Full text: Hessenland (5.1891)

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Aus Heimath und Fremde. 
Die diesmonatliche Versammlung des Vereins für 
hessische Geschichte und Landeskunde fand Montag 
den 30. November statt. Nach geschäftlichen Mit 
theilungen seitens des Vorsitzenden Majors a. D. 
K. von Stamford hielt vr. Karl Scherer den 
angekündigten Vortrag über die „Kasseler Bibliotheken 
im ersten Jahrhundert ihres Bestehens (16. und 
17. Jahrhundert)". Das Interesse, welches der 
Gegenstand an sich schon bot, wurde durch den treff 
lichen Vortrag des Redners noch erhöht, und reicher 
Beifall wurde demselben am Schlüsse gespendet. Wir 
werden auf den Vortrag zurückkommen. 
Zu Gunsten der Errichtung eines Denkmales 
für den Landgrafen Philipp den Groß 
müthigen v o n H e s s e n in Kassel ist vom Ober 
präsidenten Grafen zu Eulenburg durch Erlaß vom 
30. Oktober c. eine einmalige Sammlung freiwilliger 
Beitrüge bei den evangelischen Einwohnern der Provinz 
Hesien-Nassau genehmigt worden. Zweifellos wird 
diese Sammlung in allen ehemals hessischen Gebieten 
einer guten Aufnahme begegnen und reichen Erfolg 
haben. 
Am 22. November erlebte die neue Oper 
„St. Annenquell* von W. Bennccke und 
R. Jbener im Königl. Theater zu Kassel 
ihre erste Aufführung und fand lebhaften Beifall. 
Der Text dieser einaktigen komischen Oper ist nach 
einem, „der neue Narciß" betitelten Lustspiele der 
Dichterin Helmine von Chezy, das 1824 im Taschen 
buche „Orphea" erschien, von W. Bennecke in sehr 
geschickter und gefälliger Weise bearbeitet worden, und 
die musikalische Komposition von R. Jbener verdient 
gleichfalls volle Anerkennung. Der Textdichter und 
der Komponist wurden am Schlüsse der Aufführung 
von dem außerordentlich zahlreich erschienenen Publi 
kum wiederholt gerufen. Die kleine Oper wird sicher 
nicht nur in dem Königl. Theater zu Kassel häufiger 
wiederholt werden, sondern auch auf auswärtigen 
Bühnen zur Aufführung gelangen und auch dort den 
verdienten Beifall finden. 
Unser Landsmann vr. Hermann Gehrmann 
feiert augenblicklich in Berlin große Triumphe als 
Klaviervirtuose. Die Kritik bespricht einstimmig 
lobend des Künstlers Vortragsweise und Finger 
fertigkeit. 
Universitätsnachricht en. Der Privatdozent 
der Chemie vr. Wilhelm Roser in Marburg 
hat die an ihn ergangene Berufung zum außer 
ordentlichen Professor an die Universität Jena ab 
gelehnt. — Zum Nachfolger des wegen vorgerückten 
Alters in den Ruhestand getretenen Professors der 
Botanik vr. H. Hoffmann in Gießen ist der 
Privatdozent an der technischen Hochschule zu Darm 
stadt vr. Adolf Hansen ernannt worden. — 
Unser hessischer Landsmann, der Professor der orien 
talischen Sprachen und der christlichen Archäologie 
vr Gustav Bickell in Innsbruck ist an die 
Universität zu Wien berufen worden. — An Stelle 
des im Sommer d. I. verstorbenen Professors der 
Kunstgeschichte vr. A. Springer in Leipzig ist der 
Professor vr. Karl Justi in Bonn, ein geborener 
Marburger und früher Professor an der Universität 
Marburg, berufen worden. 
Hessische Sücherschau. 
Von unserem Landsmann Fritz Bode, dessen 
erster Sang „Bilstein" unter dem Pseudonym Hans 
Elben erschien, und desien „Stolberg" wir vorvorige 
Weihnachten recht empfehlen konnten, liegt diesmal 
vor: „Meergold", im Verlage von A. Speyer in 
Arolsen. 
In neun Bildern entrollt sich uns eine entzückende 
Novelle: vor uns liegt vom Meere umfluthet eine 
Hallig, auf der ein erschütterndes Drama im Kampf 
der Elemente und im Brausen menschlicher Leiden 
schaften sich abspielt, bis die zerstörende Sturmstuth 
verläuft und die Macht der Liebe neues Leben aus 
Ruinen erblühen läßt. Niemand wird die mit 
poetischem Gemüth geschauten und in klassischer Prosa 
gezeichneten Gestalten des lieblichen Kinderpaares, Maja 
und Tom, dann Paul's und Margot's, des wetter 
harten Lootsen, des greisen Küsters, des unheimlichen 
Peter — und vor allem des Meerkobolds Klaus 
ohne herzliches Interesse betrachten können mitten in 
der getreu gezeichneten Natur. Wahrlich, Fritz Bode 
hat einen reichen Schatz echter Poesie dem Meere 
abgerungen, den wir allen zum Lesen bestens em 
pfehlen, besonders sinnigen Frauen und Jungfrauen. 
Dr. phil. Kritz Seettg. 
König, K., Thüringer Sagenschatz und historische 
Erzählungen. Mit 18 Illustrationen. Gotha. 
Der erste Band dieses Merkchens wird eingeleitet 
mit einer kurzen Darlegung der Herkunft und ge 
schichtlichen Bedeutung des Thüringer Landgrafen 
geschlechtes. Es folgen die Sagen, welche sich auf 
den nordwestlichen Theil des Thüringerwaldes beziehen, 
insonderheit auf die Gegend von Friedrichroda, 
Reinhardsbrunn und Brotterode. Aus letzterem 
(hessischen) Städtchen kommt auch Sittenkundliches zur 
Sprache. K. 
O. Fromm, Petrographische Untersuchungen von 
Basalten aus der Umgegend von Kasiel. — Zeit 
schrift der deutschen geologischen Gesellschaft. Berlin 
1891. 
Die Untersuchungen erstrecken sich auf die Basalte
	        

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