Full text: Hessenland (5.1891)

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213) Es kamen zwei Pantoffeln herein 
Ade! ade, ade! 
Was wollen die zwei Pantoffeln herein? 
Ist wohl der Herr Pastor zu Haus? 
Was soll der Herr Pastor zu Haus? 
Wir wollten ihm ein Briefchen schreiben. 
Was soll denn in dem Brieschen stehn? 
Die .jüngste Tochter Braut soll werden. 
Die jüngste Tochter geben wir nicht. 
Dann schmeißen wir die Scheiben ein. 
Dann machen wir die Schaltern zu. 
Dann stecken wir das Häuschen an. 
Dann löschen wir's mit Apfelwein, — 
Der Herr Pastor hat uns erlaubt, 
Die jüngste Tochter soll werden Braut. 
Bei diesem Brautwerbe-Lied schreiten die zwei 
Brautwerber auf die in langer Reihe neben 
einander aufgestellte Familie der Braut zu und 
bei dem Rundreim wieder zurück; es antwortet 
ihnen, mit Sang und Schritt, die Familie der 
Braut. So geht's in lebhaftem Wechselspiele 
bis zum Schluß. — Die Pantoffeln bedeuten 
die Brautschuhe, wie noch heute an manchen 
Orten die Braut während des Hochzeitsmahles 
beschuht oder auch auf scherzhafte Weise entschuht 
wird, wie auch König Rother einst als Braut 
werber in Byzanz die Königstochter beschuhte. 
Das Ade klingt schon wie das Klagelied der 
vom Elternhause scheidenden Braut (Lewalter 
II, 35). 
214) Der Sandmann kommt, 
Der Sandmann kommt, 
Cr Hai so schonen weißen Sand, 
Ist allen Leuten wohl bekannt. 
Das Lied, wie 204 gespielt, entstammt gewiß 
der Zeit der ungestrichenen Dielen, da die Sand 
bauern noch häufiger ihr Jausah! (Strau- d. i. 
Streusand) in unseren Straßen ertönen ließen. 
215) Es zog ein Mann durch Astenland, hohopp, 
Es zog ein Mann durch Astenland, Ailo Ailo hohohopp, 
Es zog ein Mann durch Astenland, Nilo, Nilo hopp. 
Er hat sein Esel an der Hand. 
Drauf legt er seine Leinewand. 
Drauf geht er zur Frau Schneiderin. 
Mach mir daraus ein Käppelein. 
Drauf geht er zur Frau Hahnebeck. 
Wie steht mir denn mein Käppelein? 
Es steht dir wie ein Köckelschwcin. 
Draus geht er zur Frau Schneiderin. 
Ihr habt verschnitten mein Käppelein. 
Innen im Kreise stehen zwei Kinder, der Mann 
mit dem Esel; auch die Frau Schneiderin und 
Frau Hahnebeck werden nachher durch zwei 
Kinder in der Mitte dargestellt, die Leinwand 
durch ein Stück Papier angedeutet. Zum Schluß 
prügeln Mann, Esel und Frau Hahnebeck die 
ungeschickte Putzmacherin durch. — Das Lied 
hat gewiß recht alte Stücke. Köckelschwein ist 
unverständlich, vielleicht entstellt aus: Köckelein, 
d. h. Gockelhähnchen. 
216) Meine Mutter backt Kreppeln, 
Se backt se so hart, 
Se schließt se in'n Keller 
And giebt mer nit satt. 
Se giebt mer drei Brocken, 
De Hühner zu locken: 
Komm', Bib, komm', Dib, komm', Bib! 
And wenn's meine Mutter 
Noch einmal so macht, 
Dann nehme ich mein Bündel 
Und sage Gute Nacht! 
Nnd gehe nicht weiter 
Bis über die Brücke 
Nnd kehre mein Lebtag 
Nit wieder zurück. 
Dies Tanz-Lied, einst in Kassel sehr beliebt, 
gleicht durch den neckischen Ton und den hüpfen 
den Wortfall sehr einem Schnadahüpfl, aus dem 
es vielleicht entstand. Der lustige Schluß, daß 
der böse Junge nie wieder heimkommen will, 
sich aber dabei doch nicht weiter als zur nächsten 
Brücke wagt, erinnert an den Peter in der 
Fremde. 
217) Haben Sie Lakwendel, 
Großmarin nnd Timian 
And ein wenig Huendel? 
Ja, Madam, das haben wir 
Draußen in dem Garten; 
Will Madam so gütig sein 
And ein wenig warten? 
Johann! hol den Sessel rein 
Mit der gold'nen Spike, 
Will Madam so gütig sein 
And ein wenig sitzen? 
Das Lied wird gesprochen und lebhaft dargestellt. 
Zum Apotheker kommt eine gar feine Madam, 
für die der Johann schnell einen gold'nen Sessel 
herbeiholen muß; sie wünscht Lavendel (gegen 
Migräne!), Rosmarin (als Pomade!), Thymian 
und, was dasselbe ist, Quendel (als Duftöl). 
218) Dort oben aus dem Berg, 
Dort oben auf dem Berg, 
Dort oben aus dem pol'schen Berg, 
Juchheisa, vivat pol'schen Berg. 
Dort oben aus dem Berg, 
Da steht ein altes Haus. 
Wer wohnt im alten Haus? 
Da wohnt 'ne alte Hey. 
Die Hey, die hat ein Kind. 
Das Kind, das hat 'ne Magd. 
Die Magd, die hat 'nen Knecht. 
Der Knecht, der hat 'ne Kuh. 
Die Kuh, die giebt uns Milch. 
Was macht man aus der Milch? 
Man macht daraus ein Käs. 
' Was macht man mit dem Käs? 
Man bringt ihn auf das Markt. 
Da kam ein alter Mann. 
Was kost't denn so ein Käs? 
Drei Baken und ein Loch. 
In der Mitte des Kreises steht ein Kind als 
altes Haus; es nimmt aus der Runde eins 
zu sich in die Mitte als Hexe, die sich wieder 
um ihr Kind wählt, usw. Die Kinder innen
	        

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