Full text: Hessenland (5.1891)

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nannt- Im Jahre 1874 wurde ihm die Refe 
rentenstelle in Schulangelegenheiten bei der König 
lichen Regierung in Kassel übertragen, auch 
wurde er gleichzeitig zum Mitgliede der Feld 
messer-Prüfungskommission bestellt. Als Prinz 
Wilhelm von Preußen, unser jetziger Kaiser, von 
1874—1877 das Kasseler Gymnasium besuchte, 
war Dr. Auth nicht nur dessen Klassenlehrer, 
er wurde auch dazu berufen, demselben Privat 
unterricht in der Mathematik zu ertheilen. Beim 
Abgang vom Gymnasium überreichte der Prinz 
seinem Lehrer persönlich den diesem vom Kaiser 
Wilhelm I. verliehenen Kronenorden, auch er 
hielt Dr. Auth das Bild des Prinzen mit dessen 
eigenhändiger Unterschrift. 
Im März des Jahres 1886 wurde Dr. Auth 
der Titel „Professor" verliehen und bei der 
Errichtung des neuen Wilhelms-Gymnasiums zu 
Ostern des letztgenannten Jahres wurde er zum 
ersten Oberlehrer dieser Anstalt ernannt. In 
dieser Stellung ist er ununterbrochen bis zu den 
letzten Tagen seines Lebens thätig gewesen. 
Professor Auth hat sich große Verdienste um 
das Schulwesen in Kassel erworben. Im un 
mittelbaren Lehramte war er unübertrefflich. 
Vermöge seiner Geistesschärfe und seines klaren 
Verstandes war er wie geschaffen zum Mathematik 
lehrer und glänzend sind die Erfolge, die er 
durch seine vortreffliche Lehrgabe erzielte. Mit 
treuer Hingebung erfüllte er die Pflichten seines 
Amtes, für seine Schüler bethätigte er in hohem 
Grade ein lebendiges persönliches Interesse und 
so konnte es denn auch nicht fehlen, daß sein 
Wirken von Anfang bis zu Ende ein segens 
reiches war. 
Ich kann meinen Artikel nicht schließen, ohne 
des edlen Charakters des Verblichenen noch be 
sonders zu gedenken. Die Eigenschaften seines 
Herzens standen in schönstem Einklang mit 
denjenigen seines Geistes. 
Er war ein Mann ohne Arg und Falsch, 
durchaus wahr und aufrichtig, fest zu dem stehend, 
was er einmal für das Rechte erkannt, schlicht 
und einfach in seinem Auftreten, gefällig und 
wohlwollend gegen Jedermann. Er freute sich, 
wenn er seinen Mitmenschen hilfreich sein und 
Gutes erzeigen konnte und in wahrhaft groß 
artiger Weise, mit Lust und mit Liebe, übte er 
die Gastfreundschaft aus, in welcher Eigenschaft 
seine Familie mit ihm wetteiferte. Seine Ehe 
war die glücklichste. Seine Gattin Emilie, geb. 
Knappe, schuf ihm im Vereine mit der Tochter 
und dem Sohne das angenehmste häusliche Leben, 
in dem er sich wohl und behaglich fühlte. 
In den letzten Jahren war der früher kern 
gesunde Mann wiederholt von Krankheiten 
heimgesucht worden, die er aber dank seiner 
kräftigen Natur und dank der sorgsamen Pflege 
durch die Seinen überwand, bis am 23. Dezember 
v. I. ein Herzschlag seinem verdienstvollen Leben 
ein Ziel setzte. 
Ehre seinem Andenken. Ii. Z. 
Rhabarms Maurus. 
1. Im Konvente. 
Dürres Blatt vom dürren Baume trieb der Sturm von 
Nordlands Küste, 
Traurig sang's durch Wald und Haide und der Sommer 
ging zu Rüste. 
Trübe Mär durchfuhr die Lande auf des Sturmes raschen 
Schwingen, 
Die bei Fontanet am Felde sah der Kaiserbrüder Ringen; 
Und des Windes Söhne sangen von des grausen Schnitters 
Mähen, 
Sensenschwingen, Garbenbinden, von dem Mahl der Nebel 
krähen. 
Wolken zogen unaufhörlich mit dem Lockenhaar dem bleichen. 
Und in graue Herbstesnebel ragte Fulda aus den Eichen. — 
In des Klosters Remter saßen Abt und Mönch in ernstem 
Sinnen, 
Denn von Ludwig eine Botschaft wies Rhaban, den Abt, 
von hinnen. 
Und es sprach der Abt voll Würde: „Was beschied des 
Königs Nichten, 
Habt ihr selber jetzt vernommen, und ihr sollt die Sache 
schlichten. 
Euer Wunsch und Wille wählte mich zum Abt auf Sturmi's 
Stuhle, 
Machte mich zum Hort und Meister der gerühmten Kloster 
schule: 
Drum bedenket euer Thuen, Königsgunst und Königsgnaden, 
Oder euren Abt zu schirmen — bring es Nutzen — bring 
es Schaden!" 
Ebbo sprach, des Königs Sendling: „Weil Rhaban Lothar 
vermessen 
Schutz geboten, weist ihn Ludwig fortan aus dem Land 
der Hessen. 
Söhne Sturmi's eins nur frommet, lasset's euch in Frieden 
rathen: 
Starker Schutz ist Königsgnade, Königszorn bringt großen 
Schaden! * 
Schweigend sannen die Seniores, die Rhabans Berather 
waren; 
Nur am Firste des Konventes zwitscherten die Schwalben- 
schaaren. 
Denn zur weiten Meeresreise schickten sich die Frühlings 
sänger; 
Schutz und Futter wehrt' der Winter und des Bleibens 
war nicht länger. 
Endlich brach das Schweigen Bruno. — Unbarmherzig mit 
der Ruthe 
War er Censor an der Schule; trübe war's ihm heut zu 
Muthe —
	        

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