Full text: Hessenland (5.1891)

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leue Untersuchungen über den Uamen und über die 
Hchuljahre des Hichters Kuricius Koröus. 
Von E. Rrsus e.') 
«Fortsetzung.) 
Cordus bcQcum also seine akademische Laufbahn 
gleich mit einem literarischen Streite, den er 
1513 nach jahrelanger Unterbrechung fortsetzte. 
Diese seine streitbare Natur hat er auch später 
nicht verleugne» können. Sein ganzes Leben 
war ein Kamps gegen wirkliche oder vermeint 
liche Feinde, gegen Unbildung, Unwahrheit und 
Heuchelei. 
Den Anlaß jenes ersten Streites bildeten Verse 
Thilonin's „über die göttliche Jungfrau Maria 
und die Orgien des Bacchus". Es ist ein über 
raschendes Zusammentreffen, daß von jenen 
Gedichten wenigstens im Titel sich noch eine 
Spur erhalten zu haben scheint. Wir hören 
nämlich, daß Thielmann Conradi im Jahre 1507 
zu Erfurt ein Gedicht ela XV111 Annunciationis 
cliei insigniis hat erscheinen lassen, also ein 
Gedicht über Mariae Verkündigung. Und ein 
weiteres merkwürdiges Zusammentreffen ist es, 
wenn sich noch ein Brief Mutian's aus dem 
Jahre 1507 erhalten hat, in welchem er sich 
über die dunkele, orakelhafte Sprache eines 
gewissen Tilmannus. dessen Werkchen ihm vorlag, 
lustig macht.') So wird auch des Cordus 
Angriff leicht begreiflich. Derselbe hat sich also 
aller Wahrscheinlichkeit nach im Jahre 1507 in 
Erfurt befunden. Leider scheint die Thiloninische 
Schrift sich nicht erhalten zu habe», sonst würde 
der sichere Beweis für die Richtigkeit jener 
Annahme leicht zu erbringen sein. 
Dafür fehlt es uns aber nicht an einem anderen 
Beweise von ziemlicher Stärke, der sich wieder 
aus einem Briefe Mutian's vom Jahre 1507 
entnehmen läßt. Die Beziehung der betreffen 
den Worte ist bisher sämnitlichen Kennern der 
Mutianischen Briefe verborgen geblieben. Auch 
dem Verfasser dieser Untersuchungen war sie 
früher entgangen, und erst ganz kürzlich hat er 
') Krause. Mut. Br. S. 83. Gillert, I, 75. 
Letzterer hat hier die Beziehung nicht gesunden, da ihm 
der Titel der Thiloninischen Schrift unbekannt war. Erst 
im Nachtrage bringt er die Notiz, aber ohne meine Be 
arbeitung als Quelle zu nennen. Aehnlich verhält es sich 
mit gar vielen seiner „Berichtigungen und Nachträge". 
bei einer gleichzeitigen Beschäftigung mit Cordus 
und mit Mutian durch eine einfache Kombination 
i den Schlüssel gefunden. Mutian schreibt 1507 
an Urban: „Ich habe die Gedichte des Richard 
Sbrulins, so heißt der neue Poet des Kur 
fürsten Friedrich, gesehen. Sic zeigen wenig 
Kraft. Henning (Goede) hat mir auch die 
Verse eines a n d e r n m i r unbekannten 
Poeten (alterius n68cio cuius poctae versus) 
gezeigt. Beide stehen hinter Eoban zurück. Er 
hat mich gebeten, gleichfalls (et ipse) eine 
Inschrift auf sein neues Hans zu verfassen. Ich 
habe die vorliegende verfaßt." ') Sbrulius, ein 
Dalmatiner, einer der anspruchsvollsten Poeten 
vom Schlage Thilonin's, lebte damals in Witten 
berg, wo er einige Gelegenheitsgedichte erscheinen 
ließ. Eben diese hatte Mutian wohl durch seinen 
Erfurter Freund, dm Rechtsgelehrten und Dom 
herrn Henning Goede, zur Einsicht bekommen 
und bei dieser Gelegenheit hatte dieser ihm auch 
einige Verse eines unbekannten Erfurter Poeten 
gezeigt — Goede, scheint persönlich in Gotha 
anwesend gewesen zu sein —, mit der hinzu 
gefügten Bitte, gleichfalls eine Inschrift auf 
sein neues Wohnhaus in Erfurt zu dichten, 
welchem Wunsche Mutian auch entsprach. Goede 
hatte nämlich im Jahre 1505 seine Domherrn 
wohnung auf eigne Kosten neu gebaut, und diese 
scheint also 1507 fertig geworden zu sein. Nun 
finden wir in den Epigrammen des Cordus eines 
„auf die Thüre Henning Gocdc's" * 2 3 ), es ist eine 
Inschrift auf die neue Domhcrrnwohnung. von 
der Cordus auch noch in einem zweiten Epigramme 
viel Rühmens macht'). Goede war ein besonderer 
') Krause, Mut. Br. S. 85. Gillert, I. 74. 
Letzterer denkt bei dem unbekannten Dichter an Thilonin 
und giebt im Nachtrage über das neue Haus Goede's einige 
Bemerkungen, die sich bereits in der Hauptsache in meiner 
Ausgabe vorn unter dem Briefe finden, auch hier ohne 
seine Quelle zu nennen. 
2 ) In fores Heninngi Goedi. Epigr. II, 71. 
3 ) Ad Henn. Goedum. Epigr. I, 9. In der ersten 
Ausg. weiß der Dichter sogar zu rühmen, daß über der 
Thüre eine brennende Laterne hängt: ,?endet et in 
foribus viva lucerna tuis.“
	        

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