Full text: Hessenland (5.1891)

306 
leue Knlersuchungen über den Uamen und über die 
Kchuljahre des Dichters Kuricius Koröus. 
Von <£. Krause.') 
Ueber der Jugendgeschichte des Cordus hat 
bisher ein eigenthümliches Dunkel geruht, das 
in älterer Zeit vielfach durch allerhand sonderbare 
und erbauliche Fabeln, meist auf Grund miß 
verstandener Stellen seiner Gedichte, zu erhellen 
versucht worden ist. Es war diese lückenhafte 
Ueberlieferung um so auffallender, als wir über 
die Lebensumstände seines vertrauten Jugend 
freundes und Landsmannes Eobanus Hessus im 
Einzelnen ziemlich genau unterrichtet sind. Eine 
Mißgunst des Geschickes hat hier obgewaltet. 
Dem berühmten Poeten Eoban, der von der 
Mitwelt über Gebühr angestaunt wurde, hat 
sein Freund Joachim Camerarius in seiner schönen 
Narratio äe bl. Hesso (1553) ein unvergängliches 
Denkmal gesetzt und uns darin genaue Nachrichten 
über ihn auf Grund persönlicher Erlebnisse und 
Erkundigungen aufbewahrt, den Satiriker Cordus 
aber, der es wegen seiner Reizbarkeit und Tadel 
sucht weniger verstand, sich den Beifall der Zeit 
genossen zu erwerben, obwohl er an dichterischem 
Gehalte den „Dichterkönig" Eoban weit überragt, 
hat Niemand einer so ausführlichen Biographie 
für werth gehalten. Nur einen ganz kurzen 
Abriß seines Lebens besitzen wir, von der Hand 
eines alten dankbaren Schülers, des biedern 
hessischen Chronisten Wiegand Lauze. Die Mit 
theilungen sind aber, so dankenswerth sie auch 
sind, doch zu lückenhaft und lassen uns über 
wichtige Abschnitte im Leben des Cordus ganz 
im Stiche. Dies ist namentlich in seiner Jugend 
geschichte der Fall, die nicht in dem Maße wie 
die späteren Jahre durch gleichzeitige Schriften 
beleuchtet wird. 
Alles, was wir bisher darüber wußten, he 
lf Vgl. den Artikel „Zwei neue Gedichte des Euricius 
Cordus u. s. w." in Nr 9 dieser Zeitschrift, sowie den in 
Nr. 12 „Vom Name» des Dichters Euricius Cordus." Die 
Hauptpunkte der solgenden Untersuchungen sind, jedoch in 
knapperer Form, von mir zuerst in der Einleitung zu den 
Epigrammen des Cordus (Lat. Litteraturdenkmäler des 
15. u. 16. Jahrhdts.; herausgeg. von Dr. Max Kerrmann 
und Dr. Siegfried Szamatolski, 5. Heft, Berlin 1891) 
ausgeführt worden. 
schränkte sich im Wesentlichen auf Folgendes: 
Geboren I486 in Simtshausen, einem ober 
hessischen Dorfe zwischen Marburg und Franken 
berg, besuchte er die Schule in Frankenberg und 
ging 1513 zur Universität Erfurt, wo er noch 
in demselben Jahre heirathete. Und von diesen 
wenigen Daten sind noch mehrere nur auf Ver 
muthungen gegründet und mit irrigen Zuthaten 
versehen, wie z. B. wenn angenommen wurde, 
daß er die Frankenberger Schule unter ihrem 
Rektor Jakob Horle (Horläus) und zugleich mit 
Eoban Hesse besucht habe. Merkwürdig war es 
auch, daß in der Studentenmatrikel der Uni 
versität Erfurt der Name des Dichters nicht zu 
finden war und daß wir erst aus den Briefen 
eines älteren Freundes, des Gothaer Domherrn 
Mutianus Rufus, gleichfalls eines geborenen 
Hessen aus Homberg, über seinen Aufenthalt in 
Erfurt seit Sommer 1513 unterrichtet waren. 
Alles dies um so ausfallender, als wir von dem 
um zwei Jahre jüngeren Eoban wußten, daß er 
schon 1504 unmittelbar von der Frankenberger 
Schule zur Universität Erfurt ging und hier als 
Eobanus Coci (Koch) Francobergius immatrikulirt 
wurde. Wo sich aber Cordus in den Jahren 
1504—13 aufgehalten, war in ein undurchdring 
liches Dunkel gehüllt, ebenso wie uns seht ur 
sprünglicher Familienname gänzlich unbekannt 
war. Nur die dürftige Notiz, daß er sich im 
Jahre 1509 bei der feierlichen Beisetzung des 
Landgrafen Wilhelm II. in Marburg befunden 
haben müsse, konnte man aus seiner „Threnodie" 
auf den Tod dieses Fürsten entnehmen. 
Der Verfasser dieser Mittheilungen ist jetzt in 
der Lage, durch neue, ihm erst kürzlich bekannt 
gewordene Quellen, von denen wir die eine schon 
in den früher (Nr. 9 dieser Ztschr.) mitgetheilten 
„Krankheitselegieen" kennen gelernt haben, die 
seitherigen Lücken in den Nachrichten über Cordus 
wesentlich ergänzen zu können. 
Der feste Punkt, von welchem wir bei unserer 
Untersuchung auszugehen haben, ist das schon 
! genannte Jahr 1513, in welchem unser Poet
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.