, daß derselbe im Jahre 1507 in Erfurt 
gewesen. Freilich ist der Schluß nicht ganz 
zwingend. Es können auch die Verse eines be 
liebigen Poeten gewesen sein, der eine Inschrift 
auf Goede's Haus verfertigt hatte, und dann 
kann doch Mutian noch gebeten worden sein, 
gleichfalls eine solche zu versassen. Aber wir 
erfinden uns dann unnöthigcrweise einen neuen 
Jnschriftendichtcr neben den uns schon als solche 
bekannten Mutian und Cordus, und wir kommen 
zu der lächerlichen Annahme, daß Goede nicht 
weniger als drei Poeten um Inschriften auf 
sein Haus angegangen habe. Es muß also für 
jeden Unbefangenen feststehen, daß Mutian damals 
die Verse unseres Cordus, der noch seinen ur 
sprünglichen Familiennamen getragen zu haben 
scheint, zu Gesicht gekommen sind. 
Nunmehr können wir auch das Jahr, in 
welchem Cordus zum ersten Male die Univer 
sität bezog, auf Grund seiner eigenen Angabe! 
in der Krankheitselegie ziemlich genau be- I 
stimmen. Zwölf Jahre habe ihn, heißt es da, sein 
Vater aus die seiner Heimath benachbarten bar 
barischen Schulen geschickt. Nehmen wir an, daß 
er etwa als siebenjähriger Knabe auf die Schule 
kam, also 1493, so führt uns dies auf das Jahr 
1505 als das Ende seiner Schulzeit und den 
Beginn seines Universitätsstudiums. Damit 
stimmt auch leidlich eine zweite Angabe des 
Dichters, daß er zehn Jahre lang als Knabe 
auf den Fluren der Heimath sich getummelt 
habe und dann von den Musen zu ihrem Quell 
fortgeführt worden sei, d. h. auf der Universität 
die Dichtkunst erlernt habe. ') Daß er 1507 
bestimmt in Erfurt studierte, ergibt sich aus 
einer früher übersehenen Stelle des Mutianischen 
Briefwechsels (Ausg. von Krank Nr. 78 : „nescio 
cuius poetae versus“), in welcher der unbe 
kannte Dichter der Inschrift auf Goede's Haus 
Cordus sein muß. (Vgl. das Epigr. II, 71: 
In fores Henningi Goedi). 
Und jetzt kann es uns nicht mehr schwer fallen 
da wir den Dichter um 1505 — 1507 in Erfurt an 
wesend wissen, auch seinen ursprünglichen Familien 
namen aus der Universitätsmatrikel zu ermitteln. 
Da er sich 1516 in der Magisterliste als Franken 
berger eingetragen findet'^), da auch Eob. Hessus, der 
*) Epigr. de patria sua V, 100. 
2 ) Euricius Cordus ex Franckenbergk. Hand 
schrift!. Magisterliste zum Z. 1516. 
aus Halgehausen stammte, sich als Frankenbergcr 
einschreiben ließ, und cs damals vielfach üblich 
war, statt eines unbekannten Dorfes den Namen 
der nächsten größeren Stadt als Heimath an 
zugeben , so wird er sich auch wohl in die 
Studentenliste als Frankenberger eingeschrieben 
haben. In den sämmtlichen Jahren aber, die 
hier in Betracht kommen können, findet sich nur ein 
einziger Frankenberger mit Vornamen Heinrich in 
der Matrikel. Es ist dies der im Herbste 1505 
immatrikulirte Heinricus Solde de 
Franckenbergk.') Er und kein anderer 
ist unser Cordus. Als Solde steht er noch ein 
mal 1507, uitb zwar in die Liste der Bakularien 
eingetragen, nicht mehr aber in die der Magister. 
In der Magisterliste andererseits steht 1516 der 
Name Cordus, fehlt aber in der Bakularienliste. 
Diese Ergänzung der beiden Namen dient unserer 
Annahme als weitere Stütze, denn sie spricht 
deutlich für eine Identität von Cordus und 
Solde. Die Promotion zum Bakularius mußte 
bekanntlich stets der zum Magister vorausgehen. 
Man wird unwillkürlich die Frage auswerfen: 
Wie kam es aber, daß Cordus 1507 zum Ba 
kularius und erst neun Jahre später zum 
Magister promovirte, während gewöhnlich nur 
2—3 Jahre zwischen diesen akademischen Würden 
zu liegen pflegten? Es wird sich später zeigen, 
daß Cordus durch ganz eigenthümliche Verhält 
nisse gezwungen wurde, sein akademisches Studium 
bald nach Erwerbung des Bakulariats abzu 
brechen, um es erst wieder 1513 als verheiratheter 
Mann von Neuem aufzunehmen. Einstweilen 
soll es genügen, auf die Schwierigkeit hingewiesen 
zu haben. 
Und nunmehr kommen auch die alten Erfurter 
Chroniken zu ihrem Rechte, welche von einem 
Aufenthalte des Cordus im Jahre 1505 berichten. 
Bisher hat man die Nachrichten einfach für un 
glaubwürdig gehalten, weil sie sich durch andere 
Quellen nicht zu bestätigen schienen. Jetzt aber, 
wo die Sache auch anderweitig sicher bezeugt ist, 
wird man auch jenen alten Nachrichten wieder 
eine gewisse Beachtung schenken und annehmen 
dürfen, daß sie wirklich auf alte, gute Ueber 
lieferung zurückgehen. Die eine dieser Nach 
richten hat Ha nielmann in seinen Opera 
genealogica historica, S. 294, wo et meldet, 
daß Cordus 1505 unter den Erfurter Stu- 
') H. Weißenborn, Men der Univ. Erfurt. Her- 
ausg. von der hist. Kommiss, der Prov. Sachsen. Halle 
1884. 11, 242. Daß der Name Soldan eine Ableitung 
aus Solde, ist in Nr. 12 dieser Zeitschr. S. 152 ff. ge 
zeigt worden. Indeß hat sich die angebliche Aeußerung 
der Frau aus Srmtshausen, daß sich der daselbst geborene 
Dichter Soldan geschrieben habe, als ein Mißverständniß 
herausgestellt.
	        

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