Full text: Hessenland (5.1891)

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Wasseler Wnöerlieöchen, 
gessmmelk und erläutert von Dr. Gustsv LsKuche und Johann Tewsller. 
(Schluß.) 
220) Ich bin kein Freund von Traurigkeit 
Hub geh' nicht gern allein, 
Ich liebe die Gemüthlichkeit 
Rnd mochte mich gern freu'n. 
Komm' her zu mir, komm' her zu mir, 
Komm' her, komm' her zu mir! 
Das Lied ist ein bloßes Geberdenspiel; die 
Kinder gehen singend im Kreise herum, stehen 
aber plötzlich still beim Worte: freu'n. Dann 
winken sie mit- dem rechten Zeigefinger. Geber- 
den und Rundreime der anderen Strophen sind 
so: „Geh' weg von mir" mit Abwinken; „O 
warte nur" mit Drohen des Fingers; „O weh, 
o weh!" mit Wackeln des Körpers, während die 
Arme in die Hüften gestützt sind, „Hazzi, 
hazzi!" mit Niesen. 
221) Ein Dauermüdchen aus der Stadt, 
Das Aepfel zu verkaufen hat, 
Ging einst die Strafze auf und ab: 
Wer kauft mir meine Aepfel ab? 
Ein reicher Herr gegangen kam 
Rnd sich die Aepfel alle nahm: 
Mein liebes Kind, Sie irren sich, 
Die Aepfel fchmecken säuerlich! 
Mein lieber Herr, das glaub' ich nicht, 
Denn schlechte Waare führ' ich nicht! 
Dies Gedicht wird von den Kindern ohne Ge 
berdespiel einfach im Kreise gesungen. 
222) Ich bin ein Musikante 
Rnd komm' aus Schmabenlande. 
Ich kann spielen 
Die Violine: 
Fille fille sum sum sum 
Rutsch mir nicht den Ducket krumm. 
Ich bin ein Musikante 
Rnd komm' aus Schwabenlande. 
Ich kann spielen 
Auf der Flöte: 
Aeppel, bäppel, äppel bäppel, 
Aeppel bappel, äppel bäppel. 
Ich bin ein Mullkante 
Rnd komm' aus Schwabeulande. 
Ich kann spielen 
Auf dem Klaviere: 
Krabsch mal hier und krabsch mal da 
Rnd krabsch mal nach Amerika. 
Die Kinder stehen im Kreise und begleiten ihren 
Gesang mit den nöthigen Geberden, dem Fiedeln 
der bald hell, bald dumpf klingenden Geige, dem 
Blasen der hölzernen Flöte und dem wilden 
Scklagen der Tasten. 
223) Dokter Där 
Schickt mich her, 
Ich soll holen 
Drei Pistolen. 
Eine für mich, 
Eine für dich, 
Eine für Druder Heinerich. 
224) Musi wandern, muß wandern 
Don einem Drt zum andern. 
Da kommt der lust'ge Springherein, 
Schüttelt mit dem Kops, 
Rüttelt mit dem Rock, 
Stampft mit dem Fuß. 
Komm' wir wollen springen geh'n, 
Springen geh'n, 
And're müssen stille stehen. 
Die Kinder führen die in diesem lustigen Marsch 
liede erwähnten Geberden aus; cs streift sehr 
an die Lieder von dem Bettelhaushalt, wo über 
alle Armuth die Sanges- und Wanderlust fröhlich 
obsiegt, wie z. B. in Musäus' Märchen 5, 130: 
Aus welcher Gegend kommt ihr? von Sonnen 
aufgang. Wohin gedenkt ihr? nach Sonnen 
niedergang . . . Springinsfeld grüßt mich die 
Welt. Zeitvertreib nennt sich mein Weib . . . 
Saufewind tauft' ich mein Kind . . . Hupf- 
insstroh heißt mein Floh usw. 
225) Wir fahren auf der grünen See, 
Wo die Fischlein schwimmen, 
Da freuet üch mein ganzes Herz, 
Jubelt laut und finget. 
Ehre-beere, 
Wir find hier, 
Den Goldfisch, den Goldfisch, 
Den sangen wir. 
Bei dem Worte Gvldsisch faßt ein Kind aus 
dem Kreise das rechts neben ihm stehende von 
hinten an das Kleid. So kommen im Verlaufe 
des Spieles alle Kinder statt nebeneinander 
schließlich hintereinander zu stehen. 
226) Lieschen, hast du's Dett gemacht? 
Ach, nein, ich hab's vergessen. 
Ich hab' die liebe lange Rächt 
Dei meinem Schatz gesessen. 
Lieschen einen Schatz will haben, 
Musi sie rothe Dänder tragen, 
Rothe Dänder sein, 
Aber sehr gemein? 
227) Haben Sie 'n Lisch gedeckt? 
Jawohl, Madam! 
Auch Teller und Messer und Gabeln? 
Jawohl, Madam! 
Auch Draten und Salat? 
Jawohl, Madam? 
Auch Pfeffer und Salz am Salat? 
Rein, ein bischen Schnupftabak! 
Diese beiden lustigen Zwiegespräche werden von 
den Kindern mit vertheilten Rollen gespielt.
	        

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